Impfstofflügen: Spotify-Kundendienst flüchtet vor verärgerten Kunden

Spotifys Kundendienst ist derzeit nicht live ansprechbar. Offenbar beschweren sich zu viele, dass Spotify wissentlich falsche Infos über Impfstoffe verbreitet.

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Daniel Ek

Spotify-Chef Daniel Ek (Bild) hat sich für die Verbreitung von Falschinformation und gegen Neil Youngs Musik entschieden. Ek hat über 100 Millionen Gründe dafür.

(Bild: Spotify)

Von
  • Daniel AJ Sokolov

Spotify-Kunden können derzeit nicht mit dem Kundendienst chatten. "Wir bekommen gerade sehr viele Kontakte", informiert eine Einblendung. Sie verweist auf Hilfstexte und ein Kundenforum. Letzteres steht zurzeit außerdem nur auf Englisch zur Verfügung. Hintergrund ist wohl eine Beschwerdewelle: Kunden ärgern sich, dass Spotify weiter Podcasts verbreitet, die Falsches über das Coronavirus und Impfstoffe verbreiten und den Holocaust verharmlosen.

Weil er auf so einer Plattform nicht vertreten sein möchte, hat der kanadische Poliomyelitis-Überlebende Neil Young kürzlich Spotify ein Ultimatum gestellt. Daraufhin hat Spotify Neil Youngs Alben entfernt. Das ermuntert zahlreiche Nutzer, sich über Spotifys Entscheidung für gefährliche Missinformation und gegen Neil Youngs Werke, zu beschweren und ihre Konten zu schließen.

Zuvor hatten tausende Mediziner und andere Wissenschaftler Spotify in einem offenen Brief dafür kritisiert, über den Podcast The Joe Rogan Experience bereits als falsch erkannte Behauptungen über das Coronavirus, Impfstoffe und angebliche Heilmittel sowie verharmlosende Vergleiche mit dem Holocaust zu verbreiten. Spotify versucht, sich durch exklusive Podcasts von anderen Musikstreamingdiensten abzuheben. Größtes Zugpferd ist Joe Rogan, der seit Jahren immer wieder Rassisten einlädt.

2020 soll das Unternehmen Rogan mehr als 100 Millionen Dollar gezahlt haben, um seinen Podcast samt Archiv exklusiv an sich zu binden. Seither stellt Spotify diesen Podcast stets an die Spitze der angeblich meistgehörten Angebote.

Die aktuelle Beschwerdewelle ist offenbar zu viel für den Live-Kundendienst. Zuerst wurden verärgerte Kunden barsch abgewiesen: "Damit können wir nicht helfen. Wenn Sie keine technischen oder Zahlungs-Probleme haben, beende ich diesen Chat", sagte zum Beispiel Spotify-Mitarbeiterin "Sarah L." zum kalifornischen Autor Lee W. Collins am Donnerstag und ging grußlos. Inzwischen ist der Support überhaupt auf Tauchstation gegangen. Spotify-Aktien haben Mittwoch und Donnerstag zusammengenommen etwa sieben Prozent an Wert verloren.

Manche Spotify-Kunden kündigen ihre Konten, andere löschen einfach die hinterlegten Zahlungsmittel. Mitbewerber nutzen die Gunst der Stunde: Beispielsweise erklärt Apple Music seine "Liebe" zu Neil Young. Und während Tidal darauf hinweist, wie Neukunden ihre Playlisten aus anderen Diensten importieren können, bewirbt Deezer eine 100%-Neil-Young-Playlist. Der Satellitenradioanbieter SiriusXM wiederum hat sich exklusives Material des kanadischen Musikers gesichert und daraus ein eigenes Programm kreiert, das eine Woche über Satellit und einen ganzen Monat über die SiriusXM-App verbreitet wird.

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(ds)