ITler in Banken: Am Gehalt mangelt es nicht​

Das Kreditgewerbe baut zwar grundsätzlich tausende Stellen ab, stellt aber gerne IT-Fachkräfte ein. Die bekommen überdurchschnittlich hohe Gehälter.

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(Bild: ASDF_MEDIA/Shutterstock.com)

Von
  • Peter Ilg

Wenn es eine Branche gibt, in der die Digitalisierung ihre beiden Gesichter ganz offen zeigt, dann sind das die Banken. In den letzten 20 Jahren sind im deutschen Kreditgewerbe rund 220.000 Stellen weggefallen. Aktuell arbeitet noch eine gute halbe Million in Deutschlands Banken. "Der Personalabbau geht sicherlich auch in den kommenden Jahren weiter, es lässt sich nur noch nicht vorhersagen, in welchem Tempo", sagt Carsten Rogge-Strang, Hauptgeschäftsführer im Arbeitgeberverband des privaten Bankgewerbes.

Durch die Digitalisierung der Bankgeschäfte fallen vor allem einfache Tätigkeiten weg, andere kommen neu dazu. "Die neu entstehenden Jobs kompensieren allerdings nicht die wegfallenden", sagt Rogge-Strang. Unter dem Strich scheiden deshalb mehr Beschäftigte aus als neue hinzukommen.

heise jobs – der IT-Stellenmarkt

Zu Arbeitsplätzen und Stellenangeboten in der IT-Branche siehe auch den Stellenmarkt auf heise online:

Weiterhin gibt es einen Trend hin zur Konsolidierung. Die Anzahl der Kreditinstitute sinkt kontinuierlich und mit ihr werden Stellen vor allem in Zentralfunktionen gestrichen, um Synergien zu nutzen und die Kosten zu senken. Zunehmend ersetzen Online-Lösungen einfache Banktätigkeiten. Das ist günstiger, geht schneller und das rund um die Uhr.

Bankgeschäfte verschieben sich in Richtung digitaler Formate, die Filialnetze schrumpfen deshalb kontinuierlich. 80 Prozent der Bankenmanager rechnen damit, dass die Zahl der Filialen bis 2025 um mindestens 20 Prozent sinken wird. Dies ist das Ergebnis des aktuellen Bankenbarometers der Wirtschafts-Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY, Ernst und Young. "Eine Lehre aus der Pandemie ist: Es geht auch digital. Die Kunden sind daher immer mehr bereit, ihre Bankgeschäfte online zu tätigen", sagt Robert Melnyk, Leiter des Bereichs Banken und Kapitalmärkte.

Nach Meinung von EY entstehen derzeit neue Stellen in erster Linie in Zentralbereichen wie dem Risikomanagement oder der IT. Knapp über die Hälfte der befragten Bankenmanager gehen von einem Stellenaufbau in diesen Unternehmensbereichen aus.

Samira Lauer, 27, hat bei der Deutschen Bank eine kombinierte Ausbildung zur Fachinformatikerin in der Anwendungsentwicklung und ein Bachelorstudium der Wirtschaftsinformatik 2018 abgeschlossen. Während ihres Studiums war sie in der IT-Abteilung, in der das Online-Banking entwickelt und betreut wird. "Das hat mich interessiert, deshalb habe ich dort nach Abschluss meines Studiums angefangen." Als Business Analystin hat sie zunächst den Markt beobachtet, wie Wettbewerber Angebote für Kunden im Online-Banking lösen, etwa die PhotoTAN push und hat daraus Vorschläge für Lösungen der Deutschen Bank erstellt. Bei der Verwendung der photoTAN-Push erhalten Bankkunden eine Benachrichtigung auf ihrem Smartphone, wenn ein neuer Auftrag zur Freigabe vorliegt.

