Blue Origin plant Business Park im Weltraum

Jeff Bezos' Raumfahrunternehmen Blue Origin plant eine kommerzielle Raumstation. Sie könnte für Forschung, Urlaubsreisen und Weltraumfertigung genutzt werden.

Lesezeit: 3 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 40 Beiträge
ISS, Internationale Raumstation

(Bild: NASA)

Von
  • Andreas Knobloch

Eine private Raumstation namens Orbital Reef möchte das Raumfahrtunternehmen Blue Origin errichten. Sie soll im Zeitraum 2025 bis 2030 in Betrieb gehen. Entsprechende Pläne hat Blue Origin am Montag vorgestellt. Hauptpartner ist das Raumfahrt-Start-up Sierra Space, das sein LIFE-Habitat (Large Integrated Flexible Environment) – im Wesentlichen ein aufblasbares Raumstationsmodul – beisteuert.

Die beiden Unternehmen konzipieren Orbital Reef als Mischung aus Business Park und Ziel für Weltraumtouristen. Die Station soll fast so viel Wohnfläche haben wie die Internationale Raumstation ISS und bis zu zehn Personen beherbergen können. Transport von Fracht und Besatzung zur und von der Station soll das Raumschiff Dream Chaser übernehmen.

Boeing wird ein wissenschaftliches Modul für die Raumstation bauen und den Betrieb der Station samt Wartung übernehmen. Mit dabei sind zudem Redwire Space, ein Unternehmen, das an der Fertigung im Weltraum in Form von 3D-Druck arbeitet. Das soll ermöglichen, neue Güter im Weltraum zu produzieren, anstatt Güter auf der Erde herzustellen und sie dann ins All zu befördern. Außerdem könnte Dinge hergestellt werden, die auf der Erde nicht oder nur schwierig zu produzieren sind. Von Genesis Engineering kommt das "Single Person Spacecraft"-System – eine Alternative zum Raumanzug.

Zur Investitionssumme äußern sich die beteiligten Unternehmen nicht. Auch gibt es keine Garantie, dass die Unternehmen das Projekt verwirklichen können. Derartige Projekte sind nach wie vor exorbitant teuer und riskant. Auch ist die Rakete New Glenn, deren Leistung für die Beförderung der größten Teile der Raumstation erforderlich ist, noch nicht einsatzbereit. Ihr Jungfernflug wurde auf mindestens Ende 2022 verschoben.

Orbital Reef passt zu Bezos' Vision für Blue Origin, wonach "Millionen von Menschen im Weltraum leben und arbeiten, um der Erde zu nützen" sollen. Insbesondere umweltschädliche Produktion möche Bezos außerhalb der Atmopshäre ansiedeln.

Erst Mitte Oktober hat Blue Origin seinen zweiten bemannten Raumflug innerhalb weniger Wochen ins All geschossen. Der 90-jährige kanadische Schauspieler William Shatner, bekannt geworden als Star-Trek-Captain James T. Kirk, wurde dabei zum ältesten Menschen überhaupt, der den Weltraum erreicht hat. Für Blue Origin war es ein weiterer Meilenstein im Weltraumtourismus, dank dem 2021 mehr Privatmenschen ins All fliegen, als je zuvor.

Seit Bezos im Sommer als Amazon-CEO zurückgetreten ist, hat er sein persönliches Engagement bei Blue Origin verstärkt. Zuletzt gab es interne Kritik an der Raumfahrtfirma Blue Origin: Es herrsche eine "toxische" Unternehmenskultur, Sexismus würde ignoriert, Klimaschutz gelte wenig und Sicherheitsbedenken würden beiseite geschoben, behaupten ehemalige Mitarbeiter.

Zudem nehmen Rivalitäten unter Raumfahrunternehmen zu. Die NASA plant, die Internationale Raumstation bis zum Ende des Jahrzehnts in den Ruhestand zu versetzen. Unter dem Namen "Commercial Destinations Development in LEO" hatte die Behörde im Frühjahr private Unternehmen dazu aufgerufen, Vorschläge für die Entwicklung eines privaten ISS-Nachfolgers einzureichen.

Mehrere Unternehmer wollen private Raumstationen entwickeln, nicht nur Jeff Bezos. Im August hat Blue Origin gegen die NASA geklagt, weil es die Vergabe eines Auftrags für die Entwicklung einer Mondlandefähre an SpaceX als regelwidrig erachtet. (akn)