Huawei-Kredit soll französische Suchmaschine Qwant über Wasser halten

Qwant sollte Europas datenschutzfreundliche Alternative zu Googles Suchmaschine sein. Geld dafür kommt nun ausgerechnet aus dem Überwachungsstaat China.

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Künstlerisch veränderter Screenshot des Qwant-Interfaces

(Bild: Screenshot/Daniel AJ Sokolov)

Von
  • Daniel AJ Sokolov

Die französische Suchmaschine Qwant holt sich Geld aus China. Huawei hat eine Wandelanleihe über acht Millionen Euro gezeichnet, berichtet Politico. Der Betrag ist höher als der gesamte Vorjahresumsatz Qwants. Das Geld soll das Überleben des chronisch defizitären Suchmaschinenbetreibers sichern. Der Zinsfuß beträgt 4,5 Prozent. In drei Jahren könnte Huawei die Anleihe in Qwant-Aktien tauschen und dann 5 bis 7,5 Prozent des Unternehmens besitzen.

Eigentlich ist Qwant mit dem Anspruch des "Respekts vor der Privatsphäre" angetreten, die "Voraussetzung für Freiheit" ist. "Wir sind der Meinung, dass es (sic) bei jeder Websuche Ihr (sic) Privatsphäre im Mittelpunkt stehen muss", schreibt Qwant, "Deshalb sammeln wir keine persönlichen Daten und zeigen keine personalisierte Werbung an. Unsere Algorithmen für das Informationsranking garantieren neutrale und umfangreiche Ergebnisse, die nur auf Relevanz basieren und nicht gefiltert werden."

Daher erstaunt, dass sich die Franzosen gerade aus China Geld für ihre datenschutzfreundliche Suchmaschine besorgen. Die Volksrepublik ist nicht für "Respekt vor der Privatsphäre" ihrer Bürger bekannt, sondern für die Überwachung der Menschen, die Beschneidung ihrer Freiheiten, und weitreichende Zensur bekannt. Wie bei großen chinesischen Firmen üblich, hat die Kommunistische Partei Chinas auch bei Huawei einen Parteiausschuss installiert, der die Firma von Innen überwacht und im Sinne der Partei lenkt.

Offiziell arbeiten Qwant und Huawei seit März 2020 zusammen. Die Vorbereitungen sollen jedoch schon seit November 2018 laufen, meldet Politico unter Berufung auf Eingeweihte. Aufgrund von US-Sanktionen hat Huawei keinen Zugang zu Google-Diensten und -Software mehr. Daher werden Huawei-Handys in manchen europäischen Ländern seit dem Vorjahr mit Qwant als voreingestellter Suchmaschine ausgeliefert.

Auf bestimmten Huawei-Handys im Umfeld von Qwant-Suchergebnissen anfallende Werbeeinnahmen teilen sich Qwant und Huawei auf. Parallel zu dem Kredit wird nun auch diese Partnerschaft vertieft. Der Suchmaschinenbetreiber kann die Hilfe brauchen: Selbst im Heimatland Frankreich ist Qwant nicht unter den hundert meistbesuchten Webseiten. Dort liegt google.com auf Platz 1, gefolgt von der Schwesterseite YouTube.com auf Platz 2 und google.fr auf Platz 4.

Finanziell hat Qwant seinen Umsatz zuletzt deutlich steigern können. Er ist laut dem Bericht von drei Millionen Euro im Jahr 2018 über 5,8 Millionen Euro 2019 auf 7,5 Millionen Euro im Jahr 2020 gewachsen. Die Verluste lagen dabei stets deutlich über den Umsätzen: 11,2 Millionen Euro 2018, 23 Millionen Euro 2019, 13 Millionen Euro 2020.

(ds)