"Hitman 3" angespielt: Der Tod steht ihm gut

Nach zwei mauen Vorgängern zeigt Agent 47 in "Hitman 3" endlich, was in ihm steckt. Der neue Teil bietet mehr Abwechslung und hat eine spannende Story

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(Bild: IO Interactive)

Von
  • Andreas Müller

Glatzkopf und Meisterassassine Agent 47 ist ein echter Methusalem der Videospielszene. Seit rund 20 Jahren pflastern Leichen seinen Weg durch die High Society der Gangster und Agenten. Seit 2016 befindet sich Agent 47 im Reboot-Modus: Mit "Hitman 3" wird nun die World-of-Assassinations-Trilogie abgeschlossen, die in den Vorgängern nur teilweise überzeugen konnte.

Willkommen im Killer-Zirkus! Agent 47 steht vor einer Sinnkrise, will er doch endlich erfahren, wer er wirklich ist. Seine beiden letzten Abenteuer lieferten nur Stückwerk und brachten ihn auf die Spur einer Deep-State-Verschwörungsgruppe namens Providence, die im Hintergrund die Fäden zieht. Mit ein paar Weggefährten macht sich der Edelkiller auf die vermeintlich letzte Reise in sein Herz der Finsternis.

Hitman 3 in 100 Sekunden

Zum Finale sollten die Spieler keinen Meilenstein des interaktiven Geschichenerzählens erwarten. Entwickler IO Interactive wühlt tief in Agenten- und Killerklischees, um die Geschichte zu Ende bringen. Zumindest passiert diesmal etwas – bei den Vorgängern hatte man oft das Gefühl, das die inhaltsleeren Storyschnipsel nur eine Ausrede für die komplexen Killer-Missionen waren.

IO Interactive hat es leider verpasst, ihrer legendären Killermaschine so etwas wie ein Gewissen zu geben, um sein zynisches und skrupelloses Vorgehen zu erklären oder zu rechtfertigen. Das macht aus dem an sich anspruchsvollen Spiel ein moralisch fragwürdiges Vergnügen.

Die Missionen haben es in sich. In Dubai im Wolkenkratzer Server hacken, als Detektiv im britischen Landschaftssitz einen kniffligen Mordfall lösen, bevor man die Gastgeberin auf den elektrischen Stuhl setzt oder sich zum Finale durch einen ganzen Zug meucheln – selten war "Hitman" abwechslungsreicher als hier. Ob sich Agent 47 einfach durch die Level ballert oder heimlich vorgeht, ist den Spielern überlassen. Ihnen bieten sich zahllose Möglichkeiten – vom rücksichtslosen Erdrosseln bis zu teilweise skurrilen Tötungsmethoden, die einen Hauch schwarzen Humor verbreiten.

Wie immer greift Agent 47 auf seine Verkleidungskünste zurück und vertraut seiner Geduld. Erledigt er nämlich einen Gegner, kann er seine Kleider wechseln und dadurch Wege freischalten, die zuvor durch die aufmerksamen Wachen verschlossen waren. Andere Möglichkeiten ergeben sich durch simples Zuhören: Manchmal erfährt unser Killer auch von Bediensteten Informationen, die sogenannte Story-Missionen freischalten. Agent 47 muss dann in einer bestimmten Reihenfolge Aufgaben erfüllen, um sich sein Opfer zu schnappen. Beispielsweise muss er sich erst als Versuchsperson verkleiden, an einem Experiment teilnehmen und dann das Zielobjekt erledigen.

Spieler, die sich nur auf den direkten Weg zum Ziel konzentrieren, sind in weniger als 10 Stunden mit den sieben Missionen durch. Allerdings ist das Spielkonzept darauf ausgelegt, Missionen ständig zu wiederholen, um einen höheren Highscore zu erzielen. Neben dem Story-Modus können die Spieler auch im Auftragsmodus eigene Killer-Aufträge für andere Spieler erstellen oder im "Sniper-Assassin"-Modus in einer Art "Mohrhuhn"-Geballer die Feinde aus der Ferne erledigen.

"Hitman 3" angespielt (5 Bilder)

"Hitman 3" zeigt einen Agent 47 in Bestform: clever, aber auch ganz schön skrupellos meuchelt sich der Edelkiller durch spektakuläre Schauplätze.
(Bild: heise online)

Bis die Spieler alle verschiedenen Tötungsmethoden, Waffen und Orte freigeschaltet haben, vergehen unzählige Spielstunden. Bei diesem Konzept bleibt ein großes Manko: Nur wer Online ist, kann alles freischalten. Zumindest können Spieler von "Hitman 2" ihre errungenen Objekte in das Spiel übernehmen. Auf der Playstation kann "Hitman 3" außerdem in VR gespielt werden.

Ein Haufen Agentenklischees, anspruchsvolle Level und ein absurder Onlinezwang – "Hitman 3" macht da weiter, wo die beiden unmittelbaren Vorgänger aufhörten. Im Vergleich bietet das Finale der World-ofAssassination-Trilogie endlich mehr Abwechslung und eine spannende Story. Dagegen scheint die Grafik im Jahr 2016 stehen geblieben zu sein – ein paar nette Lichteffekte täuschen nicht darüber hinweg, dass Animationen und Details mit aktuellen PC- und Konsolenstandards nicht mithalten können. Den Fans wird es bei dem komplexen Leveldesign und den vielfältigen Spielmöglichkeiten egal sein – ihr Killerschach funktioniert auch im dritten Teil gut.

"Hitman 3" erscheint am 20. Januar für Windows, PS4/5, Xbox One/Series und kostet ca. 60 Euro. USK ab 18. Für unser Angespielt haben wir die Windows-Version durchgespielt.

(dahe)