Schweizer Rekruten können nur bedingt im Homeoffice büffeln

Statt auf dem Kasernenhof mussten am Montag 5000 Rekruten der Schweizer Armee die Grundausbildung vor dem heimischen Computer beginnen. Theoretisch.

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Panzer der Armee der Schweiz

Ein Panzer der Schweizer Armee (Archivbild)

(Bild: gemeinfrei)

Von
  • Tom Sperlich

Für rund 12.000 Rekrutinnen und Rekruten der Schweizer Armee hat am Montag die obligatorische Grundausbildung, in der Schweiz Rekrutenschule (RS) genannt, begonnen. Doch nur rund 60 Prozent aller erwarteten neuen Armeeangehörigen sind physisch in die Kasernen eingerückt. In einer zweiten Phase folgen am 8. Februar die restlichen 40 Prozent. Rekruten dieser Gruppe müssen bis dahin erstmals von zuhause aus Militär-Theorie am privaten Computer büffeln.

Mithilfe eines Lernprogramms haben sich die Armee-Neulinge sechs Stunden am Tag "Grundkenntnisse des Militärs und des militärischen Alltags" anzueignen. Doch wie vielfach im Homeoffice klappt es auch mit der Cyber-Rekrutenschule zunächst nicht ohne größere Probleme.

Wie Schweizer Medien berichten, konnten sich die Online-Rekruten schweizweit nicht ins System einloggen. Auf dem Bildschirm sahen die User die Meldung "Der Benutzer ist gesperrt". Grund dafür war ein zunächst unbekanntes technisches Problem. Nach und nach konnte ein Teil der Homeoffice-Rekruten in ihr Lern-Programm einsteigen.

Am Montagnachmittag sollen dann immerhin cirka 1500 Rekrutinnen und Rekruten online gewesen sein. IT-Kräfte der Armee suchen rund um die Uhr nach den Ursachen. Diverse Hardware wurde bereits ausgetauscht. Das System laufe besser als gestern, sei aber noch nicht 100-prozentig stabil, sagte Armeesprecher Stefan Hofer zu heise online. Die konkrete Ursache für die Störungen des Systems sei aber noch unbekannt.

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Seit Dienstag könnten immerhin 5000 Rekruten das "Learning Management System" nutzen. Das reicht aber noch nicht: Neben den Homeoffice-Soldaten müssen auch die Rekrutinnen und Rekruten in den Kasernen LMS nutzen können. Die Armee setzt es bereits seit 2008 ein und hat kürzlich die Bandbreiten erhöht.

Das ausgefallene E-Learning müssen die Rekruten nachholen. Die Armee geht von einem Lernpensum von sechs Stunden täglich aus. Da ein durchschnittlicher RS-Tag mindestens zwölf Stunden dauert, sei das Nachholen vertretbar, so Hofer.

Mit dem gestaffelten Einrücken der Rekruten (sowie einem Covid-19-Test bei der obligatorischen Gesundheitsmusterung bei Eintritt) will die Armeeführung das Pandemiegeschehen in der Truppe kontrollieren. Nach dem physischen Einrücken werden alle Armeeangehörigen (auch einrückende Kader) die ersten Wochen in den Kasernen verbringen müssen, samt Wochenenden. Das dienst ihrem eigenen Schutz, aber auch dem Schutz ihres privaten Umfeldes.

Die Schweiz verpflichtet alle männlichen Schweizer zum Militärdienst. Schweizerinnen können sich freiwillig melden. Die Grundausbildung (RS) dauert 18 bis 23 Wochen, insgesamt beträgt die Dienstpflicht 245 Tage.

(ds)