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Instagram testet Altersverifikation über Gesichts-Scan

Oliver Bünte

(Bild: Instagram (Screenshot))

Instagram will sicherstellen, dass Kinder und Jugendliche altersgerechte Inhalte sehen. Dazu probiert Instagram eine Altersverifikation per "Video-Selfie" aus.

Instagram hat in den USA damit begonnen, neue Möglichkeiten der Altersverifikation auszuloten. Darunter befindet sich auch eine Altersbestimmung über einen Scan des Gesichts der Nutzer per Kamera, wie aus einem Blog-Beitrag von Instagram am Donnerstag hervorgeht. Eine Künstliche Intelligenz (KI) wertet dann aus, ob es sich potenziell um einen Erwachsenen, einen Teenager oder ein Kind handelt. Instagram greift dabei auf Technik des britischen Altersverifikations-Spezialisten Yoti zurück.

Das Alter einer Nutzerin oder eines Nutzers wird dann überprüft, sobald versucht wird, die Altersstufe von "unter 18" auf 18 Jahre oder älter zu ändern, heißt es im Blog von Instagram. Um das Alter zu verifizieren, stehen drei Möglichkeiten zur Verfügung. Nutzerinnen und Nutzer können entweder ein Ausweisdokument hochladen, ein "Selfie-Video" nach bestimmten Vorgaben erstellen, das dann von Yotis KI ausgewertet wird, oder das Alter über Freunde bestätigen lassen.

Instagram will damit sicherstellen, dass sich in bestimmten Ländern keine Kinder unter 13 Jahre bei dem Dienst registrieren können. Je nach Alter – Kinder bis 13 Jahre, Teenager 13 bis 17 Jahre und Erwachsene ab 18 – sollen Nutzer so "altersgerechte Erlebnisse" auf Instagram haben können. Dabei geht es vor allem um Einschränkungen wie die, dass unbekannte Erwachsene keine Kinder kontaktieren können sollen sowie das Ausspielen altersgerechter Werbung.

Nicht neu ist die Altersverifikation in den USA über das Hochladen eines Ausweisdokumentes (ID oder Führerschein). Nach Angaben von Instagram [1] wird das Dokument 30 Tage auf den Servern vorgehalten, bis es gelöscht wird.

Neu ist die Verifikation über ein Video-Selfie. Dazu muss die Anwenderin oder der Anwender ein "Selfie-Video" nach Anweisung erstellen. Nach ersten Informationen entspricht dies weitgehend einem Rundum-Scan des Gesichts, wie es etwa beim Anlegen von Apples Face ID oder für andere Zugangssysteme per Gesichtserkennung benötigt wird. Die aufgezeichneten Bildinformationen werden dann an Yoti weitergeleitet. Mehr Informationen erhält Yoti nicht, schreibt Instagram. Eine KI schätzt dann anhand spezifischer Altersmerkmale das ungefähre Alter ein. Die Identität soll dabei nicht erkannt werden können, verspricht Instagram. Das Ergebnis nutzt Instagram zur Zuweisung zur entsprechenden Altersstufe. Danach werden die Bilddaten gelöscht.

Das System zur Altersverifikation von Yoti sei datenschutzfreundlich und vom Age Check Verification Scheme, einer britischen Non-Profit-Organisation, verifiziert. Auch würden verschiedene Jugend- und Datenschutzorganisationen das System von Yoti empfehlen, darunter etwa die deutsche Kommission für Jugendschutz (KJM), wirbt Instagram weiter für das Verfahren von Yoti.

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Für das Training der KI sollen anonymisierte Bilddaten von Menschen weltweit herangezogen worden sein. Diese hätten dazu ihr Einverständnis gegeben. Bei Kindern hätten die Eltern oder Erziehungsberechtigten der Verwendung von Bilddateien zugestimmt.

Als weitere neue Option zur Bestätigung des Alters setzt Instagram auf "Social Vouching". Instagram-Nutzerinnen und -Nutzer können Freunde bitten, ihr Alter zu bestätigen. Dies muss innerhalb von drei Tagen geschehen. Diese Menschen "bürgen" dann dafür und müssen mindestens 18 Jahre alt sein. Zudem dürfen sie nur für eine Person bürgen. Insgesamt werden drei solcher Bürgen benötigt.

Zurzeit finden die Tests von Instagram zur Alterverifikationsmöglichkeiten ausschließlich in den USA statt. Ob und welche davon auch nach Deutschland kommen werden, steht noch nicht fest.

(olb [3])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-7151635

Links in diesem Artikel:
[1] https://about.instagram.com/blog/announcements/new-ways-to-verify-age-on-instagram
[2] https://www.heise.de/news/GiroIdent-Jugendschutz-Schufa-darf-mit-Blick-in-Onlinekonten-Alter-verifizieren-7125223.html
[3] mailto:olb@heise.de