Irgendwas mit KI und Cloud: Gartners zwölf wichtigste IT-Trends

Gartners aktuelle Top-Trend-Liste enthält viele Schlagwörter. Einige sind so neu, dass sie erstmal ausführlich erklärt werden müssen.

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(Bild: Zakharchuk/Shutterstock.com)

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  • Harald Weiss

Gartner hat auf seinem diesjährigen Symposium seine „Top-Zwölf“ IT-Trends präsentiert. Research Vice President David Groombridge teilt diese in drei Kategorien ein: mehr Business-Unterstützung, eine Neuausrichtung der IT und mehr Vertrauen in das IT-Engineering.

Was – laut Gartner – für CIOs nächstes Jahr wichtig wird.

(Bild: Gartner)

Im Bereich Business-Unterstützung steht auf dem obersten Platz „generative KI“. Damit meinen die Analysten eine qualitative Fortschreibung der inzwischen weitverbreiteten Erkennungs-KI, bei der Objekte oder Oberflächen mithilfe selbstlernender Algorithmen immer besser erkannt und klassifiziert werden.

Darauf aufbauend gibt es jetzt zunehmend Anwendungen, die aus diesen Erkenntnissen automatisch neue Objekte oder Strukturen entwickeln. Etwa so ähnlich, wie die von einem Algorithmus „zu Ende komponierte“ zehnte Symphonie von Beethoven (Unvollendete). „Generative KI kann für eine Reihe von Aktivitäten, wie das Erstellen von Softwarecode, die Erleichterung der Medikamentenentwicklung oder das gezielte Marketing verwendet werden“, sagt Groombridge über diesen Trend. Er meint, dass bis 2025 generative KI zehn Prozent aller produzierten Daten ausmachen werden – heute sind es weniger als ein Prozent.

Laut Gartner gibt es bislang nur automatisierte und autonome Systeme, die aber nicht skalierbar sind. Das heißt, sie können sich nicht automatisch durch Selbstlernen an ihre Umgebung anpassen. Vollautonome Systeme können dagegen ihre eigenen Algorithmen ohne externes Software-Update dynamisch ändern und sich somit schnell an neue Einsatzbedingungen anpassen, ähnlich wie es der Mensch kann. „Vollautonomes Verhalten wird bereits in komplexen Sicherheitsumgebungen eingesetzt; langfristig wird es aber auch in physischen Systemen wie Robotern, Drohnen oder Fertigungsmaschinen üblich sein“, sagte Groombridge.

Gartner beobachtet den Trend, dass die bislang getrennten Disziplinen Kunden-Erfahrung (Customer Experience, CX), Mitarbeiter-Erfahrung (Employee Experience, EX), Anwender-Erfahrung (User Experience, UX) und Multi-Erfahrung (Multiexperience, MX) in einer Art totalen User-Experience (TX) zusammen wachsen. So sollen mit TX die bislang siloartigen Bereiche Vertrauen, Zufriedenheit und Loyalität von Kunden und Mitarbeitern deutlich verbessert werden.

In den 70er Jahren wurde mit „Distributed Computing“ der Grundstein für die späteren Client-Server-Architekturen gelegt – jetzt schlägt Gartner eine Brücke von der IT in die Business-Welt und spricht vom „Distributed Enterprise“. Diese neue Unternehmensstruktur basiert vorwiegend auf dem Wandel bei den Arbeitsplätzen, die jetzt geografisch weit auseinander liegen können. „Das Einrichten und der Betrieb der neuen Arbeitsplätze ist die eine Seite der Medaille, aber es gibt noch eine andere: die Auswirkungen auf die Geschäftsmodelle“, sagte Groombridge. „Für jedes Unternehmen, vom Einzelhandel bis zum Bildungswesen, muss das Bereitstellungsmodell neu konfiguriert werden. Die Welt hätte vor zwei Jahren nicht gedacht, dass man neue Kleidung in einer digitalen Umkleidekabine anprobieren würde“, so Groombridge.

Das verteilte Unternehmen – Büropräsenz und starrer Hauptsitz sind so Prä-Corona.

(Bild: Gartner)

Mit dem fünften Platz beginnt die neue Kategorie, bei der es um die Neuausrichtung der IT geht. Den ersten Platz nimmt hier der Trend zum „KI Engineering“ ein. Er basiert auf der Erkenntnis, dass viele Unternehmen Mühe haben, ihre KI-Projekte in praktische Anwendungen zu überführen. KI Engineering bietet einen integrierten Ansatz zur Operationalisierung von KI-Modellen, sodass weniger Zeit und Geld für KI-Projekte verschwendet wird, die nie in Produktion gehen. „Bis 2025 werden zehn Prozent der Unternehmen, die Best Practices für KI-Engineering einführen, mindestens dreimal so viel aus ihren KI-Projekten herausholen, wie die, die es nicht tun“, meint Groombridge

Hyperautomation ist eine Art Oberbegriff, unter dem Gartner verschiedene Tools, Methoden und Plattformen vereint. Dazu gehören nicht nur RPA, sondern auch Low-Code-Programmierung, Process-Mining-Tools sowie die neuen IoT- und Integrations-Plattformen. „Unsere Studien zeigen, dass sich Hyperautomatisierung auf drei Hauptprioritäten konzentriert: Verbesserung der Arbeitsqualität, Beschleunigung von Geschäftsprozessen und Verbesserung der Entscheidungsfindung“, erläutert Groombridge diesen Trend.

