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Hands-on: Samsung WB150F im WLAN-Check

Samsung will künftig mehr Kameras mit WiFi ausstatten. Eine erste Vertreterin der neuen Strategie ist die WB150F. Heise Foto hat sie zum Kurztest der WLAN-Funktionalität geladen.

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Die WB150F

(Bild: Samsung)

Die Rettung der günstigen Kompakten? WiFi! So sieht das zumindest Samsung. Der koreanische Elektronikriese will künftig mehr Kameras mit einem WLAN-Modul ausstatten und sie damit konkurrenzfähig gegenüber Smartphones machen. Geprobt hat er das beispielsweise schon mit der ST1000. Die WB150F ist nun eine der ersten, neuen Vertreterinnen dieser WiFi-Strategie. Die 200-Euro-Kompakte kommuniziert mit sozialen Netzwerken, versendet Mails, lädt Fotos direkt in die Cloud und klinkt sich ins Heimnetzwerk ein. Samsung selbst nennt sie daher "Smart Camera" und vereint damit sein gesamtes Repertoire an Marketing-Schlagworten in einem Gerät. Heise Foto konnte die WLAN-Knipse kurz testen.

Das Ergebnis war allerdings ernüchternd: Die Kamera kann alles, aber vieles nicht richtig. An den Bedienkomfort eines Smartphones kommt die Kamera nicht heran, dafür fehlt ihr der Touchscreen. Einen Bildvorteil gegenüber der Telefonkamera verschenkt sie unnötig. Zudem zickte sie im Zusammenspiel mit Geräten, die nicht von Mutter Samsung stammten.

Samsung will auch Kameras voll vernetzen

(Bild: Samsung)

Das Wlan-Menü der WB150F

Funktionen im Überblick
Eines aber muss man der WB150F lassen, sie ist äußerst einfach und intuitiv zu bedienen. So verstecken sich die WLAN-Funktionen nicht umständlich im Menü, sondern können direkt über das linke, obere Steuerrad angewählt werden. Der Fotograf hat nun die Wahl zwischen mehreren Optionen:

Social Sharing. Dahinter verbirgt sich der Zugang zu den sozialen Netzwerken Facebook, Picasa, Youtube und Photobucket. Google+, Flickr oder Twitter fehlen und können auch nicht selbstständig durch den Nutzer hinzugefügt werden. Samsung stellt allerdings in Aussicht, dass Software-Updates weitere Plattformen bringen werden.

Fotos, die zum Netzwerk des Vertrauens hochgeladen werden, rechnet die Kamera stark herunter. So werden beispielsweise Fotos für den Facebook-Upload auf ein Megapixel gestutzt. Im Test wurde so ein 3-MB-Bild auf gerade einmal 90 kb verkleinert, zudem schlich sich ein Bildfehler ein. Das soziale Netzwerk selbst ist mit 15 MB wesentlich großzügiger.

Videos dürfen nicht länger als 30 Sekunden sein und müssen der QVGA-Auflösung mit 320 x 240 Pixeln entsprechen – auch für das Videoportal Youtube. Bei nicht konformen Videos verweigert sich die Kamera im Test beharrlich dem Upload.

Email. Fotos können auch direkt via Email über die Kamera versendet werden. Die Dateien werden dann für den Upload auf zwei Megapixel begrenzt, maximal können gleichzeitig zwischen zehn und zwölf Fotos an eine Mail angehangen werden. Videodateien können nicht versendet werden.

Bei Social Sharing und Email wird deutlich, das Samsung noch nachbessern muss – besonders in Sachen Bedienkomfort. Da die Kamera keinen Touchscreen hat, müssen Login-Daten für WLAN- und soziales Netz sowie Email-Adressen über das Steuerkreuz am Display eingegeben werden. Das ist mühselig, unpraktisch und kostet einige Minuten. Gut, dass sich die Kamera automatisch die letzten Einträge merkt. Mit dem Komfort eines Smartphones kann die WB150F hier allerdings längst nicht mithalten.

Cloud. Das WiFi-Menü bietet einen direkten Zugang zur Cloud. Zunächst steht dafür Microsofts Skydrive mit 25 Gigabyte freiem Speicher zur Verfügung. Die Bildgröße ist grundsätzlich nicht beschränkt. Ab April geht Samsung dann mit eigenem Cloud-Service an den Start. Dem Nutzer sollen dort fünf Gigabyte Speicherplatz zur Verfügung stehen, auch hier soll es keine Beschränkung der Bildgröße geben.

Auto-Back-up-Funktion. Eine Alternative zur Cloud liefert Samsung mit der Auto-Back-up-Funktion. Hier können die Daten direkt auf den Heim-PC übertragen und dort archiviert werden.

TV Link. Über die Option TV Link kommen die Bilder der Kamera über WLAN oder DLNA direkt auf den Fernseher. Da es sich hierbei um einen offene Standards handelt, sollten die Nutzer der Kameras nicht auf Samsungfernseher begrenzt sein, was sich im Test so allerdings nicht bestätigte. Mit einem Sony-TV funktionierte TV Link beispielsweise nicht.

Mobile Link und Remote Viewfinder. Die Apps Mobile Link und Remote Viewfinder vernetzen die Kamera direkt mit dem Smartphone. Über Letztere kann das Gerät direkt gesteuert werden, via Mobile Link gibt es das Vorschaubild aufs Telefon. Beide Smartphone-Apps funktionierten im Test nur mit ausgewählten Samsunggeräten, mit Fremdgeräten von HTC waren sie offenbar noch nicht kompatibel.

Fazit. Samsung ist nicht der einzige Hersteller, der sich mit WLAN-fähigen Kameras absetzen will. Auch Panasonic wagte das Experiment bereits mehr oder weniger erfolgreich. Der Ansatz Konnektivität vor Bildqualität, den Samsung für die WB150F offenbar gewählt hat, ist zu kurz gedacht. Zwar mag eine "Smart Camera" theoretisch eine gute Idee sein, praktisch gibt es viele Stolperfallen: An den Bedienkomfort eines Smartphones kommt die Kamera nicht heran. Der Vorteil der Bildqualität ist dahin, sobald ein Foto per Mail oder zu Facebook gesendet wird. Unterwegs gibt es oft kein freies WLAN-Netz, hier müsste das Smartphone eh als Hot-Spot-Lieferant ran. Eindrücke von der Kamera selbst finden Sie hier. (ssi)