Homeoffice verstärkt klassische Geschlechter-Rollenbilder

Die Studie "Digitales Leben" der Initiative D21 verweist auf hartnäckige Geschlechter-Ungleichheiten auch im Netz beim mobilen Arbeiten.

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(Bild: Antonio Guillem / shutterstock.com)

Von
  • Stefan Krempl

Homeoffice, Telearbeit oder mobiles Arbeiten nutzen 9 Prozent der Frauen und 21 Prozent der Männer. Unter Personen, die nur Bürotätigkeiten ausführen, sind es 18 Prozent Frauen und 39 Prozent Männer. Das geht aus der Analyse Digitales Leben der Initiative D21 hervor, die am Freitag vorgestellt wurde.

Diese Unterschiede verstärken sich, wenn Kinder unter 18 Jahren im Haushalt leben. Sie könnten damit dazu beitragen, traditionelle Rollenbildern zu verfestigen, meinen die Forscher. Unter Berufstätigen mit Kindern steigt der Anteil der Männer mit Homeoffice auf 26 Prozent an, bei Frauen bleibt nahezu gleich bei 10 Prozent. Die Zahlen zeigen laut D21, dass Teilzeitkräfte in der technischen Ausstattung und damit den Möglichkeiten auf Homeoffice und Co. benachteiligt sind. Dabei handle es sich deutlich häufiger um Frauen.

Die Studie Digitales Leben ist eine Sonderauswertung des im Februar vorgestellten D21-Indexes. Für diesen wurden Mitte vorigen Jahres 20.000 Personen interviewt und 2000 vertieft befragt. Die Resultate spiegeln Veränderungen durch die Coronavirus-Pandemie und den damit einhergehenden Trend zur Telearbeit nicht wider. D21-Präsident Hannes Schwaderer ist sich trotzdem sicher: "Gegenwärtige Vereinbarkeitsmodelle verstärken bestehende Rollenbilder."

Frauen übernehmen laut Schwaderer noch immer deutlich häufiger unbezahlte "Care-Arbeit", kümmerten sich also stärker um Kinder, Angehörige und Haushalt. Zudem arbeiteten sie häufiger als Männer in Teilzeit, wodurch sie wiederum weniger mobil seien. Es handle sich um "ein strukturelles Problem, dem wir entgegenwirken müssen". Homeoffice sollte auch diejenigen unterstützen, "die ohnehin die größere Last der privaten Arbeit tragen". Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) versicherte, an Lösungen zu arbeiten, damit Frauen besser "ihr Leben nach den eigenen Vorstellungen" gestalten könnten.

Männer nutzen das Internet, technische Geräte sowie Computer- und Internetanwendungen insgesamt häufiger und intensiver als Frauen, geht aus der Studie hervor. Die größten Unterschiede gibt es mit 19 zu 12 Prozent bei Spielekonsolen. Unter den 18- bis 39-Jährigen verschwinden die Differenzen aber weitgehend, bei Smartphones führt das weibliche Geschlecht sogar leicht mit 98 gegenüber 97 Prozent. Auch im intensiv genutzten Online-Shopping haben die Frauen mit 12 Prozent die Nase vorn (Männer: 10 Prozent).

Männer sind offener für technische Neuheiten und stärker daran interessiert, ihr Wissen darüber auszubauen. Unter den höher Gebildeten sind Frauen jedoch leicht vor den Männern. Frauen verwenden das Internet und digitale Geräte insgesamt häufig anders: Sie setzen eher auf einen unmittelbaren Nutzen wie die Kommunikation mit Kindern und Enkeln über WhatsApp & Co., die Dienste müssen sich zudem gut in ihren Alltag einbinden lassen.

Insgesamt nutzen Frauen soziale Medien wie Facebook und Instagram häufiger, nur Youtube kommt bei den Männern besser an. 14- bis 32-jährige Frauen folgen laut den Forschern häufiger Accounts, "die Äußerlichkeiten thematisieren" wie Beauty, Schminken oder Mode, während Männer Games und Comedy bevorzugen.

Männer sind über alle Altersgruppen hinweg mehr an Digitalisierung interessiert und schätzen ihre Kompetenzen höher ein. Unter den jüngeren Generationen sind die Differenzen hier gering, unter den älteren umso deutlicher. Die Fähigkeiten, Angriffe über Phishing und Co. zu erkennen, sind insgesamt mittel ausgeprägt, Männer liegen hier etwas vorn. Vorsicht bei der Datenweitergabe lassen vor allem die 18- bis 39-Jährigen walten, wobei die Geschlechter hier etwa gleichauf sind.

Im Rahmen der Publikation startet die Initiative D21 am Freitag eine dreiteilige Gesprächsreihe zu Rollenbildern und Geschlechterunterschieden im digitalen Leben, die online übertragen wird.

(anw)