Hacking Team: Ex-CEO erklärt Spionagesoftware-Firma für "endgültig tot"

Ein Mitbegründer des inzwischen in "Memento Labs" aufgegangenen Spähsoftware-Herstellers Hacking Team hat sein Ex-Unternehmen bei LinkedIn virtuell "beerdigt".

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(Bild: Shutterstock.com / Gorodenkoff)

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David Vincenzetti, Ex-CEO und Mitbegründer des italienischen Spionagesoftware-Unternehmens "Hacking Team", hat das Unternehmen in einem Posting auf dem offiziellen LinkedIn-Profil desselben für "tot" erklärt. "Hacking Team is dead. Definitely dead", heißt es in einem am gestrigen Dienstag veröffentlichten Beitrag.

Ein paar Stunden später verspürte Vincenzetti offenbar das Bedürfnis, diese Aussage zu präzisieren: Er wies in einem weiteren Posting auf der LinkedIn-Profilseite von Hacking Team darauf hin, dass er die Firma bereits letztes Jahr verkauft hatte und kurz danach komplett ausstieg. Er selbst befasse sich nicht mehr mit – wie er es nennt – "Attack Security" und habe auch keinerlei Pläne, dies in Zukunft wieder zu tun. Weitere Fragen zu seinen Aussagen (oder nach den Beweggründen für diese) wolle Vincenzetti nicht beantworten und LinkedIn überdies künftig nicht mehr nutzen.

(Bild: Screenshot / LinkedIn)

Die 2003 in Mailand gegründete Firma Hacking Team entwickelte, ähnlich wie etwa die NSO Group oder FinFisher, Überwachungssoftware für Regierungen, Behörden und Unternehmen – zeitweise mit großem Erfolg. Das Team zählte dabei auch Staaten mit zweifelhafter Menschenrechtssituation zu seiner Kundschaft.

Die teils durchaus positiven Reaktionen auf Vincenzettis Posting in den Kommentaren überraschen wenig.

(Bild: Screenshot / LinkedIn)

2015 fiel Hacking Team selbst einem Hack zum Opfer, in dessen Zuge es zu einem massiven Vertrauens- und Kundenverlust kam. Spionage-Tools sowie interne Unterlagen des Unternehmens wurden geleakt; kurz darauf folgte auch noch die Veröffentlichung von mehr als einer Million vertraulicher E-Mails durch Wikileaks.

Hacking Team verschwand, trotz Ankündigungen eines geplanten Neustarts, in der Versenkung – und wurde erst im April 2019 wieder sichtbar, als die Überwachungsfirma InTheCyber das Unternehmen zum größten Teil aufkaufte und beide Firmen unter dem Namen Memento Labs zusammenführte. 20 Prozent, so schrieb die News-Plattform Vice, gingen an einen anonymen saudi-arabischen Investor. Vincenzetti stieg aus.

Memento Labs landete seinerseits erst im März dieses Jahres auf der Liste der "20 größten Feinde des Internets" der Organisation Reporter ohne Grenzen. Allerdings hat sich das Unternehmen, wie Reporter ohne Grenzen es beschreibt, "in jüngerer Zeit weitgehend aus den Schlagzeilen herausgehalten".

Für tot erklärt hat sich der Hacking-Team-Nachfolger selbst (noch) nicht. Dennoch ist es durchaus möglich, dass sich die von Vincenzetti veröffentlichte "Todsagung" des Hacking Teams auch auf dessen Nachfolger bezieht: Schilderungen ehemaliger Mitarbeiter von Memento Labs in einem aktuellen Vice-Artikel zeichnen das Bild eines angeschlagenen, derzeit nicht konkurrenzfähigen Unternehmens.

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Demnach fußen die Probleme unter anderem auf Streitigkeiten mit Vincenzetti noch immer loyal ergebenen Angestellten, überzogenen Gehaltsforderungen und einem Mangel an Personal. Es fehle an Fachkompetenz bei Management und verbliebenen Mitarbeitern. Vor allem aber benötige der Code des ehemaligen Hacking-Team-Vorzeigeprodukts, der Überwachungssoftware "Remote Control System" (RCS), dringend eine Generalüberholung, so die Ex-Mitarbeiter. Die Software sei im Grunde noch dieselbe wie jene, die 2015 (mindestens in Teilen) geleakt wurde und sei lediglich notdürftig aktualisiert worden, damit sie weiterhin funktioniere.

Das alles zeigt, dass aus Vincenzettis nach dem Hack vor fünf Jahren verkündeten Plänen einer RCS-Neuentwicklung nichts geworden ist – und lässt die "Wiederauferstehung" des Hacking Teams als Memento Labs zumindest mühsam, wenn nicht zweifelhaft erscheinen.

(ovw)