Geminiden: Sternschnuppen mit dem Timer fotografieren

Nach den Perseiden im August sind die Geminiden im Dezember der auffälligste Meteoritenschwarm im Jahreslauf und deshalb auch für Fotografen von hohem Interesse. Der Alpinfotograf Hans Sterr zeigt, wie man das flüchtige Himmelsphänomen per Timer in den Griff bekommt.

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  • Hans Sterr

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Bei den Geminiden handelt es sich um den stärksten Sternschnuppenschwarm des Jahres. Die Geminiden sind nach dem Sternbild Zwillinge (lat. Gemini) benannt, aus dem die Sternschnuppen zu strömen scheinen. Dieser Ausgangspunkt wird als Radiant bezeichnet. Das Maximum der Geminiden wird am Montag, den 14. Dezember 2015, gegen 19 Uhr MEZ erwartet, aber man kann bereits am Vortag schon mit guten Ergebnissen rechnen.

Wenn man den Vordergrund in die Bildgestaltung mit einbezieht, dann ergeben sich oft besonders ansprechende Bildergebnisse.

(Bild: Hans Sterr)

Wie immer bei der Sternenfotografie besteht die Hauptschwierigkeit zunächst darin, einen einigermaßen dunklen Ort für die Aufnahmen zu finden – denn so hell sind die Sternschnuppen meist nicht, dass sie sich gegen viel Streulicht durchsetzen könnten. In Städten zum Beispiel ist es sehr schwierig bis unmöglich, zu guten Ergebnissen zu kommen. Hier bietet es sich an, auf das Land hinauszufahren, auch Berggipfel sind beliebte Aufnahmestandorte. Wichtig ist immer ein großer Abstand zu unerwünschten Lichtquellen wie beispielsweise Städten, Einkaufszentren oder Industrieanlagen.

Da der Radiant Mitte Dezember der Sonne am Himmel gegenübersteht, ist er während der gesamten Nacht über dem Horizont in Blickrichtung Osten zu finden. Deshalb lassen sich die Geminiden im Gegensatz zu anderen Meteoren sehr gut in den Abendstunden beobachten. Man muss sich – anders als beispielsweise bei Perseiden – für die Geminiden also nicht zwingend die Nacht um die Ohren schlagen. Die Geminiden beeindrucken durch viele helle, typischerweise gelb-weiss leuchtende Sternschnuppen. Die hellsten Meteore erscheinen meist erst nach dem Maximum des Meteorstroms. Es sind dann zwar weniger Sternschnuppen, aber die sind dafür heller. Am erfolgversprechendsten ist dabei die Zeit nach 19 Uhr. Eine klare Nacht bietet beste Voraussetzungen für die Sternschnuppenfotografie. Sowohl am Sonntag als auch am Montag ist fast Neumond, das Licht des Mondes wird 2015 also nicht stören. Es hängt also nur vom Wetter ab, ob es im Jahr 2015 gute Aufnahmebedingungen für Geminidenfotos geben wird.

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Als Equipment gefordert ist ein stabiles Stativ, eine halbwegs gute Kamera (insbesondere in Bezug auf die Rauscharmut) mit dezidierten Einstellmöglichkeiten, dazu lichtstarke Weitwinkelobjektive, um einen möglichst großen Himmelsbereich einzufangen und so die Trefferquote zu erhöhen. Wer will, kann auch eine längere Brennweite direkt auf den Radianten richten und so den optischen Eindruck erhalten, dass die Meteore auf uns zufliegen – man wird dann aber mit weniger Treffern leben müssen und hat das zusätzliche Problem, dass sich die maximal nutzbare Verschlusszeit verkürzt.

Je nach Brennweite gilt es die Maximalzeit zu berücksichtigen, bis zu der belichtet werden kann, ohne dass die Sterne Streifen statt Punkte werden. Faustregel: Bleiben Sie unter einem Sekundenwert von 500/Brennweite (bei Vollformatkameras) bzw. 300/Brennweite (bei APS-C).Wer längere Verschlusszeiten technisch sauber - also ohne unerwünschte Sternenstreifen - aufnehmen möchte, muss die Kamera mit einer parallaktischen Montierung der Sternbewegung nachführen. Bei einigen Pentax-DSLRs kann der beweglich aufgehängte Sensor in der Kamera ebenfalls in gewissem Maße die Sternbewegung kompensieren. Diese Astrotracer-Funktion ist jedoch weniger leistungsfähig als eine parallaktische Montierung. Man kann aber auch ohne Nachführung gute Sternenfotos aufnehmen, wenn man die maximale Verschlusszeit nicht überschreitet. Das Ziel bei der Sternschnuppenfotografie ist ja die Sterne realitätsnah, also rund abzubilden, während die Sternschnuppenspur durch die lange Verschlusszeit in kompletter Länge sichtbar sein soll.

Der TC-80N3 von Canon ist ein Kabelfernauslöser mit Timerfunktion.

