Homeoffice kann beim Klimaschutz helfen – aber Energiewende entscheidender

Keine Pendelei per Auto, kein beheizter Großraum: Arbeit im Homeoffice verkleinert den CO2-Fußabdruck. Nur einige Bedingungen verschlechtern die Bilanz.

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(Bild: Anikin Stanislav/Shutterstock.com)

Von
  • Kristina Beer

Die Coronavirus-Pandemie hat vielerorts zu mehr Arbeit im Homeoffice geführt. Laut einer neuen Studie der britischen Umweltschutz-Organisation Carbon Trust im Auftrag des Vodafone-Instituts hat dies auch tatsächlich zur Verringerung der CO₂-Emissionen in der Arbeitswelt geführt.

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Laut der Studie gibt es besonders in Deutschland ein großes Einsparpotenzial für Emissionen, wenn Menschen weiterhin regelmäßig im Homeoffice arbeiten. Was die Studie auch zeigt: Für weitere Verbesserungen sind vor allem Infrastrukturmaßnahmen entscheidend. Ein dekarbonisierter Energiemix und Mobilitätsbereich sowie die Gebäudesanierung sind entscheidende Faktoren. Zudem könnten durch eine bessere Internetverbindung weitere Menschen ins Homeoffice wechseln.

Für die Untersuchung wurden sechs europäische Länder miteinander verglichen: Großbritannien, Deutschland, Spanien, Italien, Schweden und Tschechien. Bei der Berechnung spielten die genauen Arbeits- und Lebensumstände, der genutzte Energiemix, der Gebäudezustand, die eingesetzten Mobilitätsarten und auch Jahreszeiteffekte eine Rolle.

Besonders Deutschland habe ein großes Einsparpotenzial, heißt es in der Studie. In einem Post-Covid-Szenario könnten pro Jahr 12 Megatonnen CO₂ eingespart werden. Italien liegt mit 8,7 Megatonnen auf dem zweiten Platz – dort sei die Ersparnis auf der individuellen Basis besonders groß.

CO₂-Einsparungen – was das Homeoffice gebracht hat und bringen kann (8 Bilder)

Die zukünftigen Einsparpotentiale durch Arbeit im Homeoffice sind in Deutschland und Italien sehr hoch.
(Bild: Vodafone-Institut)

Im ersten Jahr der Coronvirus-Pandemie konnten in Deutschland – gerechnet von März 2020 bis März 2021 – pro Person im Homeoffice 1114 kg CO₂-Emissionen vermieden werden. In der Zeit vor Corona lag dieser Wert noch bei 663 kg. Nach dem ersten Pandemiejahr geht die Studie wieder von fallenden Werten aus, da einige Menschen in ihre Büros zurückkehren. Prognostiziert werden knapp 800 kg für das Jahr 2021 und für das Jahr 2022 etwa 700 kg pro Person pro Jahr.

Laut Studie arbeiteten in Deutschland im ersten Coronajahr rund 17,4 Millionen Menschen im Durchschnitt 3,5 Tage pro Woche im Homeoffice. Vor der Pandemie lag der Wert bei rund 2,5 Tagen pro Woche. In anderen Ländern aus der Untersuchung war der Sprung zu mehr Homeoffice zumeist etwas größer. Besonders Großbritannien sticht mit einem Anstieg von 2,6 auf 4,2 Tage hervor.

Dass die Einsparungen für Deutschland trotzdem groß sein können, liegt unter anderem an Einsparungen durch wegfallende Pendelei und einen geringen Energieverbrauch. Denn die in Deutschland anzusetzenden Mobilitätsemissionen und auch der deutsche Energiemix schlagen im Ländervergleich eher stark zu Buche. Die Bilanz in Deutschland wird etwa dadurch getrübt, dass im Vergleich mit Schweden ein relativ hoher Anteil fossiler Energiequellen im Strommix ist und auch zum Heizen genutzt wird.

Deutschlands Energiemix treibt in den Berechnungen die Zahlen hoch. Nur Tschechien kommt schlechter weg.

Ein gestiegener Energieverbauch durch die Heimarbeit habe die Einsparungen durch weniger genutzte Büros im Durchschnitt auch nicht nivelliert.

Die Bilanz für den Büroarbeitsplatz fällt in Deutschland nur dann besser aus, wenn Arbeitnehmer oder Arbeitnehmerinnen im Winter mit dem Zug zur Arbeit fahren würden, anstatt ihr heimisches Büro zu heizen. Dann kommt das Büro in der Emissionsbilanz etwas besser als der Heimarbeitsplatz weg. Die Werte sind am schlechtesten, wenn Autofahrer:innen im Winter im Büro arbeiten.

Andersherum sind etwa in Spanien im Sommer mehr Klimaanlagen im Einsatz – deshalb ist dort Büroarbeit den Angaben nach in der warmen Jahreszeit oft effizienter als das gekühlte Homeoffice.

(kbe)