Hive – die neue Twitter- und Mastodon-Alternative

Von Twitter zu Mastodon zu Hive? Wir erklären, wie das noch neuere, angesagte soziale Netzwerk mit dem Bienenstock funktioniert.

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(Bild: Screenshot hivesocial.app)

Von
  • Eva-Maria Weiß

Ein neuer Kandidat um das Rennen der Twitter-Nachfolge tut sich auf: Hive trendet. Absurderweise bedeutet "trendet" tatsächlich, dass es auch bei Twitter, das es ja eigentlich ablösen soll, viel besprochen wird. Hive heißt Bienenstock. Nun stehen also Vogel, Mammut und Biene an der Startbahn. Und was ist fast genauso dubios wie Elon Musk? Gründer, die komplett unbekannt sind und bleiben wollen. Impressum? Fehlanzeige. Dennoch: Hive ist schick. Also schauen wir uns den Dienst an.

Woher kommt Hive?

Nichts Genaues weiß man nicht. Auf der Webseite heißt es, jemand namens Raluca sei gefrustet gewesen von den Funktionsweisen anderer sozialer Netzwerke – im Speziellen den Algorithmen – und habe 2019 die neue Plattform gegründet. Betrieben wird sie von TheHive Inc. "Raluca hat Hive als Herzensprojekt im Schlafzimmer gestartet und sich selbst das Programmieren beigebracht." 2021 soll dann immerhin ein Entwickler dazugestoßen sein. Klingt fast zu schön, um wahr zu sein.

Wie kann man sich bei Hive anmelden?

Zunächst gab es nur eine iOS-App, die App für Android ist nach wie vor eine Betaversion – alles ist also noch nicht ganz ausgereift. Im Browser lässt sich nur nachlesen, wie Hive funktioniert, es gibt keine Desktop-Variante. Zum Anmelden kann man seinen Apple- oder Google-Account nutzen und eigentlich auch eine E-Mail-Adresse und ein Passwort erstellen. Da hakt es aktuell allerdings. Ersatzweise braucht es eine Telefonnummer, über die ein Code gesendet wird. Der hat bei uns funktioniert. Absender ist Google. In den Nutzungsbedingungen ist denn auch Google Play Services Firebase Analytics aufgelistet.

Man gibt Profilname, Nutzername und Geburtsdatum an, hat mehrere Pronomen zur Auswahl, und wer mag, kann sein Sternzeichen freigeben. Geplant ist, laut Homepage, dass Musik und Farbvorlagen zu den Profilen kommen. Das erinnert unweigerlich an MySpace. Für die Musik wird laut Community-Richtlinien bereits das Apple Music API genutzt.

Wie viele Menschen sind bei Hive?

In anderen sozialen Netzwerken wird gerade viel über Hive gesprochen. Tatsächlich haben die Macher erst vor wenigen Stunden unter anderem bei Twitter gepostet, dass nun 1 Million Menschen angemeldet sind. Die Zahl dürfte derzeit rasant steigen.

Wie finde ich Inhalte bei Hive?

Während der Anmeldung muss man mindestens drei Themengebiete auswählen, für die man sich interessiert. Im Startbildschirm führt einen der Bienenstock zu Discover. Hier tauchen verschiedene Feeds auf, gelistet je nach Interesse: Trending, For You, New, Music, Tech, Cars und so weiter. Aktuell trenden bei Hive ganz offensichtlich Comics und Mangas. In meinem Tech-Feed finde ich aber auch selbstgebaute Tastaturen.

(Bild: Screenshot Hive)

Was für Inhalte sind bei Hive zu finden?

Anders als bei Twitter lassen sich Feeds und die Suchergebnisse nach Art filtern: Nur Bilder, dann schaut Hive aus wie Instagrams Übersicht, Bilder mit Text entsprechen etwa dem Instagram Feed und nur Text schaut dann eher aus wie Twitter. Allerdings gibt es keinen Algorithmus, der die Reihenfolge bestimmt, Feeds sind chronologisch.

Beiträge lassen sich herzen, weiterleiten und kommentieren, sowie teilen. Über ein Plus lassen sich eigene Posts erstellen, eine Glocke listet Benachrichtigungen auf. Alles ist sehr übersichtlich und intuitiv. Man kann eigene Posts auch als NSFW (Not Safe For Work) kennzeichnen, sie werden dann erst mit einem weiteren Klick angezeigt.

(Bild: Screenshot Hive)

Ist Hive politisch?

Zumindest hat Hive klar geäußert, dass Donald Trump und Andrew Tate keinen Platz bekommen. Auch "White supremacists" werden gelöscht, heißt es. Zudem kann man auch die Auswahl an Pronomen als politisch bezeichnen.

Beiträge können ebenso wie in anderen sozialen Netzwerken gemeldet werden. Nach einer Prüfung werden sie gelöscht. Wie zwei Leute die gesamte Moderation übernehmen wollen, bleibt dabei unklar.

Gibt es bereits offizielle Accounts?

Es sieht bisher eher nicht danach aus. Hive wird noch von Privatpersonen dominiert.

Kosten Hive Geld?

Bisher nicht. Es gibt auch kein bekanntes Spendenkonto oder Werbung. Wie sich der Dienst finanziert, ist also ebenfalls völlig unklar.

Darf Hive überhaupt so agieren?

Nunja, ein Impressum müsste eigentlich vorhanden sein, das Telemediengesetz gilt für Hive. Auch die Moderation muss gesichert sein – das ist eigentlich Voraussetzung um in die App-Stores zu kommen. Donald Trump hatte mit seinem Truth Social beispielsweise damit zu kämpfen, ausreichend Moderationskapazitäten und Technik vorzuweisen, dass es vom Google Play Store zugelassen wurde. Melden sich mehr als zwei Millionen Menschen aus Deutschland an, greift grundsätzlich das NetzDG bei sozialen Medien.

Kann Hive Mastodon überholen?

Der Vorteil von Hive ist die intuitive Bedienung und das auch irgendwie hübschere Aussehen. Zudem ist der Dienst englischsprachig und könnte mehr Menschen, Medien und andere offizielle Konten zum Wechsel bewegen, die aus den USA und der Welt stammen. Mastodon zieht bislang vielfach das deutschsprachige Publikum an, aber nicht ausschließlich.

Während Mastodon mit mehr als 3000 Servern bereits unter dem aktuellen Ansturm ächzt, dürfte Hive arge Probleme bekommen, wenn plötzlich Tausende Nutzerinnen und Nutzer hinzukommen. Wobei wir nicht wissen, wer tatsächlich die Technik bereitstellt.

Was wir wissen, ist, dass viele soziale Netzwerke so schnell gegangen sind, wie sie gekommen waren, etwa Clubhouse. Und manch andere gar nicht erst durchstarten, etwa das WT Social von Wikipedia-Gründer Jimmy Wales.

(emw)