Japan: Mann verliert USB-Stick mit Einwohnerdaten einer ganzen Stadt

In Japan ist ein USB-Stick mit personenbezogenen Daten verschwunden. Betroffen sind Einwohnermeldedaten von gut 460.000 Menschen - den Einwohnern von Amagasaki.

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(Bild: takayuki/Shutterstock.com)

Von
  • Greta Friedrich

Ein USB-Stick mit personenbezogenen Daten der Einwohner von Amagasaki im Westen Japans ist verloren gegangen. Nach Angaben der Stadt hatte der Mitarbeiter eines IT-Dienstleisters die Daten der über 460.000 Einwohner am Dienstag im Informationszentrum der Stadtverwaltung auf den Stick gezogen, um sie an anderer Stelle zu verarbeiten. Nach Feierabend habe der Mann die Tasche mit dem Stick verloren. Nachdem der Stick am Mittwoch als verschwunden gemeldet wurde und die Stadt Amagasaki am Donnerstag die Öffentlichkeit informiert hatte, tauchte der USB-Stick nun wieder auf.

Grund für den Verlust des Daten-Sticks war Medienberichten zufolge, dass der Mann nach Feierabend in einem Restaurant eingekehrt war und Alkohol trank – zu viel, denn er sei anschließend auf der Straße eingeschlafen. Das berichtet die japanische Rundfunkgesellschaft NHK und beruft sich dabei auf Angaben des IT-Dienstleisters.

Als der Mann erwachte, sei die Tasche mit dem USB-Stick verschwunden gewesen. Am Mittwoch habe er vergeblich danach gesucht und dann seinen Arbeitgeber informiert, der wiederum die Stadt in Kenntnis setzte. Die Stadt Amagasaki veröffentlichte daraufhin die Informationen zu dem Fall auf ihrer Webseite.

Noch am Mittwoch habe der Mitarbeiter den Verlust auch bei der Polizei angezeigt. In Zusammenarbeit mit der Polizei habe er die Tasche mit dem Stick am Freitag dann wiedergefunden, nachdem sie sein Handy geortet hatten, wie NHK berichtet. Auch die Stadt Amagasaki ergänzte ihre Informationsseite zu dem Fall: Der USB-Stick sei wieder da, die Stadt untersuche die Daten nun gemeinsam mit den Behörden. Der Stick sei passwortgeschützt und die Daten darauf seien verschlüsselt, bisher sei kein Datenleck bekannt.

Auf der Webseite der Stadt heißt es, der Mann sei Mitarbeiter des Unternehmens Biprogy. Aufgabe des IT-Dienstleisters bei der Stadt sei es, vorübergehende Leistungen an von der Wohnsteuer befreite Haushalte auszuzahlen. Konkret seien damit Beihilfen für Menschen gemeint, die stark von der Corona-Pandemie betroffen seien, berichtet NHK. Der Stick enthalte daher grundlegende Melderegisterinformationen über alle Bürgerinnen und Bürger von Amagasaki, also von 465.177 Menschen, räumt die Stadt auf ihrer Webseite ein.

Im Einzelnen seien das unter anderem Name, Postleitzahl, Adresse, Geburtsdatum, Geschlecht und Datum des Einzugs der einzelnen Personen. In 360.573 Fällen seien auch Informationen zur Wohnsitzsteuer auf dem Stick gespeichert – von Haushalten, die Sozialhilfe und Kindergeld erhalten, seien auch Kontoinformationen in den Daten gewesen (insgesamt etwa 86.000 Fälle).

Die Stadt Amagasaki warnt vor Betrugsfällen im Zusammenhang mit dem zwischenzeitlich verlorenen USB-Stick. Betrügerinnen und Betrüger könnten die Angst der Menschen vor einem Verlust ihrer Daten ausnutzen und ihnen etwa die Löschung ihrer Daten anbieten. Auf ihrer Webseite stellt die Stadt klar, dass weder die Polizei noch Mitarbeiter der Stadt oder des betroffenen IT-Unternehmens im Kontext des Vorfalls einzelne Menschen anrufen oder per Mail kontaktieren würden.

Um ähnliche Vorfälle künftig zu verhindern, arbeite die Stadt mit externen Sachverständigen zusammen. Drei Ursachen für den Verlust des Sticks wurden bereits ausgemacht: Der IT-Dienstleister habe nicht die Erlaubnis gehabt, die Daten per USB-Stick von einem einzelnen Mitarbeiter transportiert zu lassen. Für den Transport hätte eine sichere Transportmethode genutzt werden müssen und der Mitarbeiter hätte die Daten sofort vom Stick löschen müssen, nachdem er sie für die Weiterverarbeitung übertragen hatte.

Die Stadt wolle nun ihr Sicherheitskonzept gründlicher umsetzen, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die Bedeutung des Schutzes personenbezogener Daten sensibilisieren und ihr Krisenbewusstsein schärfen.

(gref)