Ingenieure und Informatiker: Ist der Fachkräftemangel Phantasie?

Die Nachfrage nach Ingenieuren sinkt stark, die Arbeitslosenzahlen steigen an. Ingenieure verlieren an Bedeutung. Betrifft das auch Informatiker?

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(Bild: Kovalevich28/Shutterstock.com)

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  • Peter Ilg
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Der Arbeitsmarkt für Ingenieure ist gekippt. Entgegen der ein ganzes Jahrzehnt lang ansteigenden Arbeitskräftenachfrage in dieser Berufsgruppe ist das Angebot offener Stellen seit März stark gesunken und die Zahl der Arbeitslosen ist sprunghaft angestiegen. Dies sind die wesentlichen Erkenntnisse für das 3. Quartal 2020 aus dem Ingenieurmonitor, den der Verein Deutscher Ingenieure, VDI, gemeinsam mit dem Institut der deutschen Wirtschaft, IW, herausgibt.

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Die entscheidenden Fragen sind nun: Zieht der Arbeitsmarkt für Ingenieure mit dem Verschwinden von Corona wieder an oder verringert sich die Nachfrage nach diesen Fachkräften weiter, weil die Konjunktur nicht anzieht? In jedem Fall werden sich durch die Studienergebnisse diejenigen bestätigt fühlen, die den gebetsmühlenartig von Verbänden gepredigten Ingenieurmangel schon länger bezweifelt haben.

Seit Jahren besteht in Deutschland ein Trend zur Akademisierung. Im Wintersemester 2019/2020 waren an den deutschen Hochschulen 2,9 Millionen Studierende eingeschrieben. Das ist eine Million mehr als vor 20 Jahren und damit ein Plus von etwa 50 Prozent. Im genannten Zeitraum ist die Anzahl der Ingenieursstudenten um 60 Prozent auf 467.800 angestiegen.

Diese Zahlen stammen vom Statistischen Bundesamt, das Informatiker seit 2016 zur Berufsgruppe der Ingenieure zählt. Diese Systematik wenden auch VDI und IW an. In den vergangenen vier Jahren steigen die Absolventenzahlen in den Ingenieurwissenschaften und der Informatik um jährlich jeweils etwa 2000 an. Bei den Ingenieuren sind es 2019 rund 131.000 gewesen, bei den Informatikern 29.000. Eine so große Anzahl an Absolventen muss ein Markt aufnehmen können.

Aktuell kann er das nicht. Im dritten Quartal 2020 ging die Anzahl offener Stellen für Ingenieure um ein Viertel im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zurück. Im gleichen Zeitabschnitt stieg die Zahl der arbeitslos Gemeldeten um fast das Doppelte. "Wir stellen dabei eine deutliche Verschiebung in der Arbeitskräftenachfrage und Arbeitslosigkeit in den Ingenieurberufen fest", sagt VDI-Arbeitsmarktexperte Ingo Rauhut,

Bauingenieure sind weiterhin stark gefragt, "weil Bautätigkeiten von der aktuellen Entwicklung aufgrund eines Investitionsstaus der öffentlichen Hand entkoppelt und zudem die Zinsen sehr niedrig sind", sagt Rauhut. Deshalb herrscht reger Baubetrieb. Informatiker sind die zweite Berufsgruppe, denen es gut ist. "Sie profitieren von der digitalen Transformation, die von Corona sogar beschleunigt wird", meint der Mann vom VDI.