Heiße Uber-Autos als Protest gegen geringe Entlohnung in Indien

Klimaanlage nur gegen Aufpreis – so untermauern indische Chauffeure ihre Forderung nach besserer Bezahlung. Die Tarife halten mit Treibstoffpreisen nicht mit.

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Dicht gedrängte Autos, Motorräder, Tuktuks aus der Vogelperspektive

Straßenverkehr in Indien, 2007

(Bild: Alex Graves "Traffic" (Ausschnitt, bearbeitet von Daniel AJ Sokolov) CC BY 2.0)

Von
  • Daniel AJ Sokolov

Wer sich in Indien Beförderung über Apps wie Ola und Uber vermitteln lässt, muss derzeit oft richtig schwitzen. Denn viele Chauffeure weigern sich, die Klimaanlage im Auto einzuschalten, oder fordern dafür einen Preisaufschlag. Mit dieser Maßnahme verleihen die Chauffeure ihrer Forderung nach einem höheren Anteil an den Fahrtentgelten Nachdruck.

Außerdem haben sie mehrfach öffentlich demonstriert. Sie verweisen auf stark gestiegene Treibstoffpreise, getrieben durch den völkerrechtswidrigen Angriffskrieg der Russischen Föderation gegen die Ukraine. Klimaanlagen erhöhen tatsächlich den Kraftstoffverbrauch; im Stadtverkehr, wo meist langsam gefahren wird, ist der Verbrauchsanstieg höher als bei schnelleren Überlandfahrten.

Immerhin haben die App-Betreiber die Fahrpreise in mehreren Städten Indiens um 12-15 Prozent erhöht und weitere Erhöhungen in Aussicht gestellt. Doch die Chauffeure fordern deutlich mehr; ihre Ausschüttung soll sich mehr als verdoppeln.

Indiens Verkehrsministerium hat Leitlinien erarbeitet, die die Vermittlungsgebühren für Uber, Ola & Co auf 20 Prozent begrenzen. Die Grundgebühr pro Fahrt soll jener bei Taxis entsprechen; Aufschläge zu Zeiten hoher Nachfrage maximal 50 Prozent betragen. Stornogebühren für Fahrgäste wie Fahrer dürften demnach zehn Prozent nicht überschreiten. Doch haben nur einzelne Bundesstaaten diese Leitlinien aufgegriffen und zur Bedingung für Vermittlungslizenzen gemacht.

Uber verweist darauf, dass der Betrieb der Klimaanlage zum Service gehört. Fahrgäste könnten sich per App beschweren; bei wiederholten Beschwerden droht Uber den Chauffeuren heißer Fahrzeuge mit Rauswurf. Dahinter steckt wohl nicht nur der Komfortgedanke: Hitze in Kraftfahrzeugen ist der Verkehrssicherheit abträglich.

Eine Studie hat gezeigt, dass Fahrer bei moderaten 27 Grad nur noch 76 Prozent gezeigter Signale wahrnehmen. Bei 21 Grad waren es 84 Prozent. Gleichzeitig verlängert sich die Reaktionsdauer auf wahrgenommene Signale um satte 22 Prozent. In einer anderen Studie ging es lediglich darum, ein Fahrzeug in der Mitte einer Fahrspur zu halten. Dabei waren Testfahrer bei 35 Grad um 13 Prozent schlechter, als bei 20 Grad. Die Wettervorhersage für Delhi sagt für Dienstag bis zu 42 Grad Celsius im Schatten voraus.

Der zusätzliche Treibstoffverbrauch von Klimaanlagen lässt sich durch manuelle Vorkühlung reduzieren: Vor der Fahrt Türen und Fenster öffnen, um durchzulüften, und während der Fahrt auf Umluft stellen. Dann muss nicht laufend heiße Außenluft heruntergekühlt werden. Darüber hinaus reduziert eine Wärmeschutzverglasung das Aufheizen von Autos deutlich. Immerhin ein bis zwei Grad Celsius kann durch Wahl heller Lackierung lukriert werden.

In der Anschaffung günstigere, manuelle Klimaanlagen verbrauchen meist mehr Energie, als automatische Klimaanlagen. Das haben ADAC und ÖAMTC 2012 nachgewiesen, als sie einfache Klimaanlagen gegen Klimaautomatik haben antreten lassen.

Der Tipp, die Klimaanlage mindestens einmal im Monat für zehn Minuten laufen zu lassen, ist nach wie vor aktuell. Das Kältemittel wird so in der Anlage verteilt und hält die Dichtungen geschmeidig. Wer seine Anlage pflegen will, sollte zudem spätestens alle vier Jahre den Kältemittelstand überprüfen und ergänzen lassen. Denn das Kältemittel verflüchtigt sich im Lauf der Zeit. Zu niedriger Stand kann den Kompressor beschädigen. Überprüfung und Auffüllung kosten einen Bruchteil.

(ds)