Handelskrieg: Qualcomm will Smartphone-Chips an Huawei verkaufen

Mit dem derzeitigen Verkaufsverbot der US-Regierung würden Chiphersteller Qualcomm potenziell bis zu 8 Milliarden US-Dollar jährlich durch die Lappen gehen.

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(Bild: Patrick Bellmer / heise online)

Von
  • Mark Mantel

Huawei kann aufgrund US-amerikanischer Handelsrestriktionen keine neuen Systems-on-Chip (SoCs) beim Chipauftragsfertiger TSMC bestellen und muss sich nach Alternativen umsehen, um auch künftig Smartphones verkaufen zu können. Qualcomm will laut einem Bericht des Wall Street Journals mindestens bei 5G-Mobilfunkmodulen einspringen. Da der Chiphersteller solche Module häufig im Bundle verkauft, zum Beispiel den Snapdragon-865-Prozessor mit dem Snapdragon X60, könnten auch Systems-on-Chip dabei sein.

Das Wall Street Journal hat nach eigenen Angaben eine Präsentation gesehen, mit der Qualcomm in Washington Lobby-Arbeit für den Chipverkauf an Huawei leistet. Entsprechende Bemühungen laufen schon seit über einem Jahr, blieben bislang jedoch fruchtlos.

US-Unternehmen benötigen Ausnahmelizenzen, um mit dem chinesischen Hersteller zusammenarbeiten zu dürfen. Die US-Regierung wirft Huawei Spionage für den chinesischen Staat vor.

Der Chipverkauf an Huawei könnte Qualcomm jährlich bis zu 8 Milliarden US-Dollar einbringen, so die Argumentation. Vergangenes Jahr setzte Huawei 108,8 Milliarden Euro um – die Schätzung erscheint also nicht abwegig. Infolge des derzeitigen Verbots würden unweigerlich ausländische Unternehmen einspringen, was die heimische Wirtschaft schwächen würde. Der taiwanesische Chiphersteller MediaTek steht ganz oben auf der Liste potenzieller Zulieferer, ist jedoch selbst von TSMC abhängig.

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Laut einem Bericht der EE Times könnte Samsung eine kleine Fertigungslinie mit 7-Nanometer-Strukturen eingerichtet haben, die ausschließliche auf europäische und asiatische Technik beziehungsweise Chemikalien setzt. Damit ließen sich künftig Unternehmen anlocken, welche von den US-Sanktionen betroffen sind.

(mma)