Industriestrategie: Grüne wollen Glasfaser fürs Klima

Die Grünen-Bundestagsfraktion beschließt eine Industriestrategie für die "ökologisch-soziale digitale Transformation". Sie setzt auf klimaneutrale Technologien.

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(Bild: Lisa M Fritz / Shutterstock.com)

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  • Stefan Krempl
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Die Bundestagsfraktion der Grünen fordert, für den Festnetz- und Mobilbereich "den weitreichenden Ausbau eines flächendeckenden Glasfasernetzes als klimafreundlichste und effizienteste Übertragungstechnik zu beschleunigen". Das Breitbandförderprogramm des Bundes soll dafür "ein Update" erhalten, der von der Bundesregierung für 2025 geplante Rechtsanspruch auf schnelles Internet vorzeitig "im Rahmen eines erschwinglichen Universaldienstes zügig umgesetzt" werden.

Das geht aus einer neuen Strategie hervor, mit der die Oppositionsgruppe den Wandel der Industrie nachhaltig im Rahmen einer "ökologisch-sozialen digitalen Transformation" gestalten will. Die Fraktion veröffentlichte den am Dienstag von ihr beschlossenen Antrag am Freitag. Sie will ihn kommende Woche in den Bundestag einbringen.

Zuvor hatte ein Gutachten von Kristof Obermann von der Technischen Hochschule Mittelhessen im Auftrag des Bundesverbands Breitbandkommunikation (Breko) voriges Jahr ergeben, dass "echte Glasfasernetze mit Fiber to the home (FTTH) einen wichtigen Beitrag zu mehr Klimaschutz und Nachhaltigkeit leisten". Der Professor für Elektro- und Informationstechnik verglich dafür den Energiebedarf im laufenden Betrieb und die Nachhaltigkeit von FTTH und kupferbasierten Telekommunikationsnetzen wie Fiber to the curb (FTTC) und dem VDSL-Turbo Vectoring.

Bezogen auf den Stromverbrauch pro Bitrate verbrauchen kupferbasierte Netze bei einer angenommenen Auslastung von 50 bis 100 Prozent demnach "um das Drei- bis Siebzehnfache mehr Strom" als echte Glasfaser. Bei einer deutschlandweiten Versorgung mit FTTH ließen sich so bis zu 1100 Megawatt (MW) an elektrischer Leistung gegenüber kupferbasierten Netzen einsparen. Zum Vergleich: Das siebtgrößte deutsche Kohlekraftwerk "Schwarze Pumpe" erreicht eine Leistung von 1600 MW.

Mit dem Plan wollen die Grünen die Industrie stark aufstellen, damit sie vor allem "den Herausforderungen der Klimakrise begegnen" kann. Deutschland soll "zum Leitmarkt für Material- und Energieeffizienz-Lösungen" sowie für die Kreislaufwirtschaft werden. Dafür nötig sei ein Förderprogramm für Recycling-Anlagen nach dem Stand der Technik, die Ausweitung von Pfand- und Mehrwegsystemen sowie eine "Stärkung von Reparaturdienstleistungen". Gleichzeitig müssten Mindestanforderungen für Recycling-Anlagen kommen.