Israel: Zivilisten hackten angeblich ohne richterliche Kontrolle für Polizei

Israels Polizei soll ein "Computergenie" bezahlt haben, um ohne richterliche Genehmigung an Daten etwa von Überwachungskameras zu kommen.

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(Bild: Lord Beard/Shutterstock.com)

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  • Martin Holland

Israels Polizei soll Zivilisten dafür bezahlt haben, Cyberangriffe auf Zielpersonen auszuführen. Das berichtet das Magazin Calcalist (כלכליסט) und nennt sogar Namen. So sei ein inzwischen 31-Jähriger vor sieben Jahren als "Computergenie" von der Polizei rekrutiert worden. Ohne eine spezielle Ausbildung, ohne Sicherheitsfreigabe und ohne spezielle Geheimhaltungsverträge seien er und mindestens zwei andere beauftragt worden, in private WLAN-Netzwerke einzubrechen, heimlich Daten von Überwachungskameras zu besorgen, Versicherungsdokumente an sich zu bringen oder Mobiltelefone zu hacken, die mit Spyware nicht zu knacken gewesen seien. Damit scheint auch der Skandal um die Pegasus-Software der NSO Group in deren Heimatland eine neue Richtung zu nehmen.

Der heute 31-Jährige, wurde dem Bericht zufolge ein Jahr nach seinem Ausscheiden aus dem israelischen Militär angeheuert. Damals sei er in finanziellen Schwierigkeiten gewesen und habe vor Gericht gestanden, weil er online gegen Bezahlung angeboten habe, Playstation-Konsolen von Sony zu hacken. Die Polizei habe seitdem regelmäßig auf seine Dienste zurückgegriffen und ihm manchmal umgerechnet bis zu 14.000 Euro pro Monat bezahlt.

Wie er an die gewünschten Informationen gekommen sei, habe die Polizei nie herauszufinden versucht, ihm aber Zugang zur eigenen Abhörzentrale gegeben. Dort habe er Zugang zu streng geheimen Informationen gehabt, obwohl er nie eine Polizeiausbildung erhalten habe. Er habe bei der Aufklärung schwieriger Fälle geholfen, ohne dass für sein Vorgehen richterliche Genehmigungen eingeholt worden seien. Es sei nicht klar, ob die Polizei überhaupt habe sicherstellen können, dass so gesammelte Informationen nicht nebenher weitergegeben wurden.

Der Bericht vom Mittwoch könnte der erst kurz zuvor in Israel entfachten Debatte über die Pegasus-Spyware eine neue Richtung geben. Calcalist hatte Anfang der Woche berichtet, dass einzelne Polizeibehörden in dem Land eigenmächtig auf die Spyware zurückgegriffen haben, um Personen auszuspionieren, die Proteste gegen den damaligen Premierminister Benjamin Netanjahu angeführt hätten. Dem waren vehemente, aber teilweise auch übergenaue Dementis gefolgt. Der Jerusalem Post zufolge könnten Aussagen aus der Regierung etwa andeuten, dass nicht die Spyware der NSO Group, sondern Technik anderer Unternehmen eingesetzt worden sei. An dem grundlegenden Vorwurf, dass Software für den Kampf gegen Terrorismus und schwere Kriminalität gegen Regierungskritiker eingesetzt wurde, würde das nichts ändern.

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(mho)