Jahresabschluss: Vodafone spürt TKG-Novelle

Die Pandemie und Verbraucherschutz-Regeln schlagen sich in den Neukundenzahlen nieder, insgesamt spricht Deutschlandchef Ametsreiter aber von "gutem Wachstum".

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Vodafone

(Bild: dpa, Federico Gambarini)

Von
  • Volker Briegleb
  • mit Material der dpa

Die Stärkung von Verbraucherschutz-Regeln und die Pandemie haben beim Telekommunikationsanbieter Vodafone Spuren hinterlassen. Wie aus den am Dienstag veröffentlichten Geschäftszahlen von Vodafone Deutschland hervorgeht, sank die Zahl der Mobilfunk-Kunden im ersten Quartal 2022 um 133.000 auf rund 31,2 Millionen. Zugleich ging die Zahl der Festnetz-Internetkunden um 125.000 auf 10,8 Millionen zurück.

Das Unternehmen führt das unter anderem auf Probleme bei der Umsetzung neuer Verbraucherschutzregeln zurück. Seit Inkrafttreten der Novelle des Telekommunikationsgesetzes (TKG) im Dezember 2021 sind Verträge, die sich nach ihrer Laufzeit automatisch verlängert haben, schon nach einem Monat kündbar. Zudem müssen Anbieter eine Kurzzusammenfassung schicken, bevor ein Vertrag abgeschlossen werden darf.

Einerseits seien wegen der Pandemie weniger Menschen in die Vodafone-Shops gekommen, sagte ein Sprecher der dpa. Dazu habe es "Herausforderungen bei der Umsetzung der Vorgaben durch die TKG-Novelle" gegeben. "Um den Gesetzesänderungen gerecht zu werden, mussten wir Systeme und Prozesse umfassend anpassen. Leider hat diese Anpassung nicht so reibungslos funktioniert wie geplant. Die Folge: Neukundenverträge kamen nicht zustande."

Mit Blick auf das Ende März abgeschlossene Geschäftsjahr vermeldet Vodafone Deutschland einen Anstieg des Service-Umsatzes von 1,1 Prozent auf 11,5 Milliarden Euro. Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen inklusive Leasingkosten (Ebitda AL) kletterte um 6,5 Prozent auf rund 5,7 Milliarden Euro. Den Nettogewinn gibt das Unternehmen nicht bekannt.

"Wir beenden das Geschäftsjahr mit einem guten Wachstum", sagte der scheidende Deutschlandchef Hannes Ametsreiter. Die Nachfrage nach schnellem Internet – ob im Mobilfunk oder Festnetz – sei ungebrochen. "Ich verlasse Vodafone in tiefer Dankbarkeit und lege die Geschicke des Unternehmens vertrauensvoll in die Hände meines Nachfolgers Philippe Rogge." Ametsreiter hatte seinen Rückzug vor vier Wochen bekannt gegeben. Sein Nachfolger soll am 1. Juli übernehmen.

Auch beim Wettbewerb hatten die gesetzlichen Regeln Folgen für das Jahresauftakt-Quartal. Die Telekom legte bei ihren Festnetz-Kunden zwar zu und verzeichnete ein Plus von rund 55.000 Verträgen. "Hätte es den TKG-Effekt nicht gegeben, wären es zwischen 20.000 und 25.000 mehr gewesen", sagte ein Telekom-Sprecher. Er sieht darin einen Vorzieheffekt – Kunden hätten ihre Verträge früher gekündigt als sie dies ohne TKG-Novelle getan hätten.

Auch United Internet, der größte Reseller von Telekom-Anschlüssen im DSL-Bereich, sprach von "Verschiebungseffekten" aufgrund der TKG-Novelle und bezifferte diese auf ein Minus von 90.000 Verträgen im 1. Quartal.

(vbr)