Innenministerium will Abhängigkeit von Microsoft reduzieren

Die Open Source Business Alliance warnt die öffentliche Verwaltung vor neuen Abhängigkeiten. Das Bundesinnenministerium antwortet darauf gegenüber heise online.

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Die OSBA sieht zum Beispiel Onlyoffice als Alternative zu Microsoft-Produkten an.

(Bild: OSBA)

Von
  • Andreas Wilkens

Das Bundesinnenministerium will die Abhängigkeit von einzelnen Software-Anbietern vermindern. Es habe durch eine "Strategische Marktanalyse zur Reduzierung von Abhängigkeiten von einzelnen Software-Anbietern" Verbesserungsbedarfe identifiziert, wie ein Sprecher des Ministeriums erläuterte.

Er antwortete damit auf Anfrage von heise online zu Forderungen der Open Source Business Alliance (OSBA). Diese hatte vorige Woche angeregt, dass "Alternativen geprüft und eine Strategie entwickelt werden, welche die heute schon als Schmerzpunkte identifizierten, weitreichenden Abhängigkeiten der Verwaltung von Microsoft nicht weiter verstärkt".

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Das Innenministerium erwidert darauf, Bund und Länder würden basierend auf ihrer "Strategie zur Stärkung der Digitalen Souveränität für die IT der Öffentlichen Verwaltung" Lösungsansätze und Maßnahmen aufzeigen und umsetzen. Dazu gehöre die deutsche Verwaltungscloud oder der geplante Aufbau eines Zentrums für Digitale Souveränität. Damit sollen Abhängigkeiten von Softwarenabietern reduziert werden.

"Das Zentrum für Digitale Souveränität soll beispielsweise das Angebot leistungsfähiger und skalierbarer Open-Source-Alternativlösungen sicherstellen", erläuterte der Ministeriumssprecher. Es solle als Bindeglied zwischen Ideen, Anregungen und Anforderungen der Öffentlicher Verwaltung (ÖV) aufnehmen und an die und der Open-Source-Community weitergeben. Auch soll es kollaborative Projekte zwischen ÖV und OS-Community fördern.

Die OSBA hatte vorige Woche in einer Stellungnahme geschrieben, "die Firma Microsoft hat gegenüber der Bundesverwaltung deutlich gemacht, dass ab dem Jahr 2025 keine Möglichkeit zur Nutzung wesentlicher, für die öffentliche Verwaltung heute zentraler Softwareprodukte des Unternehmens mehr besteht. Dazu gehören Produkte wie Microsoft Office, Sharepoint oder Exchange." Das Bundesinnenministerium sagte dazu, "auf der Grundlage der aktuellen Konditionenverträge erbringt die Firma Microsoft auch noch nach 2025 Softwarepflege für die derzeit eingesetzten Produkte Office 2016 und 2019".

Auch hatte die OSBA offene, produkt- und anbieterneutrale Vergabeverfahren gefordert, "bei denen die Wirtschaftlichkeit über den gesamten Lebenszyklus einschließlich der möglichen Ablösung von Software oder Anbieter betrachtet" wird. Das Ministerium erwiderte dazu knapp, Vergabeverfahren würden bereits jetzt produktneutral und anbieteroffen durchgeführt.

Das geplante Zentrum für Digitale Souveränität soll einmal die Aufgabe übernehmen, eine Open-Source-Plattform der Öffentlichen Verwaltung zu pflegen. Den Aufbau einer solchen Plattform hatte die Regierung vor Kurzem beschlossen. Dort sollen Softwareprojekte strukturiert in einem Git-basierten Code Repository abgelegt werden und gemeinschaftlich bearbeitet werden können.

Ende Juni wurde in Berlin der GovTech Campus Deutschland gegründet. Der Verein will die Zusammenarbeit von Verwaltung, Wissenschaft und wirtschaftlicher wie zivilgesellschaftlicher Technologie-Szene befördern.

(anw)