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Hands-on: Sony SAL-500F40G

In einem schweren Alukoffer erreichte uns Sonys brandaktuelles lichtstarkes 500er Tele. Wir hatten die Gelegenheit, die Edellinse einen Tag lang ausgiebig im Praxiseinsatz zu testen.

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Schlichter Chick. Von außen lassen sich die inneren Werte von Sonys 13.000 Euro teurem SAL-500F40G nur erahnen.

Ausgepackt. Das Sony SAL-500F40G kommt in einem soliden Alukoffer. Zum Lieferumfang gehört eine Sonnenblende (ALC-SH118), die die eigentliche Optik nochmals um 16 Zentimeter auf insgesamt beeindruckende 51 Zentimeter verlängert. Nahezu jeder Besucher unseres Büros erstarrte vor diesem Anblick in Erfurcht. Auch das Gewicht weiß zu beeindrucken: Spätestens dann, wenn man bei angeschlossener Kamera versucht, die rund viereinhalb Kilo zu halten und gleichzeitig von Hand scharf zu stellen. Selbst im Autofokusbetrieb hält man die Optik nur über einen kurzen Zeitraum ruhig. Daher ist ein stabiles Stativ samt einem ebenso robusten Kugelkopf obligatorisch.

Sony SAL-500F40G (30 Bilder)

Spitzmaul-Nashorn

Sony DSLR-A900 mit SAL-500F40G, 500 mm, f/4.0, 1/200 s, ISO 400, Stativ. Da sich das Nashorn in seinem Gehege nur in einem eng begrenzten Terrain bewegte, war es schwierig, es vor einem homogenen Hintergrund abzulichten.

Ausstattung. Vor dem ersten Einsatz in freier Wildbahn sollte man sich auf jeden Fall mit der Bedienung vertraut machen. Wer nur Standardobjektive an seiner Spiegelreflexkamera gewohnt ist, kennt gerade einmal den Schalter für den Autofokus. Am SAL-500F40G gibt es fünf Schiebeschalter, einen Schiebetaster sowie fünf Einzeltaster. Vier davon befinden sich – stets gut erreichbar – am vorderen Tubus. Sie bewirken eine Autofokussperre. Sie blockiert den Autofokus auch bei halb gedrücktem Auslöser.

Für ein Objektiv gibt es am Sony SAL-500F40G erstaunlich viele Bedienelemente.

Ein Schalter aktiviert den Autofokus, ein weiterer bestimmt den Modus für die manuelle Schärfenachführung (Direct Manuel Focus). In der Standardeinstellung lässt sich die Schärfe von Hand nachjustieren, selbst wenn der Autofokus das Objekt bereits erfasst hat. Nur wenn sich die Kamera im Modus Schärfenachführung (AF-C) befindet, ist der manuelle Fokus gesperrt. In Stellung F TIME steht die manuelle Schärfenachführung auch im AF-C-Betrieb zur Verfügung.

Ein weiterer Schiebeschalter definiert den Fokusbereich – also ob der volle Entfernungsbereich (FULL) abgefahren wird oder nur ein eingeschränkter (von unendlich bis 6,4 m). In der dritten Stellung des Schalters kann man einen selbst definierten Bereich nutzen; per Schiebetaster (FAR/NEAR) lassen sich Nah- und Fernbereich der Zone festlegen.

Filter werden beim SAL-500F40G nicht vor die Linse geschraubt, sondern werden in eine Schublade gesteckt.

Schließlich bietet das Objektiv noch eine Möglichkeit, den Fokus auf einen per PREFOCUS-Taste definierten festen Abstand zu fixieren. Diesen Punkt kann man später immer wieder über die vier Fokussperrtaster aufrufen.

Für Objektive mit einem Frontlinsendurchmesser von 140 Millimetern findet man keine aufschraubbaren Filter mehr. Deshalb besitzen solche Edellinsen eine "Filterschublade" im Schaft. Bei unserem Testexemplar steckte darin ein Standardfilter. Alternativ bietet Sony einen Polarisationsfilter an, der dann auch kompatibel zum kleinen Bruder, dem SAL-300F28G ist.

