Heimat für Open-Source-Innovation: Europa bekommt eine eigene Linux Foundation

Mit der Gründung der Linux Foundation Europe kommt der hiesige Open Source Summit nach der langen Pandemiepause wieder in Gang.

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(Bild: StudioProX/Shutterstock.com)

Von
  • Udo Seidel

Paukenschlag für die europäische Open-Source-Szene: Am ersten Tag des Open Source Summit Europe erblickte die Linux Foundation Europe das Licht der Welt. Mit dem Hauptsitz in Brüssel startet sie gleich mit einem Dutzend Mitgliedern durch und veröffentlicht einen Forschungsbericht.

Gabriele Columbro ist der erste Chef der neuen Linux Foundation Europe, die er auf dem Open Source Summit präsentierte.

Zu den Gründungsmitgliedern der Linux Foundation Europe gehören: Ericsson, Accenture, Alliander, Avast, Bosch, BTP, esatus, NXP Semiconductors, RTE, SAP, SUSE und TomTom. Gabriele Columbro, den man bereits von Fintech Open Source Foundation kennt, ist der Chef von Linux Foundation Europe.

Im Gespräch mit iX erklärte Columbro, dass es schon länger die Idee einer europäischen Institution der Art Linux Foundation gab – denn nur so sind bestimmte Projekte oder Kollaborationen möglich. Manchmal sind es rechtliche Gründe, manchmal fallen so finanzielle Stützen komplett weg, manchmal ist auch nur einfach die Wahrnehmung der Linux Foundation als US-amerikanische Firma.

Die ebenfalls neu angekündigte OpenWallet Foundation ist zwar selbst noch im Findungsprozess, aber schon ein Mitglied der Linux Foundation Europe und das erste Projekt unter deren Schirmherrschaft. Allerdings ist das formale Gründungsdatum erst für Mitte November 2022 geplant. Ziel der Organisation ist, ein Veröffentlichen neuer digitaler Brieftaschen zu vereinfachen. Dazu gehören ebenfalls Sicherheit und Funktionsparität mit den bekannten Vertretern aus dem Hause Apple beziehungsweise Google.

Erstes tatsächlich greifbare Resultat der neuen Europa-Organisation ist das Forschungspapier. Die eigentliche Arbeit erledigte aber die Forschungsabteilung der Linux Foundation. So war es deren Chefin Hilar Carter, die den Bericht und die wichtigsten Ergebnisse präsentierte: Quelloffene Software und das Ökosystem drumherum gilt als der Treiber von Innovation. Diese Meinung ist global und verschiedenste Industrien nehmen das so wahr. Jedoch gibt es noch Arbeit im öffentlichen Sektor – dort kommt Open Source noch nicht vollständig zum Tragen, Vorteile bleiben ungenutzt. Nummer drei ist die zunehmend signifikante Unausgewogenheit zwischen den Richtlinien zum Nutzen und denen zum Bereitstellen von quelloffener Software. Und dieser letzte Punkt könnte zu einer echten Herausforderung des gesamten Ökosystems werden.

Eigentlich hätte es noch eine weitere Ankündigung gegeben: die Übertragung des Projektes Pytorch von Meta zur Linux Foundation. Allerdings hat hier Marc Zuckerberg bereits am Montag die Katze aus dem Sack gelassen.

Knapp drei Jahre nach der letzten Präsenzveranstaltung gibt es 2022 wieder einen Open Source Summit Europe. Die Veranstaltung – ursprünglich als LinuxCon bekannt – dauert mit allen Satellitenkonferenzen eine ganze Woche. Dabei ist für jeden Geschmack etwas dabei: Linux-Kernel, Container, künstliche Intelligenz, Lieferketten, Internet der Dinge, kritische Software – um nur einige zu nennen, denn insgesamt sind es 13 sogenannte Mikro-Konferenzen. Und dennoch konnten weder der Umfang noch die lange Pandemiepause die gute Stimmung der Veranstaltung eintrüben.

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(fo)