IBM führt Developer-Zertifizierung für Quantencomputing ein

Wer möchte, kann die eigenen Fähigkeiten im Quantencomputing nun zertifizieren lassen. Die Zertifizierung legt den Fokus auf das IBM-eigene SDK Qiskit.

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(Bild: Gorodenkoff / Shutterstock.com)

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  • Silke Hahn

IBM führt eine Zertifizierung für Quantencomputing ein. Interessierte können Entwicklungskenntnisse für Quantenrechner durch einen Test mit 60 Fragen nachweisen, wobei die Zertifizierung offenbar einen Schwerpunkt auf Qiskit legt, ein IBM-eigenes Software Development Kit (SDK). Qiskit basiert auf Python-Skripten zum Ausführen von Quantencomputing-Experimenten wie dem Prototyping entsprechender Algorithmen und dem Ausführen von Programmcode auf Quantengeräten in Cloud-Umgebungen.

Das eigenständige Schreiben von Programmen gilt ebenso als Voraussetzung für das Zertifikat wie das Definieren von Quantenschaltkreisen und das Implementieren von Gates mit einzelnen und mehreren Qubits. Wer sich dem Test stellt, muss bei der Prüfung offenbar Quantencomputerprogramme mit Qiskit erstellen und ausführen können, und zwar primär auf IBM-Geräten und -Simulatoren.

Die aktuellen Pläne decken sich mit der kürzlich vorgestellten Roadmap von IBM, derzufolge das Unternehmen die Zahl der Qubits in seinen Quantencomputern von derzeit 65 auf über 1000 steigern will. Die Zahl der Qubits bestimmt über die Leistungsfähigkeit eines Quantencomputers und beruht physikalisch auf neuen Verdünnungskonzepten, um komplexe quantenmechanische Systeme stark herunterzukühlen (auf Temperaturen nahe dem absoluten Nullpunkt).

Anfang des Jahres hatte Microsoft bei eigenen Quantencomputing-Plänen Rückschläge in Kauf nehmen müssen: Ein Team von Wissenschaftlern, das mit dem Softwareunternehmen aus Redmond zusammenarbeitete, musste einen Fachartikel wieder zurückziehen. Auch ein Expertenrat aus Vertretern von Wirtschaft und Forschung hat Anfang des Jahres die Forderung aufgestellt, dass die Bundesrepublik wettbewerbsfähige und vor allem anwendungstaugliche Quantencomputer selbst bauen und betreiben können müsse.

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IBM möchte mit der Zertifizierung der entsprechenden Qualifikation nun offenbar eine Vorreiterrolle einnehmen, und die Auszeichnung soll laut Ankündigung den Weg bahnen für eine Standardisierung von Fertigkeiten in dieser Technologie. Offenbar haben potenzielle Arbeitgeber im Bereich des Quantencomputing bislang auf einen akademischen Hintergrund geachtet kombiniert mit praktischer Erfahrung. Entwicklerinnen und Entwickler könnten im Bewerbungsprozess künftig von der Zertifizierung profitieren, heißt es in der Meldung. Marktanalysten haben im Vorjahr dem Quantencomputing ein Potenzial von 65 Milliarden US-Dollar bis 2030 vorhergesagt.

Das Ökosystem des Quantencomputings ist jedoch vielschichtig, in Bewegung und umreißt verschiedene Typen von Hardware. Ein einzelnes Zertifikat ist bei dem breiten Spektrum an Anwendungsgebieten der Zukunftstechnologie allein wohl noch nicht aussagekräftig, insbesondere wenn die Prüfung sich auf eine einzige Programmiersprache und den begrenzten Hardware- und Entwicklungsrahmen eines einzigen Anbieters stützt.

Unklar ist daher zum jetzigen Zeitpunkt, ob das angekündigte Zertifikat über einen Beleg der "Motivation" und des "Grundverständnisses" hinausgeht. Bis Zertifizierungen sich arbeitgeberseitig auch durchsetzen und entsprechende Anerkennung finden, könnte es noch etwas dauern. Offenbar plant IBM bei seinen Investitionen im Bereich der Quantenrechner, weitere Zertifizierungen einzuführen, die kommende Industriestandards abdecken sollen.

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Über die Qiskit-Zertifizierung lassen sich praktische Hinweise und Hintergrundinformationen aus einem Blogeintrag im Portal Medium entnehmen.

(sih)