IT-Sicherheit: BSI will Webmail-Anbieter stÀrker in die Pflicht nehmen
Die E-Mail-Sicherheit lastet gröĂtenteils auf den Schultern der Anwender, moniert das BSI. Es sieht die Betreiber etwa bei der Anmeldung in der Verantwortung.
(Bild: Michael Traitov/Shutterstock.com)
Das Bundesamt fĂŒr Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) richtet eine klare Forderung an die Betreiber digitaler PostfĂ€cher: Sie mĂŒssten die Verantwortung fĂŒr die IT-Sicherheit ihrer Dienste systematisch und umfassend ĂŒbernehmen, da der Schutz der Verbraucher vor Risiken wie Phishing und IdentitĂ€tsdiebstahl aktuell noch lĂŒckenhaft umgesetzt sei. Das ist der Tenor des am Montag veröffentlichten WeiĂbuchs aus der Reihe "Digitaler Verbraucherschutz" zu "sicheren, transparenten und benutzerfreundlichen Webmail-Diensten".
In dem Whitepaper beklagt das BSI, dass ein elementarer Teil der E-Mail-Sicherheit â insbesondere eine einfach nutzbare Ende-zu-Ende-VerschlĂŒsselung (E2EE) und der Schutz vor Angriffen â noch zu stark auf den Schultern der Anwender laste. Dabei existierten zunehmend technische Schutzmechanismen, die automatisiert wirken könnten. Angesichts der Tatsache, dass die E-Mail die zentrale SchlĂŒsselkomponente zur Verwaltung digitaler IdentitĂ€ten ist und oft zur Wiederherstellung anderer Accounts diene, sei die GewĂ€hrleistung von VerlĂ€sslichkeit, Sicherheit und Nutzerfreundlichkeit gerade bei besonders hĂ€ufig genutzten Webmail-Services wie Gmail, GMX, web.de und Hotmail von erheblicher Bedeutung.
Die Autoren identifizieren fĂŒnf zentrale Handlungsfelder, um die Prinzipien Security by Design und Security by Default fĂŒr nutzerfreundliche IT-Sicherheit durchzusetzen. Demnach sollen Anbieter einfache und sichere Authentisierungsverfahren als Standard implementieren. Dazu gehört die verpflichtende EinfĂŒhrung der Zwei-Faktor-Authentisierung (2FA) oder moderner Passkeys, die Anwender ĂŒber biometrische Merkmale identifizieren. Flankierend seien eine dem Stand der Technik entsprechende Passwort-Politik und technische MaĂnahmen wie Ratenbegrenzung bei der Eingabe von Kennungen erforderlich.
Besser schĂŒtzen vor Spam und Phishing
Eine interoperable und einfach nutzbare durchgehende VerschlĂŒsselung (E2EE) sieht das BSI als zentralen Baustein fĂŒr die Vertraulichkeit der Kommunikation an. Da E2EE aufgrund der manuellen SchlĂŒsselverwaltung derzeit nur ein Nischenthema sei, fordert das BSI, den Einsatz offener Standards wie OpenPGP und S/MIME direkt im Webmailer zu ermöglichen. Dies erfordere die automatisierte Generierung und Verwaltung von SchlĂŒsselpaaren im Dienst sowie den niedrigschwelligen Austausch des öffentlichen SchlĂŒssels, etwa ĂŒber das Web Key Directory (WKD). ErgĂ€nzend mĂŒsse die TransportverschlĂŒsselung ĂŒber DANE oder MTA-STS umgesetzt werden.
Das Amt verlangt ferner wirksame Schutzmechanismen gegen Spam und Phishing, wobei die Verantwortung nicht allein auf die Endnutzer verlagert werden dĂŒrfe. Ein mehrschichtiges System, das im Backend auf Verfahren wie SPF, DKIM und DMARC zur ĂberprĂŒfung der AbsenderauthentizitĂ€t baue, mĂŒsse durch benutzerfreundliche Funktionen zum Melden von unerwĂŒnschten Mails und Betrugsversuchen ergĂ€nzt werden. Dazu hat das BSI voriges Jahr bereits Hinweise gegeben.
Zudem sei eine sichere und nachvollziehbare Option zur Kontenwiederherstellung unerlĂ€sslich, insbesondere im Falle einer Account-Ăbernahme durch Dritte, schreibt das Amt. Die Prozesse mĂŒssten klar gefĂŒhrt und sicher gestaltet werden, da herkömmliche Wiederherstellungsverfahren wie Backup-E-Mails oder Sicherheitsfragen manipulierbar seien.
Basis fĂŒr digitale Teilhabe
Anbieter sollen auch transparente Sicherheitsprofile und nachvollziehbare Vertrauensmodelle bereitstellen. Weil die Funktionsweise zentraler Sicherheitsmechanismen fĂŒr Verbraucher nicht direkt ĂŒberprĂŒfbar sei, stĂ€rke die Offenlegung von verwendeten Protokollen und Prozessen das Vertrauen und unterstĂŒtze die Kunden bei der Wahl eines sicheren Dienstes.
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"Sichere E-Mail-Kommunikation ist eine Grundvoraussetzung fĂŒr digitale Teilhabe und Selbstbestimmung", betonen die Verfasser. Neben technischen Weiterentwicklungen seien daher verbindliche Rahmenbedingungen, ein gesellschaftlicher Konsens ĂŒber Schutzstandards und gezielte politische Impulse nötig. Die Appelle richteten sich daher "an Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft gleichermaĂen". EinschlĂ€gige Dienstleister hĂ€tten "jetzt die Chance, mit der Umsetzung der in diesem Whitepaper aufgefĂŒhrten konkreten MaĂnahmen per freiwilliger Selbstverpflichtung sichtbar Vertrauen aufzubauen". Die BSI-Fachbereichsleiterin fĂŒr digitalen Verbraucherschutz, Caroline Krohn, sagt, nur wenn SchutzmaĂnahmen verstĂ€ndlich, interoperabel und alltagstauglich seien, "entfalten sie ihre volle Wirkung".
(nie)