High-End-SSDs: Chinesischer YMTC-Speicher konkurriert mit Branchengrößen

Ein Vergleichstest der chinesischen Asgard AN4 zeigt, dass SSDs mit NAND-Flash-Bausteien von YMTC rund 7,5 GByte/s und mehr als eine Million IOPS erreichen.

Lesezeit: 3 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 31 Beiträge

(Bild: c't)

Von
  • Mark Mantel

Der chinesische Hersteller Asgard verkauft mit der AN4 eine High-End-SSD, die auf vier PCI-Express-4.0-Lanes setzt und so mit den schnellsten Modellen der etablierten Hersteller wie Samsung und Western Digital konkurrieren soll. Der Clou: Auf der Asgard AN4 sitzen NAND-Flash-Bausteine des chinesischen Herstellers Yangtze Memory Technologies Co., Ltd. (YMTC).

Ein Vergleichstest auf der Plattform Bilibili, den Tom's Hardware entdeckt hat, zeigt, dass sich dieser YMTC-Speicher nicht vor der Konkurrenz verstecken muss. Ein Mitglied hat die 1-TByte-Version der Asgard AN4 gegen zwei chinesische Modelle mit Speicher von Micron und Kioxia (früher Toshiba Memory) gestellt.

Alle drei SSDs verwenden TLC-Chips, die drei Bit pro Zelle speichern (Triple Level Cells). Im Falle von Micron kommen aktuelle Bausteine mit 176 Speicherlagen zum Einsatz, beim M.2-Kärtchen mit Kioxia-Speicher der etwas ältere BiCS 4 mit 96 Layern. Die Asgard AN4 nutzt YMTCs 128-Lagen-Speicher, bei dem der Hersteller allerdings andere Technik als die Konkurrenz verwendet: Statt die Logik und alle Layer auf einem einzelnen Silizium-Wafer zu belichten, trennt YMTC Logik und Speicherlagen in zwei Wafer auf, die übereinandergestapelt werden.

Die Zahlen lassen sich gut vergleichen, weil alle drei SSDs den gleichen InnoGrit-Controller IG5236 nutzen. Innogrit hat zwar den Hauptsitz in den USA, aber auch Wurzeln in China. Hierzulande sind nur wenige SSDs mit Controllern der Firma erhältlich.

Im Vergleichstest las die Asgard AN4 mit knapp 7,5 GByte/s und schrieb wie beworben mit bis zu 5,5 GByte/s. Bei Zufallszugriffen erreichte die SSD zwischen knapp 900.000 und 1,2 Millionen IOPS. Sequenziell schrieb das Modell mit Micron-Speicher etwas schneller, erreichte aber nicht die Werte der SSD mit YMTC-Bausteinen bei Zufallszugriffen. Das Kioxia-Modell war wegen einer halbierten Maximum Payload Size (MPS) abgeschlagen.

Im Vergleichs-Benchmark PCMark 10, der verschiedene Szenarien durchtestet, erreichte die Asgard AN4 etwa 3600 Punkte, was selbst in Anbetracht von Samsungs flotter SSD 980 Pro und Western Digitals SN850 sehr viel wäre.

Unterm Strich entsteht der Eindruck, dass es der vergleichsweise junge Hersteller YMTC mit der internationalen Konkurrenz aufnehmen kann. Bleibt jedoch das Problem der Fertigung: Gerüchten zufolge liegt die Ausbeute funktionstüchtiger Halbleiterbauelemente bei YMTC unter den Erwartungen. Der Mutterkonzern Tsinghua Unigroup ist derweil pleite, sodass Umstrukturierungen ins Haus stehen.

(mma)