Infosec Girls auf der Black Hat 2020: Schwierige Bedingungen gemeinsam meistern

Eine Initative aus Indien will all jenen helfen, für die der Einstieg in den IT-Sec-Bereich etwa aus kulturellen oder finanziellen Gründen besonders schwer ist.

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(Bild: https://www.infosecgirls.in/)

Von
  • Olivia von Westernhagen

Dass der Frauenanteil in der IT-Sicherheit noch immer eher gering ist, ist im Arbeitsalltag offensichtlich. Ein häufiger Erklärungsansatz lautet, dass die bevorzugten Interessensgebiete von Frauen aus verschiedenen Gründen eher in anderen Berufsbereichen liegen. Das mag häufig zutreffen, reicht aber, wie Vandana Verma Sehgal, Socurity Solutions Architect bei IBM, auf der diesjährigen Black Hat Konferenz betonte, als alleinige Erklärung längst nicht aus.

Im Rahmen ihres Vortrags "Making an Impact from India to the Rest of the World by Building and Nurturing Women Infosec Community" stellte sie am gestrigen Donnerstag die von ihr gegründete Initiative "Infosec Girls" vor. Primäres Ziel sei es, Menschen beim beruflichen Einstieg in die IT-Sicherheit zu unterstützen, denen dieser Weg aus sozialen, kulturellen oder auch finanziellen Gründen sonst möglicherweise komplett versperrt bliebe.

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Die Idee für Vandana Vermas 2014 ins Leben gerufene Initiative entsprang den besonderen Herausforderungen, mit denen Frauen in der noch immer extrem konservativen und auf klassische Rollenverteilung geeichten indischen Gesellschaft zu kämpfen haben.

Noch stärker als hierzulande herrscht dort die Meinung vor, dass technische Berufe grundsätzlich nichts für Frauen seien – sofern Frauen, neben Kinderziehung und Fürsorge für den Ehemann, überhaupt arbeiten, geschweige denn sich weiterbilden können (und dürfen). Oft fehle es schon an der grundsätzlichen Möglichkeit, sich in der Öffentlichkeit frei zu äußern, ohne belächelt oder gar verurteilt zu werden. In der Folge leide auch das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten.

(Bild: Black Hat USA 2020 (Screenshot))

Mit Infosec Girls wollte Vandana Verma ein Netzwerk für die wenigen Frauen schaffen, die über ganz Indien verteilt im IT-Sicherheitsbereich arbeiten – und Interesse bei jenen wecken, die sich bislang nicht mit dem Thema befasst haben bzeiehungsweise befassen konnten.

Treffen finden (nicht erst seit Corona) regelmäßig per Videokonferenz, abgesehen von der aktuellen Situation aber auch in der realen Welt statt. Es gehe darum, technisches Wissen, auch im Rahmen intern organisierter Vorträge, miteinander zu teilen und zu diskutieren – aber auch darum, über den IT-Sec-Bereich hinaus füreinander da zu sein und Herausforderungen gemeinsam zu meistern.

Das Konzept von Infosec Girls stieß trotz einiger Anlaufschwierigkeiten nicht nur in Indien auf Interesse und Zustimmung: Mittlerweile existieren insgesamt 15 virtuell vernetzte Chapter/Ableger etwa auch in den USA und in Italien. Das Angebot richtet sich ausdrücklich nicht "nur" an Frauen, sondern soll auch ganz allgemein Kinder, Studenten und Menschen mit Interesse an IT-Sicherheit unterstützen, denen das Geld für teure Fortbildungen und Lernmaterialien fehlt.

Über die bereits erwähnten Vernetzungsmöglichkeiten hinaus arbeitet InfoSec Girls mit indischen Universitäten zusammen, um dort etwa im Rahmen von Präsentation und selbst organisierten Hackathons Studenten für die hohe Relevanz des Themenbereichs IT-Sicherheit zu sensibilisieren. Die Initiative ist auch mit Konferenzveranstaltern vernetzt, um über spezielle Diversitätsstipendien kostenlose Tickets, Trainings und sogar die Übernahme von Reisekosten zu organisieren.

(Bild: Black Hat USA 20 (Screenshot))

Ein weiterer wichtiger Bestandteil des Angebots ist kostenloses Online-Trainingsmaterial, das künftig laufend erweitert werden soll und das völlig unabhängig von einer Mitgliedschaft über infosecgirls.gitbook.io abrufbar ist.

Über die Frage aus dem Black Hat-Publikum via Chatbox, ob es denn auch Informationsmaterialien für Unternehmen gäbe, damit diese beim Einstellungsprozess "ihren Beitrag" leisten könnten, freute Vandana Verma sich sichtlich. Gerade in Indien prallen Frauen im Anschluss an ihren steinigen Ausbildungsweg oft noch gegen das Hindernis von Firmenchefs, die bei gleicher Qualifikation bevorzugt Männer einstellen. Auch hierzu, bestätigte sie, gäbe es selbstverständlich Material sowie auch Unterstützung für Frauen auf Jobsuche.

Abschließend rief Vandana Verma zum Mitmachen auf: Man freue sich über jede helfende Hand etwa bei der Organisation von Workshops, aber auch bei der Gründung neuer Chapter auf der ganzen Welt. Zwar habe man bereits eine Menge erreicht, aber auch noch einen sehr, sehr weiten Weg vor sich.

(Bild: Black Hat USA 2020 (Screenshot))

Weitere Informationen finden Interessierte unter anderem hier:

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