Illegale Überweisungen: Indien konfisziert 700 Millionen Euro von Xiaomi

Die indische Tochter des chinesischen Smartphone-Herstellers Xiaomi soll jahrelang unter falschen Voraussetzungen Geld an den Mutterkonzern überwiesen haben.

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Beijing,,China,-,January,28,,2017:,Xiaomi,Sign.,Xiaomi,Inc.

(Bild: testing/Shutterstock.com)

Von
  • Martin Holland

Indiens Anti-Geldwäsche-Behörde hat umgerechnet fast 700 Millionen Euro von der lokalen Tochter des chinesischen Smartphone-Herstellers Xiaomi konfisziert. Das teilte das Indian Enforcement Directorate am Wochenende mit und erklärte, Xiaomi India habe gegen die Devisengesetze des Landes verstoßen.

Insgesamt sei Geld in diesem Wert an drei ausländische Unternehmen geflossen, angeblich als Gebühren für die Verwertung von geistigem Eigentum. Von denen seien aber keine Dienste in Anspruch genommen. Die Überweisungen seien auf Anweisung des chinesischen Mutterkonzerns erfolgt, dem das Geld letztlich zugute gekommen sei. Banken gegenüber seien irreführende Angaben gemacht worden.

Xiaomi ist bei Smartphones Marktführer in Indien und kommt dort laut Counterpoint auf einen Marktanteil von über 20 Prozent. Der Nachrichtenagentur Reuters zufolge hat das Unternehmen den Vorwürfen bereits widersprochen und versichert, dass die seit 2015 geflossenen Gebühren für lizenzierte Technologien und geistiges Eigentum bezahlt worden seien, die in den Produkten für Indien eingesetzt würden. Man arbeite eng mit den Regierungsbehörden zusammen, "um jegliches Missverständnis zu klären". Der ehemalige Chef von Xiaomi India war erst vor wenigen Wochen von der Behörde befragt worden, ergänzt Reuters noch. Konfisziert wurden nun Bankkonten des Konzerns und darauf liegende Finanzmittel in Höhe der angeblich widerrechtlichen Überweisungen.

Das Vorgehen gegen den Smartphone-Konzern fällt in eine Zeit zunehmender Spannungen zwischen indischen Behörden und der chinesischen IT-Industrie. Erst im Dezember hatten Steuerbehörden in Indien Liegenschaften von Xiaomi und Oppo durchsucht, dabei ging es laut der Economic Times um Vorwürfe der Steuerhinterziehung. Kurz zuvor waren Fabriken von Auftragsfertigern für Xiaomi durchsucht worden. Mitte Februar hatte Indien erneut Dutzende chinesische Apps verboten. Seit es im Sommer 2020 zu einer tödlichen Eskalation an Indiens Grenze zu China im Himalaja gekommen war, waren Hunderte Apps aus China in dem Land gesperrt worden. Die Beziehungen der beiden bevölkerungsreichsten Länder der Welt, die beide über Atomwaffen verfügen, sind seitdem angespannt.

(mho)