Hackerangriff auf Uniklinik Düsseldorf: Ermittlungen nach Tod einer Frau

Der IT-Ausfall an der Uniklinik geht tatsächlich auf einen Hackerangriff zurück. Die Erpresser zogen sich zurück. Es wird wegen eines Todesfalls ermittelt.

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(Bild: Pixfiction/Shutterstock.com)

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  • dpa

Der IT-Ausfall an der Düsseldorfer Uniklinik beruht nach Angaben der Landesregierung auf einem kriminellen Hackerangriff mit Erpressung. Wissenschaftsministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen (parteilos) sagte am Donnerstag im Landtag, die Täter hätten nach Kontakt zur Polizei die Erpressung zurückgezogen. Die Staatsanwaltschaft führt auch ein Todesermittlungsverfahren, da eine Patientin in ein Wuppertaler Krankenhaus umgeleitet werden musste – und starb.

Aus einem Bericht des Justizministers ging hervor, dass vergangene Woche 30 Server des Klinikums verschlüsselt wurden. Auf einem Server wurde ein Erpresserschreiben hinterlassen, das allerdings an die Düsseldorfer Heinrich Heine-Uni gerichtet war. In dem Schreiben forderten die Erpresser zur Kontaktaufnahme auf – eine konkrete Summe nannten sie laut Bericht nicht.

Die Düsseldorfer Polizei habe dann tatsächlich Kontakt aufgenommen und den Tätern mitgeteilt, dass durch ihren kriminellen Hackerangriff ein Krankenhaus – und nicht die Universität – betroffen sei. Damit seien Patienten erheblich gefährdet. Die Täter hätten daraufhin die Erpressung zurückgezogen und einen digitalen Schlüssel ausgehändigt, mit dem die Daten wieder entschlüsselt werden können.

Die Ermittler haben laut Bericht daher den Verdacht, dass das Uni-Klinikum nur zufällig betroffen war. Inzwischen seien die Täter nicht mehr erreichbar.

Wie das Justizministerium Nordrhein-Westfalens inzwischen gegenüber heise online bestätigt hat, führt die Staatsanwaltschaft Wuppertal ein Todesermittlungsverfahren durch, das möglicherweise einen Zusammenhang offenlegt: Eine lebensbedrohlich erkrankte Patientin, die in der Nacht vom 11. auf den 12. September laut Bericht "mittels Rettungsdienst in das Universitätsklinikum Düsseldorf hätte eingeliefert werden sollen, [musste] an ein weiter entferntes Krankenhaus in Wuppertal verwiesen werden". Ihre Behandlung habe erst mit einstündiger Verspätung stattfinden können. Sie starb kurze Zeit später, so der Justizminister in seinem Bericht. Sollte ermittelt werden, dass sie bei einer schnelleren Behandlung überlebt hätte, könnten Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung folgen.

Ein Sprecher der Düsseldorfer Uni-Klinik betonte am Donnerstag, dass sein Haus zu diesem Zeitpunkt bereits von der Notfallversorgung abgemeldet gewesen sei. Rettungswagen hätten die Klinik nicht mehr angefahren. Was genau in der Nacht passierte, blieb zunächst unklar. Die Zentral- und Ansprechstelle Cybercrime Nordrhein-Westfalen (ZAC) prüft laut dem Bericht an den Landtag noch, ob sie die Ermittlungen übernimmt – und das Verfahren gegebenenfalls um den Vorwurf der fahrlässigen Tötung erweitert wird.

Bei dem Hackerangriff sind nach bisherigen Erkenntnissen keine Daten gestohlen oder unwiederbringlich gelöscht worden. Das hätten Untersuchungen von IT-Experten ergeben, teilte die Klinik mit.

Die Hacker hätten eine Schwachstelle in einer Anwendung ausgenutzt. "Die Sicherheitslücke befand sich in einer marktüblichen und weltweit verbreiteten kommerziellen Zusatzsoftware. Bis zur endgültigen Schließung dieser Lücke durch die Softwarefirma war ein ausreichendes Zeitfenster gegeben, um in die Systeme einzudringen", teilte die Klinik mit. Die Angreifer hätten dafür gesorgt, dass nach und nach Systeme ausfielen und ein Zugriff auf gespeicherte Daten nicht mehr möglich war.

Die Uniklinik Düsseldorf rechnet nun damit, dass es noch einige Zeit dauern wird, bis Patienten wieder normal behandelt werden können. "Aufgrund des Umfangs des IT-Systems und der Fülle an Daten können wir noch nicht abschätzen, wann dieser Prozess abgeschlossen sein wird", sagte der Kaufmännische Direktor, Ekkehard Zimmer, am Donnerstag. "Wir sind aber zuversichtlich, dass wir in den nächsten Tagen die Zeitspanne besser abschätzen können und dann auch Schritt für Schritt wieder für unsere Patientinnen da sind."

Vergangene Woche Donnerstag war das IT-System des Universitätsklinikums ausgefallen. Rettungswagen fuhren die große Einrichtung in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt daraufhin nicht mehr an, Operationen wurden verschoben und geplante Behandlungstermine abgesagt.

[Update 17.09.2020 – 17:25 Uhr] Anders als ursprünglich gemeldet, gibt es in dem Zusammenhang (noch) keine Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung. Das hat das nordrhein-westfälische Justizministerium gegenüber heise online bestätigt. Die Meldung und der Titel wurden entsprechend korrigiert.

[Update 18.09.2020 – 10:35 Uhr] Wie die Staatsanwaltschaft Köln gegenüber heise online mitgeteilt hat, gibt es inzwischen genügend Anhaltspunkte, um die Ermittlungen auszuweiten. Gegen die Angreifer wird deshalb wegen des Anfangsverdachts der fahrlässigen Tötung ermittelt.

(mho)