IT-Spezialistinnen dringend gesucht: Unternehmen hoffen auf mehr Frauen

Am 28. April sollen Mädchen beim Girls' Day für MINT-Berufe begeistert werden. Forscher sagen: Das Werben um Nachwuchs muss viel früher ansetzen.

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IT-Branche

(Bild: dpa, Britta Pedersen)

Von
  • Malte Kirchner

Anlässlich des bundesweiten Girls' Days am Donnerstag, 28. April, weist der IT-Branchenverband Bitkom auf den Fachkräftemangel in technischen und naturwissenschaftlichen Berufen hin. Laut einer von Bitkom in Auftrag gegebenen repräsentativen Umfrage bei mehr als 600 Unternehmen der Gesamtwirtschaft erklärten 75 Prozent der deutschen Unternehmen, dass die Wirtschaft auf Frauen mit IT-Expertise angewiesen ist, um dem Mangel zu begegnen.

In diesem Jahr stehen am Zukunftstag für Mädchen besonders die Themen Digitalisierung und Nachhaltigkeit im Fokus. Das Motto lautet "Es zählt, was Du willst". „In Deutschland fehlt es an Expertinnen und Experten, um die Digitalisierung zu treiben und geschlechtergerecht zu gestalten. 96.000 Stellen für IT-Fachkräfte sind unbesetzt“, sagt Bitkom-Präsident Achim Berg.

Laut einer internationalen Studie von Psychologen um Gijsbert Stoet von der University of Essex in Colchester neigen Mädchen und junge Frauen besonders in modernen Gesellschaften, bei der Berufswahl einem alten Rollenverständnis zu folgen. Die Wissenschaftler werteten Umfragedaten der Pisa-Studie von 473.260 Jugendlichen ab 16 Jahren aus, die im Jahr 2018 erhoben wurden.

Mädchen und junge Frauen strebten demzufolge überwiegend Berufe an, in denen sie viel Kontakt mit Menschen haben. Handwerk und MINT-Berufe (Mathematik, Informatik, Natur- und Ingenieurswissenschaften und Technik) standen hingegen nicht hoch im Kurs und das paradoxerweise besonders in Ländern mit höherer Geschlechtergerechtigkeit. Forscher sprechen vom "Gender-Equality Paradox" - die Deutung ist allerdings nicht unumstritten.

Die Psychologen um Stoet kommen zu dem Schluss, dass eine gezielte Information über sachorientierte und MINT-Berufe offenbar früher als bislang erfolgen muss, um Mädchen dafür zu begeistern. Es gebe in europäischen Ländern zwar viele MINT-Initiativen, aber diese könnten in einem zu späten Lebensalter ansetzen. Hier setzt auch die Bitkom an: "Das Interesse von Mädchen und jungen Frauen an digitalen Technologien muss viel früher geweckt werden. Deutschland braucht ein Pflichtfach Informatik ab Sekundarstufe I", sagt Berg. Eine ähnliche Forderung hatte im vergangenen Jahr bereits das Bündnis #SheTransformsIT aufgestellt.

Deutsche Unternehmen haben aber laut der Umfrage grundsätzliche Sorgen. 57 Prozent beklagen, das deutsche Bildungssystem sei insgesamt nicht darauf angelegt, IT-Kompetenzen bei Frauen zu fördern. Fast acht von zehn Unternehmen (78 Prozent) fordern, Informatikunterricht in der Schule verpflichtend einzuführen. "Damit Deutschlands digitale Transformation gelingt, muss die digitale Bildung von Mädchen und jungen Frauen ganz oben auf der bildungspolitischen Agenda des Landes stehen", so Berg.

(mki)