Iran: Cyberattacke legt Tankstellen lahm – kein subventioniertes Benzin mehr

Die meisten Menschen im Iran tanken mittels einer Smartcard subventioniertes Benzin. Offenbar durch eine Cyberattacke wurde diese Infrastruktur nun lahmgelegt.

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(Bild: esfera/Shutterstock.com)

Von
  • Martin Holland

Im Iran gibt es aufgrund einer Cyberattacke massive Probleme beim Benzinverkauf an Tankstellen im ganzen Land. Das berichtet unter anderem die Nachrichtenagentur AP und beruft sich auf ungenannte Quellen im Staatsapparat der Islamischen Republik. Stillgelegt wurde demnach die Infrastruktur, mit der in dem Land staatlich subventioniertes Benzin verkauft wird. Wer die dafür verwendete Karte benutzt, bekomme lediglich eine Fehlermeldung. Es gibt bereits Berichte über lange Schlangen an den Tankstellen und viel Frust in der Bevölkerung. Nicht subventioniertes Benzin kann man demnach weiter kaufen, angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Lage sind aber viele Menschen in dem Land auf den vergünstigen Kraftstoff angewiesen. Iranische Medien behaupten, dass einige Tankstellen damit begonnen hätten, Benzin kostenlos auszugeben.

Laut dem Staatsfernsehen hat das zuständige Erdölministerium eine Notfallsitzung einberufen, schreibt AP weiter. Demnach hat bislang niemand die Verantwortung für den Cyberangriff übernommen, es gebe aber Parallelen zu einer Attacke vor Monaten, die sich direkt gegen Staatsoberhaupt Ali Chamenei gerichtet habe. Aktuelle Videos, die in sozialen Netzwerken verbreitet werden, zeigen nun offensichtlich gehackte Verkehrsinformationstafeln im Iran, auf denen zu lesen ist: "Chamenei, wo ist unser Benzin?" Dass ein Cyberangriff als Ursache angesehen wird, hat demnach auch die halbstaatliche Nachrichtenagentur ISNA berichtet. Die habe vorübergehend die Fehlermeldung zitiert, die bei Benutzung der Tankkarte erscheint. Darin sei eine im Land bekannte Telefonnummer vorgekommen, unter der die Führung des Landes Fragen zum Islam beantwortet.

Die Verwendung dieser Nummer in der Fehlermeldung an den gehackten Tankstellen weist demnach auf eine Hackergruppe, die sich nach dem Hindugott des Krieges "Indra" nennen, schreibt AP. Die habe zuvor unter anderem Unternehmen in Syrien attackiert, wo der vom Iran unterstützte Machthaber Baschar al-Assad einen blutigen Bürgerkrieg führt. Außerdem erfolgt die Cyberattacke am heutigen Geburtstag des letzten iranischen Schahs, der im Zuge der Islamischen Revolution 1979 aus dem Land geflohen war. Ende August hatten mutmaßlich andere Hacker Videoaufnahmen der Überwachungskameras des berüchtigten Folter-Gefängnisses Evin in Teheran veröffentlicht und das Regime damit bloßgestellt.

(mho)