JIT-Compiler: Pyston tritt Anaconda bei und bleibt Open Source

Die alternative Python-Runtime Pyston hat eine bewegte Vergangenheit. Nun ist das Pyston-Team Anaconda beigetreten.

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Python
Von
  • Maika Möbus

Das Pyston-Team und Anaconda machen in Zukunft gemeinsame Sache: Das Team hinter dem JIT-Compiler Pyston, der eine deutlich bessere Performance bieten soll als Pythons Standard-Compiler, ist Anaconda beigetreten. Pyston soll sich gut in Anacondas Python-Ökosystem einfügen und sich etwa gemeinsam mit Numba verwenden lassen. Dabei soll Pyston laut Anaconda als Open Source verfügbar bleiben.

Pyston startete als Fork des Standard-CPython-Interpreters zunächst als Dropbox-Projekt und stand 2017 nach dem Rückzug von Dropbox vor dem Aus. Ein Teil des Pyston-Teams entwickelte den JIT-Compiler überraschend weiter und veröffentlichte Ende des Jahres 2020 Version 2.0, allerdings aus Kostengründen als Closed Source anstatt wie zuvor unter Apache-2.0-Lizenz. Zudem ersetzte das Team die bisherige JIT-Engine LLVM durch den Dynamic Assembler DynASM.

Das Closed-Source-Modell war laut des Pyston-Teams nicht als dauerhafte Lösung geplant, und tatsächlich ist Pyston seit Version 2.2 wieder Open Source. Pyston basiert inzwischen auf CPython 3.8.8 und steht ebenso wie CPython unter PSF-Lizenz (Python Software Foundation). Die neueste verfügbare Version ist Pyston 2.3.

Anaconda Inc. ist als Anbieter einer Open-Source-Distribution für Python bekannt, unter dessen Fittichen bereits andere Open-Source-Projekte für Python laufen, darunter Numba, ein LLVM-basierter JIT-Compiler für numerische Python-Funktionen auf CPUs und GPUs. Numba teilt sich mit Pyston den gemeinsamen Ursprung im CPython-Interpreter. Beide JIT-Compiler sollen sich innerhalb einer Anwendung nutzen lassen und sich gegenseitig ergänzen, um die Performance weiter zu erhöhen – und Anaconda blickt erwartungsvoll auf die Zusammenarbeit der beiden Entwicklungsteams.

Eine Installation von Anaconda ist zur Nutzung von Pyston weiterhin nicht notwendig. Zudem ist nicht geplant, Pyston als ein Anaconda-Produkt zu vertreiben, sondern die bisherige PSF-Lizenz soll bestehen bleiben – allerdings schließt Anaconda nicht aus, dass Teile von Pyston Einzug in Anaconda-Produkte halten könnten. Derzeit bietet Anaconda keinen kommerziellen Support für Pyston und in der Anaconda-Package-Distribution ist der Compiler noch nicht enthalten, soll es aber in Zukunft sein.

Interessierte können die Sichtweisen beider Seiten nachlesen, denn sowohl im Anaconda-Blog als auch im Pyston-Blog finden sich weitere Details.

(mai)