Iran umgeht US-Sanktionen: Millionenschwerer Importdeal mit Kryptogeld bezahlt

Die USA haben drakonische Sanktionen gegen die Islamische Republik verhängt. Die will jetzt stärker auf Kryptogeld setzen, um trotzdem Außenhandel zu betreiben.

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(Bild: esfera/Sittipong Phokawattana/Shutterstock.com,heise online)

Von
  • Martin Holland

Die Islamische Republik Iran hat erstmals für einen größeren Importauftrag mit Kryptogeld bezahlt. Der stellvertretende Handelsminister der Islamischen Republik behauptete auf Twitter, dass die Transaktion einen Wert von 10 Millionen US-Dollar hatte und ihr viele weitere folgen sollen. Bis Ende September würden Kryptowährungen und Smart Contracts im Außenhandel des Landes weitverbreitet sein, behauptet Alireza Peyman Pak.

Das Land ist das Ziel weitreichender US-Sanktionen und will damit das von den Vereinigten Staaten dominierte globale Finanzsystem umgehen, womöglich um mit Ländern zu handeln, die ebenfalls sanktioniert wurden. Was genau der Iran jetzt mit dem Kryptogeld gekauft hat und von wem, ist nicht bekannt.

Das vom globalen Finanzsystem und Handel weitgehend abgeschnittene Land setzt schon seit Längerem auf die Kryptowährungen als alternative Zahlungsmöglichkeit. So wirbt das Regime in Teheran um die Ansiedlung von Kryptominern. Zusätzlich war das stromintensive Kryptomining dort attraktiver geworden, als China damit begonnen hatte, schärfer gegen das Schürfen vorzugehen. Dank staatlicher Subventionen sind die Strompreise im Iran vergleichsweise niedrig, aber in den Sommer- und Wintermonaten kommt das Stromnetz regelmäßig an seine Grenzen, weswegen das staatlich autorisierte Mining dann jeweils für Monate untersagt wird. Analysen zufolge entfielen im April und Mai 2021 fast fünf Prozent des globalen Bitcoin-Minings auf den Iran, zuletzt lag der Anteil wieder deutlich unter einem Prozent.

Kryptowährungen wie der Bitcoin gelten nicht nur im Iran als Möglichkeit, westliche Sanktionen zu umgehen. So hatte die Europäische Union nach dem Beginn des russischen Angriffskriegs Bitcoin & Co. als mögliches Schlupfloch ausgemacht, mit dem Moskau die damals verhängten Finanzsanktionen umgehen könnte. Russland gilt nun auch als ein möglicher Handelspartner, den der Iran mit Bitcoin oder anderem Kryptogeld bezahlen könnte. Beide Länder hatten im Juli eine engere Kooperation vereinbart.

Erst am gestrigen Dienstag hat Russland den iranischen Erdbeobachtungssatelliten Chayyām ins All geschossen. Einem Bericht der Washington Post zufolge soll der im Gegenzug vorübergehend von Russland als Spionagesatellit gegen die Ukraine genutzt werden. Bei dem Start kam Berichten zufolge jene Sojus-Rakete zum Einsatz, mit der ursprünglich im März 34 OneWeb-Satelliten ins All geschossen werden sollten.

(mho)