Init-Freedom mal drei: Linux-Distribution Devuan 3.1.0 bringt "runit" mit

Neben SysVinit & OpenRC bietet Devuan GNU/Linux 3.1.0 "Beowulf" nun auch "runit" als Init-System. Auch beim Bootloader gibt es Wahlfreiheit: GRUB2 oder LiLo.

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(Bild: Wikimedia Commons / CC0 1.0)

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Von
  • Michael Plura

Das Entwickler-Team der Veteran Unix Administrators (VUA) hat Devuan GNU/Linux 3.1.0 "Beowulf" freigegeben. Die Linux-Distribution Devuan basiert auf Debian GNU/Linux. Die Besonderheit von Devuan ist, dass als Init-System nicht nur systemd bereitsteht. Stattdessen bietet die Distribution gleich drei Alternativen zur freien Auswahl: Das klassische SysVinit, das abhängigkeitsbasierte OpenRC aus den NetBSD- und Gentoo-Projekten sowie ab der neuen Version auch "runit", eine Re-Implementation der "Daemontools".

SysVinit stammt aus Unix System V, also aus den 80er Jahren, und arbeitet das Starten von Prozessen und Diensten einfach der Reihe nach ab. OpenRC ist ein Init- und Supervisor-System, das mit SysVinit vergleichbare, aber einfachere Startskripte scannt und benötigte Dienste anhand des daraus entstehenden Abhängigkeitsbaumes startet. Dank seiner Modularität und POSIX-Konformität läuft es unter GNU/Linux wie dem in Docker-Containern verwendeten Alpine Linux, aber auch unter BSD.

"Beowulf" läuft mit SysVinit, OpenRC oder runit als Init-und Supervisor-System. Der Benutzer hat auch die Wahl zwischen grub und LiLo.

(Bild: Screenshot)

Das ab Version 3.1.0 auch in Devuan GNU/Linux wählbare runit arbeitet nicht wie OpenRC (wahlweise) zusammen mit SysVinit, sondern ist ein kompletter Ersatz. Es arbeitet in drei Stufen (Start, Betrieb, Shutdown). Runit wurde unter der Prämisse entwickelt, den Code möglichst kompakt, schnell und portierbar zu halten. Es ist daher modular aufgebaut und läuft sogar mit der winzigen "diet libc". Serverdienste werden gestartet, indem der Dienst installiert und ein Symlink gesetzt wird. Das Entfernen des Symlinks deaktiviert den Dienst. 2020 wurde ein übersichtliches und leicht zu bedienendes Administrationswerkzeug namens "rsv" für runit in Rust entwickelt.

Als nächstes und vermutlich letztes Init-System für die Integration dürfte "s6" auf der Liste der Devuan-Entwickler stehen. Damit könnte Devuan GNU/Linux zur Referenzplattform für alternative Init-Systeme werden.

Devuan GNU/Linux bietet als Alternative zum Bootloader GRUB2 nun auch den schlankeren LiLo (LinuxLoader) an. Es handelt sich hier um den Bootloader aus den Anfängen von Linux, der damals das Provisorium "loadlin" ablöste. LiLo wird über eine ASCII-Konfigurationsdatei gesteuert und startet schlicht und einfach einen Kernel samt notwendiger Parameter. LiLo steht unter der BSD-Lizenz.

Wer statt "einfach nur Sound" das komplette PulseAudio-Framework benötigt, wird sich über das neue Paket "debian-pulseaudio-config-override" freuen, das sich um Startprobleme des Frameworks kümmert. Des Weiteren sind Sicherheitsfixes von Debian GNU/Linux von 2020 und 2021 in Devuan eingeflossen. Außerdem bringt die neue Version aktualisierte Software wie etwa Firefox ESR-78.7 und lightdm-1.26.04 mit.

Devuan GNU/Linux 3.1.0 steht ab sofort kostenlos auf der Projektseite für amd64 und i386 als (minimales) ISO-Image, als Server-Image und als Live-Desktop zur Verfügung. Über die Experten-Einstellung kann das System mit oder ohne unfreie Firmware installiert werden. ARM-CPUs wie der Raspberry Pi werden mangels Manpower nur von der Community unterstützt.

Update 17.02.21, 14:32: Text- und Bildkorrektur bezüglich runit (muss nicht nachinstalliert werden). Danke für den Hinweis! (ovw)