IAEA: Ohne Atomkraft sind Klimaziele unerreichbar – Deutschland auf Sonderweg

Werben für Atomkraft gehört zum Auftrag der IAEA. Vor seinem Berlin-Besuch betont IAEA-Chef Grossi, wie wenig Nachahmer die Deutschen beim Atom-Ausstieg haben.

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(Bild: Pavel Ignatov/Shutterstock.com)

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  • dpa

Ein Erreichen der globalen Klimaziele ist nach Überzeugung des Chefs der Internationalen Atomenergieorganisation (IAEA), Rafael Grossi, ohne Atomkraft praktisch ausgeschlossen. Insofern sei das für 2022 beschlossene Ende der Kernenergie in Deutschland politisch legitim, aber in Bezug auf das Klima und das Zwei-Grad-Ziel nicht wissenschaftlich begründbar.

"Die wissenschaftliche Tatsache ist, dass Atomkraftwerke einen extrem geringen Kohlendioxid-Ausstoß verursachen", sagte Grossi der Deutschen Presse-Agentur in Wien. Es sei eine empirische Tatsache, dass ein Drittel der sauberen Energie aus nuklearen Quellen stamme. Unter Berufung auf das Zwischenstaatliche Gremium für Klimawandel (IPCC) und die Internationale Energieagentur sagte Grossi: "Jeder Weg zur Erreichung der im Pariser Abkommen festgelegten 2-Grad-Schwelle ist ohne Atomkraft nahezu unmöglich, wenn nicht unmöglich."

Der argentinische Diplomat äußerte sich kurz vor seinem Besuch in Berlin, wo er unter anderem Außenminister Heiko Maas (SPD) trifft und an der Konferenz des Weltgesundheitsgipfels teilnimmt.

"Atomkraft ist Teil der Lösung", sagte er und fügte hinzu, dass Kernreaktoren eine stabile Stromversorgung böten, die weniger konstanten erneuerbaren Strom aus Wind, Wasser oder Sonne unterstützen könne. Die unabhängigen Wissenschaftler des IPCC haben festgestellt, dass größere Anstrengungen erforderlich sind, um die nukleare Sicherheit, die Entsorgung nuklearer Abfälle und andere Risiken anzugehen, wenn die Atomenergie expandieren soll. Grossi besucht Deutschland in einer erneuten Debatte über ein Endlager für abgebrannte Brennelemente.

Finnland sei bislang das einzige Land, das ein solches permanentes Atomlager errichtet. Auch Schweden habe einen Standort kürzlich genehmigt. "Wir haben ein Problem verschoben, bis es unmöglich ist, es nicht anzugehen", sagte Grossi über den Mangel an langfristigen Lösungen für radioaktive Abfälle. Der Widerstand der Menschen, solches Material in ihrer Nähe zu wissen, sei verständlich, sagte er. "Die Leute bevorzugen eine Lösung, die sie nicht in die Nähe von Abfall bringt."

Der deutsche Atomausstieg sei in Konsequenz und Tempo weltweit praktisch einzigartig und ein echter Sonderweg. Nur wenige Länder hätten sich für einen Ausstieg entschieden. Andere strebten eine Reduzierung der Atomkraft an, aber keinen Ausstieg. Ansonsten gebe es einen bemerkenswerten Trend zum Atomkraftausbau – sei es in China, Russland, Indien, Südafrika, Türkei, Bangladesch, Vietnam, den Vereinigten Arabischen Emirate, Ägypten, Argentinien oder Brasilien, so der Chef der IAEA, die für den sicheren Betrieb zivil genutzter Atomkraftwerke wirbt.

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Außerdem gebe es einen Trend zur Verlängerung der Lebensdauer alternder Reaktoren. "Es ist, wie wenn sie einen BMW von 1980 haben und dann den Motorblock wechseln, einige Teile wechseln, die Pumpen wechseln", sagte er. Viele Teile der in Deutschland demnächst nutzlosen Reaktoren könnten problemlos noch 20 Jahre oder sogar länger in Betrieb sein.

(tiw)