(Bild: Hans Sterr)

Bei der Sternschnuppenfotografie leistet ein Timer gute Dienste. Mit ihm kann man die Belichtungszeit und die Intervalle zwischen den einzelnen Bildern festlegen. Für das Canon-EOS-System ist das beispielsweise der TC-80N3. Die rund 130 Euro für den Kabelfernauslöser mit Timerfunktion (ab 93,51 €) sind gut angelegtes Geld, weil man ohne Benutzereingriffe lange Bildfolgen produzieren kann. Das ist bei der Sternschnuppenfotografie ein großer Vorteil, da man ja nicht gezielt einzelne Sternschnuppen fotografiert. In dem Augenblick wo man die Sternschnuppe sieht, muss der Verschluss ja schon geöffnet sein. Man löst also in regelmäßigen Abständen aus und hofft mit diesem Gießkannenprinzip möglichst viele Sternschnuppen zu erwischen. An einem typischen Abend können so hunderte Aufnahmen entstehen, mit etwas Glück sind darunter dann eine Handvoll wirklich guter Fotos.

Ein für unsere Zwecke geeigneter Timer wie der TC-80N3 hat Einstellmöglichkeiten zur Belichtungsdauer, für den Abstand zwischen den einzelnen Aufnahmen, für die Anzahl der Aufnahmen sowie die Dauer bis zur ersten Aufnahme. Hat man die richtige Belichtungskombination erst einmal gefunden, kann man so die weiteren Aufnahmen automatisiert der Kamera überlassen und muss nicht für jede Aufnahme erneut aktiv werden. Bewährte Einstellungen bei der Sternschnuppenfotografie sind 10 Sekunden Vorlauf bis zur ersten Aufnahme (damit jede Schwingung aus Stativ und Kamera ausgeschlossen ist) und eine Belichtungszeit von 20 Sekunden an der Vollformatkamera mit 24 mm Brennweite.

Um den Lichteinfall zu maximieren empfiehlt sich generell die Offenblende. Je nach verwendetem Objektiv kann es allerdings sinnvoll sein, im Einzelfall trotzdem etwas abzublenden. Gerade bei sehr lichtstarken Objektiven kann die Abbildungsqualität im Offenblendmodus im Einzelfall sichtbar sinken. Die Belichtung regelt man über die ISO-Zahl. Wenn die Möglichkeit besteht, dann sollte man lieber etwas länger belichten, als die ISO-Zahl unnötig zu pushen, weil das immer mit einer Zunahme des Bildrauschens verbunden ist. Eine einmal gefundene Belichtungseinstellung wird über den Modus M in der Kamera fest eingestellt. Wenn man dann bei Meteoritenaktivitäten Bildfolgen von 10-15 Aufnahmen mit je einer Sekunde Abstand zwischen den Aufnahmen auslöst, ist die Trefferquote recht hoch. Der angenehme Nebeneffekt des Timers: In kalten Nächten kann man sich ins warme Auto setzen, während die Kamera unbeaufsichtigt weiterarbeitet.

Die Objektive werden per manuellem Fokus auf unendlich eingestellt – für den Autofokus ist am Sternenhimmel typischerweise zuwenig Licht. Da sich in der Nacht die manuelle Fokussierung trotz Bildschirmlupe schwierig gestalten kann, wird man häufig die auf dem Objektiv aufgedruckten Entfernungsangaben als Einstellhilfe verwenden müssen. Man kann sich allerdings nicht bei jedem Objektiv auf diese Angaben verlassen. Es empfiehlt sich daher bei gutem Licht Testbilder zu schießen, damit man die Charakteristik seiner Objektive und etwaige Abweichungen zu den aufgedruckten Skalen kennt. Für verwacklungsfreie Bilder sollte man die Spiegelvorauslösung (SVA) verwenden. Bei guten Timern kann man sie auf Wunsch einschalten. Wer weder einen Timer hat, noch eine Kamera mit SVA, der kann immer noch den Selbstauslöser verwenden, um Vibrationen zu dämpfen.

Für die Fotos selbst ist es gut, wenn man auch etwas Vordergrund mit in das Bild aufnimmt, statt nur den Himmel abzulichten. Das versetzt den Betrachter in die Lage, das Bild zu verorten und es macht auch die Proportionen sichtbar. Diese Fotos sind oft spannender und interessanter als reine Himmelsfotos ohne irdischen Bezug. Da der Radiant der Geminiden wie erwähnt aber ohnehin horizontnah ist, wird das speziell bei den Geminiden kein Problem sein. Einzeln stehende, markante Bäume oder Kapellen auf freiem Feld bieten sich hier an. Durch den horizontnah liegenden Radianten kann sich aber je nach Aufnahmestandort das Problem mit dem Streulicht verstärken. Man sollte daher das Fotografieren in die Richtung von Ansiedlungen oder anderen Lichtquellen vermeiden.

Ein Hinweis: Wer im Raum München Interesse hat, den Autor am 13./14.12.2015 bei der Sternschnuppenjagd zu begleiten, kann sich über info@alpinbilder.de (Betreff: „Workshop Geminiden“) mit Hans Sterr direkt in Verbindung setzen. (sts)