Holpriger Schulstart: Diskussionen um bundesweite digitale Bildungsangebote

Der Interessenverband Bitkom mahnt die Bundesländer zur Kooperation. Die Schul-Cloud des Hasso-Plattner-Instituts vermeldet über eine Million Nutzer.

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(Bild: Ulza/Shutterstock.com)

Von
  • Niklas Dierking

Der Branchenverband Bitkom spricht sich für eine nationale Bildungsplattform aus und bemängelt die anhaltenden Probleme in Deutschland in Bezug auf den digitalen Fernunterricht. Das fragmentierte digitale Bildungsangebot sei nicht zielführend, erklärt der Bitkom in einer Pressemitteilung. Derweil verzeichnet die Lernplattform Schul-Cloud des Hasso-Plattner-Instituts stark gestiegene Zugriffszahlen.

Bitkom-Präsident Berg kritisiert, dass ein Jahr nach Beginn der Coronavirus-Pandemie immer noch kein flächendeckender digitaler Unterricht möglich ist: „Ein Hauptproblem sind die Plattformen der Bundesländer, die den großen Nutzerzahlen vielfach nicht gewachsen sind und unter der Belastung zusammenbrechen“. Seit dem Schulstart gab es Probleme mit der Erreichbarkeit der Bildungsplattformen der Länder und konkurrierenden Angeboten privater Unternehmen.

In der Pressemitteilung verweist der Bitkom auch auf die Ergebnisse des Bildungsgipfels im September vergangenen Jahres. Die Kultusminister der Länder erarbeiteten bei dem Treffen sieben Absichtserklärungen, von denen eine den schrittweisen Aufbau einer Bildungsplattform durch den Bund als Ziel formuliert.

Laut Achim Berg müsse dafür das Rad nicht neu erfunden werden: „Gute Lösungen, die sich bereits bewährt haben, müssen nicht verworfen werden, sondern können in die Entwicklung einer nationalen Bildungsplattform eingebracht werden. Die Digitalisierung der Schulen darf nicht am föderalen Klein-Klein scheitern, sondern erfordert einen gemeinsamen Kraftakt von Kommunen, Ländern und Bund.“

Unterdessen vermeldet die Lernplattform des Hasso-Plattner-Instituts Nutzerrekorde. Seit März 2020 habe sich die Nutzerzahl der HPI-Lernplattform nahezu verdreißigfacht, teilte das Institut am Freitag mit.

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Mittlerweile nutzten knapp 3400 Schulen die Plattform. Diese Zahl habe sich seit März verzehnfacht. In Spitzenzeiten greifen dem HPI zufolge gleichzeitig bis zu 35 000 Nutzer allein auf das integrierte Videokonferenzsystem BigBlueButton zu. Die quelloffene und freie HPI-Cloud ist besonders in Niedersachsen, Brandenburg und Thüringen, verbreitet.

Das HPI-Projekt steht vor allem im Wettbewerb mit Lösungen, die auf der Open-Source-Plattform Moodle aufsetzen. Dazu gehört die bayerische Lernplattform Mebis, die aber immer wieder mit technischen Problemen zu kämpfen hat. Daneben sind etliche mittelständische Lösungen auf dem Markt. Dazu gehören IServ, ucs@school, Webweaver, itslearning oder die Schul.Cloud des Hannoveraner Anbieters Heinekingmedia, die sich gegen eine staatlich geförderte Plattformaussprechen. Neben den Mittelständlern versuchen auch große US-Konzerne wie Microsoft, Google und Apple im Bildungsmarkt Fuß zu fassen.

Die HPI Schul-Cloud wurde 2017 als Pilotprojekt gestartet und als gemeinnütziges Open-Source-Projekt vom Bundesbildungsministerium finanziell gefördert. In Reaktion auf die Corona-Pandemie hatte das Ministerium im März 2020 entschieden, die HPI Schul-Cloud deutschlandweit für alle Schulen zu öffnen, die keine vergleichbare Lösung des Landes oder des Schulträgers nutzen konnten.

(ndi)