Jetzt ist sie Product Ownerin und hat somit eine definierte Rolle in der agilen Softwareentwicklung. "Um beim Beispiel mit den PhotoTANs zu bleiben, stelle ich nun das Projektteam zusammen, Kollegen unterstützen in der Analyse und ich treffe Entscheidungen für die IT-Entwicklung der Lösung und deren Architektur." Aktuell ist Lauer in einem Projekt für die neue Online-Banking-Plattform einschließlich App fürs mobile Banking der Deutschen Bank und deren Tochter Postbank. "Für die neue Plattform nutzen wir die Cloud-Infrastruktur von Google." Technisch moderner und mit einer leichter bedienbareren Benutzeroberfläche soll die neue Lösung sein.

Aus Sicht von Lauer muss die IT von Banken im Wesentlichen zweierlei Anforderungen erfüllen: Sie soll sensible Kundendaten sicher verwalten und die Anforderungen an Regulatorik zum Beispiel der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen erfüllen.

Ihr Kollege Christoph Rabenseifner, 40, leitet den Stab des Vorstandsbereichs Technologie, Daten und Innovation, der 2019 gegründet wurde. Dort arbeiten 14.900 Angestellte der Deutschen Bank. Die hat insgesamt rund 83.000 Beschäftigte, davon etwa 35.700 in Deutschland. "Die Technik ist der größte Infrastrukturbereich bei uns im Unternehmen", sagt Rabenseifner. Im vergangenen Jahr wurden etwa 1.000 neue Mitarbeiter dafür eingestellt, insgesamt ging die Beschäftigtenzahl in der Bank 2021 um 1.700 zurück. Diese Zahlen belegen, was Rogge-Strang sagte: Digitalisierung schafft zwar neue Arbeitsplätze, unterm Strich aber weniger, als verlorengehen.

2020 ist die Deutsche Bank die Partnerschaft mit Google Cloud eingegangen. "Die Cloud ist für uns die Technologiegrundlage für die Transformation in die Zukunft", sagt Rabenseifner. Ziel des Kreditunternehmens ist es, einen Großteil der Anwendungen in der Cloud zu entwickeln und dort zu betreiben.

Die IT ist inzwischen keine Kostenstelle im Unternehmen mehr, sondern Bestandteil des Geschäftsmodells. "Sie schafft die Möglichkeit, neue, digitale Produkte anzubieten und sie ist Wachstumstreiber für unser Geschäft", sagt Rabenseifner. Jeder Kunde nutzt heute mehr oder weniger technische Produkte der Deutschen Bank.

In der IT setzt sie neben den Cloud-Technologien ihre Schwerpunkte auf eigene Softwareentwicklung und Künstliche Intelligenz. "Dafür suchen wir neue Kolleginnen und Kollegen in allen Bereichen, auf allen Erfahrungsstufen und an allen Standorten", sagt Rabenseifner. Das könnte genauso jemand von der Commerzbank oder der Sparkassenorganisation gesagt haben, denn in ihrer grundsätzlichen Situation unterscheidet sich die eine von der anderen Bank nicht. Sie verbindet, dass die IT in den Kreditinstitutionen mitunter eher marode als modern ist. Um sie zu modernisieren, werden in der gesamten Bankenbranche IT-Fachkräfte gebraucht.

Die dürfen in den kommenden Monaten trotz Personalabbau mit zunehmenden Gehältern rechnen. Laut der EY-Umfrage geht ein Drittel der befragten Bankmanager von einer steigenden Vergütung im eigenen Institut aus, nur sieben Prozent erwarten das Gegenteil. "Auch die Bankenbranche bleibt vom Fachkräftemangel nicht verschont", sagt Melnyk von EY. Wer motivierte Angestellte mit besonders gesuchten Qualifikationen haben und halten wolle, müsse derzeit tief in die Tasche greifen. Davon können die begehrten Informatiker mit hohen Gehältern profitieren.

Dabei ist das Kreditgewerbe eine Branche, die laut Rogge-Strang ihre Angestellten im Vergleich zur Gesamtwirtschaft schon überdurchschnittlich hoch bezahlt. Das Einkommen in Banken liegt seit vielen Jahren konstant um etwa die Hälfte über dem Einkommen aller Branchen. Am Geld mangelt es Banken also nicht.

(axk)