Heinz Nixdorf Museumsforum: Zum Geburtstag ein neuer alter Rechner

Mit einem funktionsfähigen Röhrenrechner zeigt das HNF, wie die Karriere von Heinz Nixdorf begann. Außerdem gibt es zum Jubiläum einen neuen Eingangsbereich.

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(Bild: Detlef Borchers)

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  • Detlef Borchers

Am 24. Oktober 1996 eröffnete Bundeskanzler Helmut Kohl das größte deutsche Computermuseum HNF in Paderborn in der ehemaligen Firmenzentrale des Computerbauers Nixdorf. Zum Geburtstag spendiert sich das Museum einen funktionsfähigen Nachbau des Elektronensaldierers 24, mit dem das "Heinz Nixdorf Labor für Impulstechnik" im Jahre 1953 sein erstes Serienmodell auf den Markt brachte.

Die mit 396 Röhren bestückte ES 24 konnte 24 Dezimalstellen abbilden, der originalgetreue Nachbau des Erfolgsmodells mit 204 Röhren nur 12. Dafür können Besucher über ein Touchscreen dem Rechengerät Aufgaben stellen und bekommen anschaulich erzählt, wie die ES 24 mit den Sortiermaschinen des französischen Lochkartenherstellers Bull im täglichen Geschäft der Banken und Sparkassen zusammenarbeitete.

Nachbau der ES 24

(Bild: Detlef Borchers)

Der funktionsfähige Nachbau des Elektronensaldierers soll vermitteln, warum Heinz Nixdorf mit seinen Rechnern ein Pionier der dezentralen Datenverarbeitung war. Ihm ging es seinerzeit nicht um einen programmierbaren Computer, sondern um ein Gerät, mit dem Banken alle auf Lochkarten gespeicherten Kontobewegungen am Ende eines Tages sortieren und Soll und Haben summieren konnten. Die ES 24 war "fest verdrahtet", also nur zu diesem Zweck zu gebrauchen, kostete aber nur 10.000 DM und war somit für kleinere Banken erschwinglich. Sie verarbeitete 42.000 Lochkarten pro Stunde. Der Nachbau besteht aus zwei Schränken, dem eigentlichen Saldierer mit Originalröhren und einem Schrank mit dem Netzteil und modernen Bauteilen, die die Röhren ansteuern.

Eine weiteres "Geburtstagsgeschenk" ist der neu gestaltete Eingangsbereich des Museums. Hier sind Stelen aufgestellt, die an den schwarzen Monolithen von "2001: Odyssee im Weltraum" erinnern. Sie leuchten zunächst blau und erklären den "Urbeginn des Informationszeitalters", später geht die Sonne im Zweistromland auf. So sollen die Besucher "den Übergang von der Dunkelheit zum Beginn der menschlichen Kultur" erleben können. Recht weit im Informationszeitalter setzt die Dauerausstellung Claude Shannon, einem der Begründer der Informationstheorie, ein kleines Denkmal.

(3 Bilder)

Neuer Eingang des HNF (Bild: Detlef Borchers)

Theseus, die intelligente Maus, die in einem steckbaren Labyrinth den Weg zum Futter sucht und sich diesen Weg dann "merken" kann, ruckelt in einem originalgetreuen Nachbau durch die Gänge. Nur die Telefonrelais, mit denen Shannon die Laufwege der Maus abspeicherte, sind durch Arduinos ersetzt worden. Telefonrelais sind schwer zu bekommen. Sie können gleich neben dem Mauslabyrinth bestaunt werden, wo eine relaisgesteuerte Vermittlungsanlage demonstriert, wie früher eine Telefonnummer angewählt wurde.

Last but not least wäre der reich bebilderte neue Museumsführer zu erwähnen, der auf 256 Seiten weit über das hinausgeht, was im HNF zu sehen ist. Bekannte Fotos wie das von Steve Jobs und Steve Wozniak wechseln sich ab mit Fotos von Büro- und Computer-Landschaften in den Rechenzentren. Die "Geschichte der Zukunft: Eine Reise durch das HNF", so der Titel des Museumsführers, wird unter der Hand als Geschichte der Frauenarbeit in den Büros und Rechenzentren erzählt. An den Buchungsmaschinen und Lochkartenstanzern sitzen Frauen, in den Rechenzentren stehen sie an den Bandmaschinen. Die Männer führen die Aufsicht und kontrollieren ab und einen Ausdruck – oder sie erfinden eben all die Computer, die im HNF zu sehen sind.

(mack)