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Im Metaversum lassen sich Billionen scheffeln

Im immersiven Raum glänzt eine Goldgrube, meint McKinsey. Zumindest zum Teil sind die Ergebnisse der Kristallkugel-Interpretationen fragwürdig.

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(Bild: McKinsey)

Von
  • Andreas Wilkens

Die Unternehmensberater von McKinsey sind fasziniert vom Metaversum und meinen, Menschen, Unternehmen und alle anderen sollten so schnell wie möglich dort hineintauchen. Insbesondere Unternehmen, denn zum Jahr 2030 würden im und durch das Metaversum 5 Billionen US-Dollar bewegt.

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Das Internet ist voll von heißen IT-News und abgestandenem Pr0n. Dazwischen finden sich auch immer wieder Perlen, die zu schade sind für /dev/null.

Ja, Billionen, richtig gelesen, in einem US-englisch gefassten Blogeintrag schreibt McKinsey "$5 trillion". Wie die Unternehmensberatung auf diese fantastische Summe kommt? Sie hat nach eigenen Angaben weltweit 3400 Verbraucher und Verbraucherinnen zu dem Thema befragt, zwei Drittel von ihnen hätten sich "excited" gezeigt, also aufgeregt oder begeistert.

Begeisterung oder Aufregung sind wohl Gefühlsäußerungen, die eher US-Amerikaner gerne zeigen und womöglich auch kulturell anders geprägten Menschen in den Mund legen. Hierzulande wären übersetzt für emotional eher abgekühlte Gemüter Adjektive wie "interessiert" angebracht.

Abgesehen davon: Wussten die Befragten überhaupt, wozu sie befragt werden? Was ist dieses Metaversum überhaupt? Haben sie es schon einmal gefühlt, gesehen, geschmeckt oder betreten? Wussten sie, dass es eine immersive 3D-Umgebung ist, in der sie mit anderen über Avatare interagieren könnten? Das schreibt McKinsey leider nicht.

Das könnte skeptisch machen. Ähnlich wie das Ergebnis einer Umfrage des TÜV-Verbands zum Thema "Sicherheit und künstliche Intelligenz" (PDF), zu der 48 Prozent der befragten Normalbürger meinten, sie könnten KI "im Wesentlichen" erklären. Dabei würde es auch Experten nicht leicht fallen, "im Wesentlichen" zu erklären, was KI eigentlich ist. Erst kürzlich hat eine Denkfabrik postuliert, "künstliche Intelligenz", "KI" und "maschinelles Lernen" seien PR-Kopfgeburten, die lediglich suggerieren, Maschinen könnten "denken". Sie wolle nun auf solche Begriffe verzichten. Und da wir gerade dabei sind: Sind Katholiken anwesend? Kann jemand von Ihnen erläutern, worum es bei "Fronleichnam" eigentlich geht?

(anw)