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"Ich verdiene Freiheit": Interview mit der afghanischen Fotografin Rada Akbar

Rada Akbar arbeitet als Fotojournalistin. Das allein wäre nicht besonders, würde die junge Afghanin ihren Job nicht in ihrem Heimatland ausüben. Mit ihrer Arbeit setzt sie sich über gesellschaftliche Schranken hinweg und hilft damit auch anderen.

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Rada Akbar ist noch keine 30 Jahre alt. Ihre letzten Worte hat sie aber schon ausformuliert und in der vergangenen Woche an uns geschickt. Rada Akbar ist in Afghanistan geboren. Sie lebt dort und sie arbeitet dort als unabhängige Künstlerin und Fotojournalistin.

In der vergangenen Woche wurde die afghanische Bevölkerung aufgerufen, einen neuen Präsidenten zu wählen. Die Taliban drohten mit Anschlägen. Davon wollte sich Akbar nicht abhalten lassen. Sie schrieb uns: "Ohne Angst und mit Stolz werde ich wählen gehen. Ich möchte Freiheit und ich verdiene sie, weil ich leben will – nicht nur überleben."

Fotos von Rada Akbar (9 Bilder)

Aspect of Life (Bild: Rada Akbar, Afghanistan)

Wir sind auf die junge Frau über die Webseite von Photocircle aufmerksam geworden, über die man Akbars Bilder kaufen kann. Der Anbieter für Fotokunst macht es Fotografen möglich, ihren Profit zu teilen. Ein Teil der Verkaufserlöse eines Fotos geht hier an gemeinnützige Projekte. Akbar unterstützt mit ihren Bildern über Photocircle unter anderem syrische und sudanesische Flüchtlinge, Straßensozialarbeit in Mazedonien und ein Schulprojekt für Kinder in Bangladesch.

Wir konnten uns mit der jungen Fotografin via Email über ihre Profession und Leidenschaft austauschen.

Warum haben Sie die Fotografie gewählt, um sich auszudrücken?

Fotografie verändert die Art, wie man Dinge sieht. Es transformiert deine Wahrnehmung. Plötzlich fallen dir Licht, Formen, Farben, Texturen, Menschen, Gebäude, Bäume, Blumen auf. Alles um dich herum sieht anders aus, wenn du anfängst, die Welt als Fotograf zu sehen.

Wie spielen bei Ihnen Kunst und Fotojournalismus zusammen?

Ich muss sagen, meine Kunst beeinflusst mein fotojournalistisches Schaffen. Sie lässt mich mit jedem Foto, das ich schieße, kämpfen. Als Künstlerin versuche ich stets neue Wege zu finden, meine Gefühle auszudrücken. Genauso ist es für mich als Fotojournalistin. Ich will, dass die Menschen die Seele in jedem meiner Bild fühlen, dass ich mache.

Rada Akbar verbindet für ihre Arbeit Kunst und Journalismus.

(Bild: Rada Akbar/ Photocircle)

Wie ist die Arbeit als weibliche Fotografin in Afghanistan?

Als Frau in Afghanistan zu arbeiten, ist immer eine Herausforderung. Es gibt für mich keine spezifischen Barrieren, weil ich versuche, sie zu ignorieren und mich auf meine Arbeit zu konzentrieren. Solange unsere Gesellschaft nicht bereit ist, Frauen zu akzeptieren, die unabhängig leben und arbeiten – so wie die Männer das tun –, wird es immer Menschen geben, die sich sehr dabei anstrengen, mich von der Art wie ich lebe und arbeite abzuhalten.

Haben Sie selbst schon Anfeindungen erlebt?

Ja. Als ich eine Frau, die ihr Bein verloren hat, in einem Flüchtlingslager in der Provinz Helmand fotografiert habe, mochten das die Leute dort nicht. Sie planten mich zu entführen. Zwei Wochen vorher passierte das dort einer kanadischen Mitarbeiterin des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen (UNHCR).

Ich war zu dieser Zeit bei der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) angestellt. Sie stellten mir für meinen Aufenthalt im Lager zwei Fahrer zur Verfügung. Ich habe gerade fotografiert als einer der Fahrer panisch zu mir kam und mir gesagt hat, wir müssten sofort verschwinden. Ich stieg sofort ins Auto. Wir verließen das Camp und die Gegend. Sie haben mir später erklärt, dass ein Ladenbesitzer ihnen erzählt habe, dass diejenigen ins Camp gefahren sind, die zuvor die Kanadierin entführt haben.

Warum bleiben Sie trotzdem noch in dem Land?

Ich habe immer noch Hoffnung für die Zukunft von Afghanistan, obwohl es hier sehr furchteinflößend und verwirrend geworden ist. Und andererseits ist es für afghanische Bürger nicht so einfach, in ein anderes Land auszuwandern.

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Mehr zu Rada Akbar

Rada Akbar ist 1986 in Afghanistan geboren. 2004 schloss sie ihr Kunststudium ab. Ihre Karriere startete Akbar als malende Künstlerin. Doch schon bald begann sie damit, das alltägliche Leben der afghanischen Bevölkerung mit der Kamera festzuhalten. 2009 wurde ihre Dokumentation „Shattered Hopes“ über afghanische Frauen für das Panorama-Hindukusch Filmfestival ausgesucht. 2011 konnte sie ihre Bilder in der Residenz des deutschen Botschafters in Kabul ausstellen. Heute nutzt Akbar viele künstlerische und journalistische Wege sich auszudrücken. Ihre Bilder und Fotos werden international ausgestellt.

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(ssi)