Heftiger Sonnenausbruch: Polarlichter auch in Deutschland möglich

Auf der Sonne hat es am Donnerstag eine starke Eruption gegeben, die in Richtung Erde erfolgte. In der Folge könnten nicht nur vermehrt Polarlichter auftreten.

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Aufnahme des Ausbruchs

(Bild: NASA/GSFC/SDO)

Von
  • Martin Holland

Eine starke Sonneneruption lässt die Chancen auf Polarlichter auch in hiesigen Breiten so stark steigen, wie schon lange nicht mehr. Gleichzeitig könnten die Partikel bei ihrer Ankunft auch technische Systeme beeinträchtigen. Der sogenannten Flare vom Donnerstagabend erreichte die höchste Kategorie X. Auf der fünfteiligen Warnskala der US-amerikanischen Wetterbehörde NOAA entspricht der gemessene Wert X 1,0 der Stufe R 3 (stark).

Nach derzeitigem Wissensstand fand die Eruption relativ zentral auf der sichtbaren Sonnenscheibe statt, der damit verbundene Masseauswurf der Sonne ist deshalb in Richtung der Erde unterwegs, erklärt ein Sprecher von Wetteronline. Auch wenn er schwächer war als der X-Klasse-Flare vom Sommer, könnten seine Folgen damit trotzdem heftig ausfallen, da der Ausbruch vom 3. Juli nicht so genau auf die Erde gerichtet gewesen sei.

Die nun entstandene Plasmawolke dürfte ihm zufolge ab dem späten Freitagabend bis zum Samstagabend die Erde erreichen. Das Wetter werde aber nicht überall ideal sein, um die möglicherweise auftretenden Nordlichter auch beobachten zu können. Am besten seien die Voraussetzungen, je weiter östlich man sich befindet: "In der Westhälfte bleibt der Himmel hingegen meist komplett wolkenverhangen."

Die NOAA hat eine Warnung für einen möglichen Magnetsturm der Klasse G3 (stark) veröffentlicht. In den zurückliegenden Jahren wurden solche Ereignisse durch die niedrige Sonnenaktivität selten. Um stärkere Ereignisse zu finden, muss man weit zurückgehen: Der jüngste Magnetsturm der Klasse 4 fand im September 2017 statt, das jüngste Klasse-5-Ereignis im August 2005.

Sogenannte Flares dauern immer nur ein paar Minuten, doch dabei steigt die üblicherweise von der Sonne abgestrahlten Energiemenge in Form von Röntgen- und harter UV-Strahlung stark an, bei starken Ausbrüchen um mehr als das hundertfache. Durch die Strahlung nimmt die Ionisierung der obersten Atmosphärenschichten schlagartig zu, was sich aber vor allem auf die Kurzwellenausbreitung auswirkt, aber auch Auswirkungen beispielsweise auf die Genauigkeit von Standortbestimmungen per GPS haben kann.

Wird, wie nun geschehen, zusätzlich auch eine Plasmawolke ausgestoßen, ist diese sehr viel langsamer unterwegs. Deswegen können Vorwarnungen Tage im Voraus verbreitet werden. Diese Teilchen beeinflussen vorrangig das Magnetfeld und bewirken beispielsweise geomagnetische Stürme und damit auch Nordlichter. Hohe Sonnenaktivität führt mittelfristig zu einer Temperaturerhöhung der obersten Atomsphärenschichten, was zu deren Ausdehnung führt. Niedrig fliegende Satelliten werden deshalb in Jahren hoher Sonnenaktivität stärker durch Luftmoleküle gebremst.

Der nun beobachtete Flare ist damit bereits der zweite große im aktuellen 25. Sonnenzyklus, der im vergangenen Jahr begonnen hat und auf einen der schwächsten seit Beginn der systematischen Beobachtungen im 18. Jahrhundert folgte. Das nächste Maximum des ungefähr elfjährigen Zyklus wird irgendwann zwischen November 2024 und März 2026 erwartet. Phasen hoher Aktivität der Sonne werden von solchen Teilchen- und Strahlungsausbrüchen begleitet, die vor allem aufgrund der fortschreitenden Technisierung heftige Folgen haben können.

Erst vor wenigen Wochen hatte eine Forscherin gewarnt, dass besonders starke Sonneneruption dramatische Folgen für die Internetinfrastruktur auf der Welt haben und eine "Internet-Apokalypse" auslösen könnten. Besonders groß ist das Risiko demnach für die wichtigsten Unterseekabel. Schwerwiegende Folgen drohen aber nur bei Ereignissen, die nach der NOAA-Klassifizierung in die höchste Stufe 5 fallen.

(mho)