Interoperabilität im Gesundheitswesen: "Interop Council" stellt Fahrplan vor

Interop Council: Internationale Standards und Schnittstellen sollen den Zugang zu Patienten- und Forschungsdaten in der Gesundheitsversorgung ermöglichen.

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(Bild: lenetstan/Shutterstock.com)

Von
  • Christiane Schulzki-Haddouti
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Intensiver Austausch über den richtigen Austausch: Das bei der für die Gesundheitsdigitalisierung zuständigen Gematik GmbH in diesem Jahr eingerichtete Expertengremium "Interop Council" hat in einer öffentlichen Sitzung einen Fahrplan für die Jahre 2023 und 2024 einstimmig verabschiedet. Die einhellige Meinung: Standards und gemeinsame Schnittstellen sind Voraussetzung, um Patienten- und Forschungsdaten in der Gesundheitsversorgung besser auffindbar, zugänglich, anschlussfähig und wiederverwendbar zu machen. Interoperabilität im Gesundheitswesen ist mit der Gesundheits-IT-Interoperabilitäts-Governance-Verordnung (GIGV) gesetzlich geregelt.

Sie legt auch die Arbeitsweise des "Interop Council" fest. Im Fokus des Arbeitsplans stehen die Nutzerorientierung zu verbessern und Interoperabilitätsprobleme aufzudecken, die derzeit die Zusammenarbeit zwischen den Anwendern in Arztpraxen, Krankenhäusern, Apotheken und Gesundheitsämtern mit verschiedenen Systemen erschweren. "Dabei kümmern wir uns um die konkreten medizinischen, pflegerischen und therapeutischen Sachverhalte – also um die Anwendungsfälle in der Praxis", erklärt Sylvia Thun, Vorsitzende des Gremiums. Die Roadmap umfasst in fünf Handlungsfeldern 15 Themen, darunter Handlungsempfehlungen für einen nationalen Terminologie-Server und ein einheitliches, strukturiertes Datenmodell für den Kommunikationsdienst KIM.

Beispielsweise wird der neu eingerichtete Arbeitskreis "Pflege" im nächsten Jahr typische Arbeitsabläufe und Datenflüsse für Anwender aus den Bereichen häusliche Pflege, Sozialstationen und Entlassungsmanagement erarbeiten. Martin Sedlmayr, Mitglied des Interop Council, sieht hier ein großes Potenzial für Erkenntnisgewinne, denn "allein in der Sozialstation zeigen sich die Lücken in den Prozessen oft am deutlichsten: Medienbrüche, Schnittstellen, Terminologie und so weiter. Die Kollegen sind dabei echte menschliche Interoperabilitätswunder."

Der Pflege-Arbeitskreis richtet sich an Fachanwender, Pflegeexperten und die jeweiligen Softwarehersteller. Dabei sollen Interoperabilitätsbrüche und notwendige Standardisierungsaufgaben erkannt werden, die in Handlungsempfehlungen für Standardisierungsaktivitäten in der Pflege münden sollen.

Ein weiterer neu eingerichteter Arbeitskreis richtet sich an Fachanwender in der Onkologie. Er folgt auf den Arbeitskreis "Dataflow in der Onkologie", der untersuchte, welche Spezifikationen es im deutschen Gesundheitswesen bereits gibt. Sylvia Thun: "Hier sind natürlich die Register wichtig und auch die Studien und Datensätze für klinische Studien und für Netzwerke, die in Deutschland aufgebaut worden sind." Zu den bestehenden 20 Vorgaben kämen nun neue Vorgaben vom Deutschen Netzwerk Personalisierte Medizin hinzu, erklärte Thun, wie der Aufbau eines Tumor-Boards. Der Arbeitskreis werde mit einem Forschungsprojekt eines Netzwerks für Lungenkarzinome zusammenarbeiten, um Vorschläge für die Inhalte einer onkologischen Patientenakte zu erarbeiten.

Council-Mitglied und Ärztin Anke Diehl betonte, dass es für die ärztlichen Nutzerinnen wichtig sei, "zu akzeptieren, dass wir zukünftig nur in einer funktionierenden digitalen Infrastruktur, die sich selbstverständlich nutzerinnenorientiert und intersektorale interoperabel ist, eine hochwertige Gesundheitsversorgung und Prävention leisten können." Dafür brauche es "zeitkritisch" die Schaffung von verbindlicher Interoperabilität, wozu Kriterien und Anforderungen an ein einheitliches, harmonisiertes Datenmodell nötig seien.

Vor Ort in den Krankenhäusern sei es erfahrungsgemäß wichtig, "Systeme einfacher anschließen und gegebenenfalls austauschen zu können", ergänzte Council-Mitglied Jörg Studzinski. Es gehe um "bessere und leichter bedienbare Systeme" samt Zugriff auf Daten. Die Verschriftlichung des Arbeitsplans soll laut Studzinski auch dazu beitragen, dass international tätige Organisationen sehen können, was in Deutschland in Sachen Standard- und Terminologie-Entwicklung passiere. Im Austausch mit Organisationen in Nachbarländern werde auch das Risiko von nationalen Alleingängen reduziert, zumal sich der Council verpflichte, internationale Standards zu verwenden.

(mack)