Hohe Provisionen auf In-App-Käufe: Bürodurchsuchung bei Apple Südkorea

Eine zweite südkoreanische Regulierungsbehörde untersucht Apples App-Store-Praktiken. Der Konzern habe überhöhte Provisionen einbehalten, so der Vorwurf.

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(Bild: MichaelJayBerlin/Shutterstock.com)

Von
  • Leo Becker

Neuer Ärger für Apple in Südkorea: Die Korea Fair Trade Commission (KFTC) geht offenbar den Vorwürfen von Spieleentwicklern nach, der Konzern behalte überhöhte Provisionen auf In-App-Käufe ein. Zum Wochenanfang habe die Behörde eine Durchsuchung der Büroräume von Apples Zentrale in der Hauptstadt Seoul angeordnet, melden lokale Medien. Eine südkoreanische Branchenorganisation für Spieleentwickler habe sich zuvor mit einer Beschwerde an die Regulierungsbehörde gewendet.

Apple wird darin vorgeworfen, statt 30 Prozent Provision auf In-App-Käufe tatsächlich 33 Prozent einzubehalten, weil der Konzern als Grundlage für die Ausschüttung an Entwickler den Verkaufspreis mitsamt der örtlichen Umsatzsteuer heranziehe – statt diese erst abzuziehen. Apples Provision wird gewöhnlich basierend auf dem Nettoverkaufspreis berechnet. Beim Verkauf digitaler Inhalte in Apps behält Apple automatisch bis zu 30 Prozent Provision ein, der Rest wird an Entwickler ausgeschüttet. Nach Schätzung der Branchenorganisation hat Apple dadurch seit dem Jahr 2015 umgerechnet gut 245 Millionen Euro zu viel einbehalten, schreibt die Zeitung The JoongAng.

Apple ist damit offensichtlich in das Fadenkreuz einer zweiten südkoreanischen Regulierungsbehörde gerutscht, die in der Vergangenheit bereits Millionenstrafen gegen den Konzern verhängte – zuletzt etwa wegen angeblich monopolartiger Absprachen mit Mobilfunkanbietern. Parallel werden Apples App-Store-Praktiken von der Korea Communications Commission beäugt.

Südkorea hat als erstes Land weltweit, das App-Bezahlmonopol großer Plattformbetreiber aufgebrochen: Apple und Google müssen es Apps dort inzwischen erlauben, Direktzahlungen anzubieten – das ist sonst mit einzelnen Ausnahmen untersagt. Für solche externen Zahlungen veranschlagen beide Konzerne aber weiterhin eine Provision in Höhe von 26 Prozent. Für Apple sind die App-Store-Provisionen ein Milliardengeschäft, das zunehmend unter Beschuss steht, auch die Europäische Kommission strebt eine Zwangsöffnung des Smartphone-App-Vertriebs an.

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(lbe)