Indien wird OneWeb-Satelliten starten

Zwei Drittel der OneWeb-Flotte sind im Orbit, doch der russische Raketenbetreiber ist abhandengekommen. Neben SpaceX springt New Space India in die Bresche.

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Darstellung eines OneWeb-Satelliten mit ausgefalteten Solarpanelen im Erdorbit

(Bild: OneWeb)

Von
  • Daniel AJ Sokolov

Das indische Raumfahrtunternehmen New Space India (NSIL) wird Satelliten des indisch-europäischen Satellitennetzbetreibers ins All befördern. Noch dieses Jahr sollten die ersten Raketen mit OneWeb-Satelliten vom indischen Satish Dhawan Space Centre starten.

Das hat OneWeb vergangene Woche bekanntgegeben. New Space India ist der kommerzielle Teil der staatlichen indischen Raumfahrtorganisation ISRO, die bereits seit über 20 Jahren ausländische Satelliten ins All bringt. OneWeb betreibt ein Netz erdnaher Satelliten in etwa 1.200 Kilometer Höhe. Sie sollen weltweit Datenverbindungen ermöglichen, die OneWeb nur im Großhandel anbieten möchte.

2020 wurde das zahlungsunfähige Unternehmen OneWeb durch Teilverstaatlichung gerettet. Unter den Aktionären ist aktuell der indische Bharti-Konzern der größte, gefolgt vom französischen Satellitenunternehmen Eutelsat und der britischen Krone.

428 Satelliten hat OneWeb bereits im Orbit. Das sind zwei Drittel der für globale Abdeckung mindestens erforderlichen Flotte. Dieser Meilenstein hätte eigentlich im August erreicht werden sollen. Die erste Ausbaustufe sind noch etwas mehr, nämlich insgesamt 716 Satelliten vor. Bisher hat sich das Unternehmen für die Starts auf den staatlichen russischen Raumfahrtunternehmen Roskosmos verlassen.

Doch seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine muss OneWeb auf russische Raketendienste verzichten. Anfang März forderte Roskosmos-Chef Dmitri Rogosin plötzlich, dass die Satelliten nicht für militärische Zwecke genutzt würden und sich das Vereinigte Königreich von seinem Firmenanteil trenne.

Rogosin wusste natürlich, dass diese Forderung von vornherein aussichtslos war: "Es gibt keine Verhandlungen bezüglich OneWeb. Die Regierung des Vereinigten Königreichs verkauft ihren Anteil nicht", stellte der britische Minister für Business und Energie, Kwasi Kwarteng, sogleich klar. Der Ausstieg der Russen bedeutet, dass OneWeb den eigenen Zeitplan nicht halten kann.

Binnen weniger Wochen konnte OneWeb einen neuen Dienstleister finden: SpaceX hilft OneWeb aus der Patsche – obwohl SpaceX mit Starlink ein konkurrierendes Satellitennetz betreibt. Allerdings hat SpaceX selbst alle Hände voll zu tun, ausreichend Starlink-Satelliten und die Geräte anderer Kunden ins Weltall zu schießen.

Nicht öffentlich bekannt ist, wann in den Falcon-Raketen tatsächlich Platz für OneWeb-Satelliten sein wird. Um möglichst wenig Zeit zu verlieren, sichert sich das Management die Dienste Indiens. Die Details des Vertrags sind vertraulich. Noch nicht geäußert hat sich OneWeb zum Thema der Ionenantriebe, die die Satelliten in ihren Umlaufbahnen halten. Diese Hallantriebe sind bisher von der russischen Firma OKB Fakel (Experimental-Konstruktionsbüro Fackel) gekommen.

(ds)