IT-Branche: Virtuelle Events werden Corona überdauern

Deutsche Firmen setzen zunehmend auf virtuelle Veranstaltungen. Präsenz wird weniger wichtig – noch mehr schlechte Nachrichten für die Event-Wirtschaft.

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Messehalle in Hannover.

(Bild: heise online/vbr)

Von
  • Volker Briegleb

Messen und Konferenzen sind für viele deutschen IT-Unternehmen wichtig für Vertrieb und Marketing. Während der Coronavirus-Pandemie wurden zahlreiche Großveranstaltungen abgesagt und teils durch rein digitale beziehungsweise hybride Alternativen ersetzt. Diese neuen Formate dürften auch über die Pandemie hinaus an Bedeutung gewinnen. Das geht aus einer aktuellen Umfrage des Branchenverbands Bitkom unter 165 ITK-Unternehmen hervor.

Abgesehen von Großmessen wie der CES in Las Vegas, dem MWC Barcelona oder der IFA Berlin gibt es zahlreiche kleinere, zum Teil sehr branchenspezifische Veranstaltungen für ITK-Unternehmen und ihre Kunden. Während die Erfahrungen der IFA 2020 zeigen, dass sich Großmessen nur schwer digital abbilden lassen, finden kleinere Fachveranstaltungen wie etwa die Fiberweek des Bundesverbands Breitbandkommunikation (Breko) ihr Publikum auch online. Anfang Dezember versucht es auch der Web Summit als größte europäische Tech-Konferenz mit einer Digitalausgabe.

Laut der Bitkom-Umfrage haben solche virtuellen oder hybriden Veranstaltungen für über 70 Prozent der deutschen ITK-Unternehmen "eine große oder sehr große Bedeutung". Knapp die Hälfte der befragten Firmen haben in diesem Jahr erstmals digitale oder hybride Messen genutzt, ein Fünftel macht das schon länger. Dagegen erwarten die Unternehmen, dass die Bedeutung reiner Präsenzveranstaltungen künftig abnehmen wird. Nur knapp 40 Prozent der befragten Unternehmen halten Offline-Events künftig noch für relevant.

"Das Bedürfnis nach Austausch und Vernetzung ist ungebrochen", sagt Bitkom-Chef Bernhard Rohleder. "Mit virtuellen und hybriden Veranstaltungen kann diesem Bedürfnis auch unter den erschwerten Bedingungen der Pandemie Rechnung getragen werden. Die Technologien zur Durchführung sind mittlerweile so vielfältig und interaktiv, dass auch künftig einige bislang rein physische Veranstaltungen durch digitale Formate ersetzt werden."

Das sind keine guten Aussichten für die Veranstaltungswirtschaft, die von der Pandemie ohnehin hart getroffen ist. Über zwei Drittel der bisher für 2020 geplanten Messen wurden laut Zahlen des Verbands der Deutschen Messewirtschaft (AUMA) abgesagt oder verschoben. Nach einer Erholung im Spätsommer müssen die Veranstalter aufgrund des jüngsten Beschlusses der Bundesregierung und der Länder nun wieder ihre Tore schließen. Für Irritation in der Branche sorgt dabei, dass die Messen von der Bundesregierung zu "Freizeitgestaltung" gezählt werden.

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"Die deutsche Messewirtschaft respektiert grundsätzlich, dass viele Branchen dazu beitragen müssen", betont AUMA-Chef Jörn Holtmeier. Er erwarte, dass Messen kurzfristig aus dem Zusammenhang mit Freizeitaktivitäten herausgenommen werde. "Eine Gleichstellung von Messen mit dem Groß- und Einzelhandel ist mehr als berechtigt. Beides findet in ähnlich strukturierten Räumen statt und hat weitgehend identische Funktionen."

Die Absage einer großen Veranstaltung hat über die direkt betroffenen Ausrichter, Aussteller und Besucher hinaus auch Konsequenzen für die lokale Wirtschaft. So sind zum Beispiel Hotellerie, Gastronomie, Logistik und Messebau betroffen. Nach Angaben des AUMA beziffern sich die gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen auf rund 21 Milliarden Euro, 173.000 Arbeitsplätze seien gefährdet.

(vbr)