Huawei ohne Android-Lizenz: USA lassen Ausnahmeregelung ablaufen

Die Ausnahmeregelung, die Huawei Geschäfte mit US-Unternehmen erlaubte, ist abgelaufen. Nun könnte Huawei die volle Kraft des US-Embargos treffen.

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Huawei
Von
  • Daniel Herbig

Huawei bekommt nun die volle Wucht des im vergangenen Mai angekündigten US-Embargos zu spüren: Die US-Regierung von Donald Trump hat eine Ausnahmeregelung mit Sonderlizenzen für das chinesische Unternehmen nicht mehr verlängert. Die seit Mai 2019 geltende Sonderregelung lief am 13. August ab.

Im vergangenen Jahr haben die USA Huawei auf eine schwarze Liste gesetzt, die US-Unternehmen Handelsbeziehungen mit dem chinesischen Konzern untersagt. Dieses Embargo war bisher allerdings nie vollständig in Kraft getreten, weil eine Sonderlizenz durchgängig Ausnahmen erlaubte. Diese Lizenz war zuletzt im Mai bis zum 13. August ausgeweitet worden. Nun wird sie nicht mehr verlängert, bestätigte das US-Handelsministerium der Washington Post. Die US-Regierung wirft Huawei Spionage für den chinesischen Staat vor.

Unmittelbare Auswirkungen wird das Auslaufen der Sonderlizenz laut Washington Post unter anderem auf kleinere Mobilfunkprovider in den USA haben, die aus Kostengründen auf Huaweis Technik setzen. Weil es die Handelsrestriktionen US-amerikanischen Firmen verbieten, ihre Technologien an Huawei zu vergeben, könnten aber auch Nutzer von Huawei-Handys betroffen sein.

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Bislang konnten Huawei-Handys, die vor Mai 2019 in den Handel kamen, Android weiterhin uneingeschränkt nutzen und Software-Updates beziehen. Möglich war das aber nur aufgrund der Sonderlizenz. Ohne diese Ausnahmeerlaubnis ist die Zukunft dieser Huawei-Handys derzeit unklar: Um weiterhin Versionsupdates auf seine Smartphones zu bringen, müsste sich Huawei nun wohl auf die Open-Source-Fassung von Android stützen.

Diese Version von Android kann auch ohne Lizenz genutzt werden, hat aber einige Einschränkungen – allen voran das Fehlen der Google-Play-Dienste und des Play Stores. Die meisten Huawei-Handys, die nach Eintreten der US-Handelsrestriktionen in den Handel kamen, laufen bereits von Marktstart an mit der lizenzfreien Android-Variante. Dass Huawei diejenigen Smartphones, die vorher mit vollwertigem Android liefen, per Software-Update auf eine unlizenzierte Version des Betriebssystems hieven wird, scheint unwahrscheinlich.

Für Huawei dürfte nun auch die Belieferung mit Hardware-Komponenten schwierig werden: Anfang August kamen noch Berichte auf, Qualcomm würde vor einem 8 Milliarden Euro pro Jahr schweren Deal mit Huawei stehen. Ohne die Sonderlizenz darf Qualcomm allerdings keine Chips an Huawei verkaufen. Das chinesische Unternehmen soll seine Lagerbestände bereits massiv aufgestockt haben, um sich auf das Ende der Ausnahmeerlaubnis vorzubereiten. Das Mate 30 hat Huawei außerdem bereits komplett ohne Teile von US-Unternehmen produziert.

(dahe)