Mit der Hyperautomatisierung – Verbesserung der Arbeitsqualität, Beschleunigung von Geschäftsprozessen und Verbesserung der Entscheidungsfindung – zur Disruption der Welt.

(Bild: Gartner)

Unter Entscheidungsintelligenz (Decision Intelligence, DI) versteht man eine Disziplin, mit der die Entscheidungsfindung verbessert werden kann. Hierbei wird detailliert analysiert, wie Entscheidungen getroffen werden, wie die Ergebnisse und das Feedback bewertet werden und wie diese gemanagt und verbessert werden können. Gartner prognostiziert, dass in den nächsten zwei Jahren ein Drittel der großen Unternehmen Entscheidungsintelligenz für strukturierte Entscheidungen nutzen werden.

Die Nachfrage nach neuen oder angepassten Business-Anwendungen wird immer größer und rasanter. Gefordert ist heute eine Technologiearchitektur, die einen schnellen, sicheren und effizienten Anwendungswechsel unterstützt. Sie nennt Gartner konfigurierbare Anwendungen (Composable Application). „Die Unternehmen, die einen Composable-Ansatz wählen, werden die Konkurrenz bei der Geschwindigkeit der Implementierung von neuen Funktionen um 80 Prozent übertreffen“, meint Groombridge über diesen Trend.

Die letzten vier Themen sind dem Vertrauen in das IT-Engineering gewidmet. Es beginnt mit dem Trend zu Cloud-Native. „Die CIOs müssen sich schnellsten von Lift-and-Shift verabschieden, denn nur mit Cloud-nativen Plattformen lassen sich die wesentlichen Vorzüge des Cloud-Computings, wie skalierbare und flexible IT-Funktionen, voll ausschöpfen“, lautet die Mahnung von Groombridge. Er sagt vorher, dass 2025 bei mehr als 95 Prozent aller neuen digitalen Initiativen Cloud-native Plattformen die Basis sein werden – gegenüber weniger als 40 Prozent in diesem Jahr.

IT einfach auszulagern genügt nicht, sie muss ausschließlich auf die Cloud ausgerichtet sein.

(Bild: Gartner)

Zunehmend komplexer werdende Datenschutzgesetze und der Vertrauensverlust vieler Kunden aufgrund von Datenschutzvorfällen bedeutet, dass die CIOs sich diesem Thema verstärkt widmen müssen. Daher erwartet Gartner, dass 60 Prozent der großen Unternehmen bis 2025 mehrere den Datenschutz verbessernde Programme (Privacy-Enhancing Computation Techniques, PEC) einsetzen werden. Aktuelle Anwendungsfälle davon gäbe es bereits in vielen Branchen sowie bei den Public-Cloud-Providern (z. B. Trusted Execution Environments).

„Daten sind nur dann nützlich, wenn sich die Unternehmen auch darauf verlassen können“, sagt Groombridge. „Doch heutzutage können Daten überall abgelegt sein, was bedeutet, dass traditionelle Sicherheitsmethoden nicht mehr greifen. Erforderlich ist stattdessen eine neue Cybersicherheits-Mesh-Architektur (CSMA)“, lautet seine Forderung. CSMA könnte dazu beitragen, eine integrierte Sicherheitsstruktur zu schaffen, um alle Datenbestände, unabhängig von ihrem Ort zu schützen. „Bis 2024 werden die Unternehmen, die CSMA einführen, die finanziellen Einbußen von Sicherheitsvorfällen um durchschnittlich 90 Prozent reduzieren“, glaubt Groombridge.

Der letzte Platz geht an ein Dauerthema der IT: Optimierung der Datenstrukturen. Hierbei sehen die Analysten den Trend zu Data-Fabric-Strukturen. Darunter versteht man eine „flexible, belastbare Integration von Daten über Plattformen und Geschäftsanwendungen hinweg, um die Datenintegration zu vereinfachen und eine skalierbare Architektur zu schaffen“. Damit würden sich integrierte Analysen deutlich verbessern und gleichzeitig der Aufwand fürs Datenmanagement um bis zu 70 Prozent sinken.

Das diesjährige IT-Symposium geht noch bis Donnerstag. Es gilt als eines der wichtigsten CIO-Events des Jahres.

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(fo)