Shooting. Unsere Testaufnahmen haben wir an einem trüben Märzmorgen bei eher bescheidenen Lichtverhältnissen im Erlebniszoo Hannover gemacht – also eine Situation, in der die hohe Lichtstärke des Objektivs gefordert ist. Um die Tiere in ihrer Umgebung einzufangen, reichen hier normal 100 bis 300 Millimeter Brennweite vollkommen aus. Angesichts der gegebenen Brennweite entschieden wir uns für Tierportraits und Detailaufnahmen. Zur Ausrüstung zählten neben dem Objektiv eine Sony Vollformat-DSLR A900 mit einer Auflösung von 24,6 Megapixeln sowie ein stabiles Dreibeinstativ Manfrotto MT057C3-G samt Kugelkopf MH057M0-RC4. Letzteres stellte uns freundlicherweise die Firma Foto Haas in Hannover zur Verfügung.

Fotosession mit dem SAL-500F40G im Erlebniszoo Hannover. Ein stabiles Stativ samt Kugelkopf sind ein Muss.

Das Handling des Objektivs gestaltete sich trotz seines enormen Gewichtes und seiner Größe recht unproblematisch. Allerdings dürfte es mit so einer Ausrüstung kaum gelingen, nicht die Aufmerksamkeit von Besuchern auf sich zu ziehen – selbst einige Tiere schielten zunächst skeptisch in die große glänzende Frontlinse. Hat man sich erst einmal mit den Tasten und Tastern vertraut gemacht, ist die Bedienung kein Problem mehr. Der manuelle Fokus läuft erstaunlich weich und gleichmäßig und war angesichts der eher statischen Motive meist die erste Wahl. Aber auch der Autofokus arbeitete bei unseren Tests präzise und schnell. Nur sehr selten musste der Antrieb den gesamten Bereich durchfahren, um den Fokuspunkt zu finden – und wenn, geht das flüsterleise über die Bühne. Als besonders effektiv entpuppten sich die Zusatzfunktionen zur Bereichseingrenzung und der PREFOCUS.

Angesichts des schwachen Lichts, entschieden wir uns für höhere ISO-Werte zwischen ISO 400 und ISO 800 und nahmen damit bewusst ein gewisses Rauschen in Kauf. Dafür war dann die Ausbeute an technisch gelungenen Bildern erfreulich hoch. Meist saß der Schärfepunkt da, wo er geplant war. Bei offener Blende entstehen weiche Hintergründe. Die Aufnahmen wirken erwartungsgemäß auch bei offener Blende sehr klar und kontrastreich, chromatische Aberrationen oder sonstige Bildfehler lassen sich kaum ausmachen. Die Dateien reagieren sehr gut auf die Nachbearbeitung in Lightroom: Sie lassen sich sehr gut schärfen, das Rauschen ist trotz höherer eingestellter ISO-Werte vertretbar.

Trotz des Stativeinsatzes fällt auf, dass schon kleinste Erschütterungen ausreichen, damit feinste Details nicht mehr 100-prozentig durchgezeichnet sind. Deswegen eignen sich unsere Testaufnahmen nicht, um Rückschlüsse auf die maximal erzielbare Qualität der Optik zuzulassen. Dazu bedarf es kontrollierter Aufnahmen unter Laborbedingungen mit niedrigeren ISO-Werten und weiter gefächerten Blendeneinstellungen. Vielmehr geben die Bilder einen ersten Eindruck wieder, welche Ergebnisse man bereits ohne große Vorbereitungen und den letzten technischen Schliff erzielen kann.

Fazit. Wer einmal mit einer solchen Linse gearbeitet hat, gibt sie sicher nicht gerne wieder her: Die Ergebnisse sind einfach so beeindruckend, dass man kaum mehr mit einem Billigtele auf eine Zoosafari gehen möchte. Allerdings wird es nur wenige Fotografen geben, die eine solche Brennweite wirklich effektiv nutzen. Diese dürften in erster Linie Sport- und Naturfotografen sein, die mit ihren Bildern die Investitionskosten von rund 13.000 Euro auch wieder einfahren können. Für die, die eine solche Summe nicht aufbringen können oder wollen, kann es jedoch interessant sein, sich für ein besonderes Projekt eine solche Edellinse auszuleihen. (pen)