Internationales Rotes Kreuz: Daten zu 500.000 vermissten Personen abgegriffen

Das Internationale Rote Kreuz kümmert sich unter anderem darum, vermisste Personen mit ihren Familien zusammenzuführen. Die Daten dazu wurden nun abgegriffen.

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Suche nach vermissten Kindern in Nigeria

(Bild: ICRC)

Von
  • Martin Holland

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) ist Opfer eines Cyberangriffs geworden, bei dem vertrauliche Daten von mehr als 500.000 besonders verletzlichen Menschen entwendet wurden. Das hat das IKRK öffentlich gemacht und an die Verantwortlichen hinter dem Angriff appelliert, die Daten nicht weiterzugeben, zu verkaufen oder anderweitig zu nutzen. Die Datensätze stammen von Menschen, die durch Konflikte, Flucht und Naturkatastrophen von ihren Angehörigen getrennt wurden. Dutzende Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften in aller Welt haben sie zusammengetragen, um bei der Wiedervereinigung der Familien zu helfen. Den Zugriff auf die Daten erlangten die unbekannten Angreifer bei einem externen Dienstleister in der Schweiz, der mit der Speicherung beauftragt worden sei.

Bislang hat das IKRK nach eigenen Angaben keinen Hinweis darauf, dass die abgegriffenen Daten an die Öffentlichkeit gelangt sind. Auch wisse man nicht, wer hinter dem Angriff stecken könnte. Der könnte aber solchen Menschen noch mehr schaden und verletzen, die bereits unsagbares Leid erlitten hätten, schreibt die Organisation weiter. Man sei entsetzt und verwirrt angesichts der Attacke, sagte IKRK-Generaldirektor Robert Mardini. Man arbeite jetzt eng mit humanitären Partnern in aller Welt zusammen, um das Ausmaß des Angriffs zu verstehen und gleichzeitig angemessene Vorsorge zu treffen, um solche Angriffe künftig zu verhindern. Das Programm "Restoring Family Links" habe man vorübergehend aussetzen müssen, normalerweise würden darüber jeden Tag im Schnitt 12 vermisste Personen wieder mit ihren Familien zusammengeführt.

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz wurde 1863 gegründet und koordiniert die Hilfsaktivitäten der Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung. Nationale Gesellschaften wie etwa das Deutsche Rote Kreuz sind unabhängig vom IKRK. Das hat seinen Sitz in Genf und beschäftigt nach eigenen Angaben etwa 20.000 Menschen in mehr als 100 Staaten. Die widmen sich der Hilfe von Menschen in Konfliktgebieten und setzen sich dafür ein, dass die internationalen Regeln zum Schutz von Kriegsopfern eingehalten werden.

(mho)