Hinweis auf Leben? - Phosphin in Atmosphäre der Venus entdeckt

Im Spektrum der Venus-Atmosphäre haben Astronomen Spuren des Moleküls Phosphin gefunden. Auf nicht-biologischem Weg dürfte es da nicht entstehen, meinen sie.

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Künstlerische Darstellung der Moleküle in der Atmosphäre

(Bild: ESO/M. Kornmesser/L. Calçada & NASA/JPL/Caltech)

Von
  • Martin Holland

Eine Gruppe von Astronomen und Astronominnen hat in der Atmosphäre der Venus ein seltenes Molekül entdeckt, das auf der Erde nur als Industrieprodukt vorkommt, oder von Mikroben produziert wird. Ihre Entdeckung könnte auf außerirdisches Leben auf dem unwirklichen zweiten Planeten des Sonnensystems hinweisen, erklären sie nun. Astronomen spekulieren schon seit längeren, dass in höheren Schichten der Venusatmosphäre Leben existieren könnte. Zwar konnten die Wissenschaftler nun viele alternative Entstehungsmöglichkeiten des Phosphins ausschließen. Sie gestehen aber ein, dass das noch keine Bestätigung von Leben auf der Venus ist. Bis dahin sei es noch ein weiter Weg.

Während sich die Astronomie in den vergangenen Jahrzehnten immer stärker auf die Erforschung des Mars und die Suche nach Spuren von Leben auf dem Roten Planeten konzentriert hat, ist die Venus etwas aus dem Blickfeld geraten. So wird die Venus aktuell nur von einer Sonde umkreist, der Mars dagegen von sechs (drei sind auf dem Weg). Dabei ist die Venus ein nicht weniger spannendes Forschungsziel, angesichts der extremen Bedingungen auf dem Planeten ist die Erkundung aber deutlich schwieriger. Mit der Entdeckung von Phosphin und der deutlichen Bezugnahme auf mögliches Leben könnte sich der Fokus nun aber möglicherweise etwas verschieben. Zwar wollen die Forscher ihre Analyse mit Teleskopen vertiefen, Sonden könnten aber deutlich bessere Daten liefern.

Wie die Gruppe nun erläutert, haben sie die ersten Spuren von Phosphin mit dem James Clerk Maxwell-Teleskop (JCMT) auf Hawaii gefunden. Folgebeobachtungen führten sie dann mit dem riesigen Atacama Large Millimeter/Submillimeter Array (ALMA) der Europäischen Südsternwarte (ESO) durch und konnten die Hinweise damit bestätigen. Demnach fanden sie das Molekül in der geringen Konzentration von nur etwa zwanzig Molekülen pro einer Milliarde Teilchen. Aber selbst in dieser geringen Konzentration könnten bekannte nicht-biologische Prozesse das Vorkommen nicht erklären. Nach ihrem Wissensstand könnten etwa chemische oder geologische Prozesse nur zu einem Zehntausendstel der beobachteten Konzentration führen.

Phosphin, beziehungsweise Monophosphan (PH3), wird auf der Erde nicht nur durch bestimmte Mikroben, sondern auch verschiedene chemische Verfahren hergestellt. Es kommt unter anderem in der Schädlingsbekämpfung zum Einsatz. Im Sonnensystem wurde es etwa bei den Gasriesen Jupiter und Saturn nachgewiesen, wo es mutmaßlich in großen Tiefen auf nicht-biologischem Weg erzeugt wird. In der Atmosphäre von Gesteinsplaneten wie der Venus dagegen ist die abiotische Erzeugung des Moleküls nach gegenwärtigem Verständnis ausgeschlossen, erklärt die Astronomin Anita Richards von der Universität Manchester, die nun an der Entdeckung beteiligt war. Ihre Kollegin Clara Sousa Silva vom Massachusetts Institute of Technology spricht von einem unerwarteten Erfolg.

Künstlerische Darstellung der Phosphin-Moleküle, die in große Höhen aufsteigen und dort Strahlung im Millimeterbereich absorbieren, wodurch sie nun nachgewiesen werden konnten.

(Bild: ESO/M. Kornmesser/L. Calçada)

Ihre Studie haben die Forscherinnen und Forscher im Fachmagazin Nature Astronomy veröffentlicht. Einige Fachkollegen haben bereits anerkannt, dass sie darin eine ganze Reihe von möglichen Erklärungen ausgeschlossen haben. Gleichzeitig meint aber etwa der Astronom Alex Harrison Parker vom Southwest Research Institute, "irgendwann werden es Außerirdische sein, aber wohl nicht heute". Seine Kollegin Sarah Hörst von der Johns-Hopkins-Universität erinnert daran, dass fast 30 Jahre lang nicht erklärt werden konnte, wie Kohlenmonoxid auf dem Saturnmond Titan entsteht. Erst 2008 habe man die Hintergründe entdeckt. Nicht nur die beiden gehen also davon aus, dass sich auch für das Phosphin auf der Venus eine nicht-biologische Erklärung finden wird.

(mho)