Huawei stellt Smartphones per Update von Android auf HarmonyOS um

Etwa 100 Smartphones will Huawei mit einem Update versorgen, das sie von Android auf HarmonyOS umstellt. Unklar blieb, ob das auch außerhalb Chinas geplant ist.

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(Bild: Huawei)

Von
  • Daniel Herbig

In den kommenden Monaten will Huawei zahlreiche Android-Smartphones und -Tablets per Update auf sein eigenes HarmonyOS umstellen. Das sagte das chinesische Tech-Unternehmen im Rahmen einer Online-Präsentation, auf dem es die neue Version seines Betriebssystems vorstellte. Bisher ist der Schritt nur für China angekündigt.

HarmonyOS ist Huaweis eigenes Betriebssystem, das für Smartphones und Tablets, aber auch für Fernseher, Smartwatches und Smart-Home-Geräte gedacht ist. Es basiert auf dem Android Open Source Project. Code-Analysen des Tech-Magazins Ars Technica haben gezeigt, dass HarmonyOS im Grunde ein Fork des von Google entwickelten Betriebssystems ist: Die Unterschiede zwischen beiden OS-Versionen sind demnach bestenfalls geringfügig.

Zuerst stellt Huawei seine Flaggschiff-Geräte in China auf HarmonyOS um: Bereits heute können Nutzerinnen und Nutzer in China das Huawei-Betriebssystem auf den P40- und Mate-40-Geräten nutzen, auch das MatePad Pro hat HarmonyOS bereits bekommen. In den kommenden Monaten sollen dann weitere Geräte wechseln, der Vorgang soll sich bis 2022 ziehen.

Bisher ist der Austausch des Betriebssystems nicht für Märkte außerhalb Chinas angekündigt. Dort gäbe es nämlich ein Problem: Einige der Geräte, die Huawei in China nun auf HarmonyOS updatet, laufen beispielsweise in Deutschland noch mit einem voll lizenzierten Android. Dabei handelt es sich hauptsächlich um Smartphones, die vor der Google-Sperre im Mai 2019 auf den Markt kamen. Auch im Anschluss an den Android-Ausschluss hat Huawei noch vereinzelt Modelle auf den Markt bringen können, die aufgrund minimaler Hardware-Änderungen im Vergleich zu vorherigen Handys weiterhin eine lizenzierte Android-Version benutzen konnten.

HarmonyOS basiert dagegen auf der lizenzfreien Open-Source-Variante von Android. Dieser fehlen der Zugang zu Google-Diensten und Apps wie dem Play Store, Gmail oder Google Maps. Weil solche Geräte im Westen kaum wettbewerbsfähig sind, hat Huawei weitgehend darauf verzichtet, unlizenzierte Android-Handys in Deutschland, Europa und den USA anzubieten. Ein Update auf HarmonyOS für ältere Smartphones mit vollwertigem Android würde voraussichtlich bedeuten, dass auch diese die Google-Dienste nicht mehr nutzen können. Ob Huawei diesen Schritt plant, ist unklar. Gegenüber heise online sagte ein Sprecher lediglich, der Umstieg sei vorerst auf Geräte mit chinesischer Firmware beschränkt.

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Huaweis HarmonyOS verhält sich weitgehend wie Android, das Unternehmen hat aber einige Zusatzfeatures entwickelt. Besonderes Augenmerk legt Huawei auf Funktionen, die verschiedene Gerätetypen im HarmonyOS-Ökosystem enger miteinander verknüpfen. So soll es etwa möglich sein, per Handy auf die Apps zuzugreifen, die vorher auf dem Tablet geöffnet wurden. HarmonyOS ist laut Huawei seit 2016 in Entwicklung und wurde zuerst auf Fernsehern eingesetzt. Die nun vorgestellte Version 2.0 kann erstmals auch auf Smartphones laufen.

Huawei wurde von den USA im Mai 2019 auf eine Embargo-Liste gesetzt, die US-Unternehmen und Firmen, die mit US-Technologie arbeiten, Geschäfte mit Huawei untersagt. Die USA begründen diesen Schritt mit Spionage-Verdacht gegen Huawei, für den keine Beweise öffentlich vorliegen.

Infolge der Sperre hat Huawei Googles Android-Lizenz und Zugang zu Komponenten zahlreicher Hersteller verloren. Die Produktion Huaweis eigener Kirin-Chips wurde dadurch so sehr eingeschränkt, dass das Unternehmen nun bei ersten Geräten auf Chips von Qualcomm setzen muss – der US-Hersteller darf wegen einer Sonderlizenz an Huawei liefern.

(dahe)