Interpol schließt illegale Online-Apotheken

Behörden in 92 Ländern sind im Mai gegen illegalen Handel mit Arzneien und Medizingütern vorgegangen. Hauptfund waren nicht genehmigte COVID-Tests.​

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Schäferhund zwischen Versandpaketen, dahinter ein uniformierter Mann mit Maske

Ein Spürhund der slowakischen Polizei sucht nach verdächtigen Paketen

(Bild: Interpol)

Von
  • Daniel AJ Sokolov

Nicht lizenzierte Online-Apotheken und deren Logistik standen im Mai im Visier von Behörden und Militär aus 92 Ländern. Die Operation Pangea XIV lief von 18 bis 25. Mai unter Koordination Interpols. Zahlreiche Webseiten wurden geschlossen, Links gelöscht, 710.000 Versandpakete untersucht und umfangreich Sachen beschlagnahmt. 227 Personen wurden festgenommen.

Diese Informationen hat Interpol am Dienstag veröffentlicht. Die behördliche Aktionswoche findet seit 2008 jährlich statt. Doch noch nie seien so viele Webseiten und Links offline genommen worden, sagt Interpol. Das könnte damit zu tun haben, dass Anbieter nicht lizenzierter oder gefälschter Arzneimittel im Zuge der Coronavirus-Pandemie verstärkt online aktiv geworden sind. Unter den Verhafteten war ein Venezolaner, der einen Arznei-Shop in der Facebook-Anwendung WhatsApp aufgesetzt haben soll.

"Als die Pandemie mehr Menschen gezwungen hat, ihre Leben ins Internet zu verlagern, haben Kriminelle schnell diese neuen 'Kunden' (online) angesprochen", sagte der aus Wetzlar stammende Interpol-Generalsekretär Jürgen Stock, "Während manche Personen unerlaubte Medikamente wissentlich gekauft haben, haben viele tausend Opfer ahnungslos ihre Gesundheit und potenziell ihr Leben auf Spiel gesetzt. Der Online-Verkauf unerlaubter Medikamente bleibt eine Bedrohung der öffentlichen Sicherheit."

Dazu passt, dass mehr als die Hälfte aller beschlagnahmten Medizingüter nicht genehmigte, nicht lizenzierte oder gefälschte COVID-19-Tests waren. In Italien wurde eine halbe Million gefälschter chirurgischer Masken aufgegriffen, samt 35 Maschinen zu Herstellung und Verpackung solcher Masken. Unter den aus dem Verkehr gezogenen "Medikamenten" waren die gesamte Bandbreite von Krebsmitteln bis zu Potenzpillen, von Steroiden bis zu Vitaminen, von Malariaarzneien zu Schmerzstillern.

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"Nicht genehmigte oder gefälschte Arzneien können aus mehreren Gründen gefährlich sein", warnt Interpol, "Sie könnten die falsche Menge wirksamer Inhaltsstoffe aufweisen (zu wenig, zu viel, oder gar nichts), verfälschte Ablaufdaten haben oder schlecht gelagert worden sein. Das bedeutet, dass sie unwirksam oder kontaminiert sein könnten." An der Operation Pangea XIV waren auch Europol sowie die Zollabteilung des Büros der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) mit Sitz in Wien beteiligt.

(ds)